Grevenbroicher Biologin Regina Thebud-Lassak erklärt die Pilze des Stadtwalds

Egerling, Schirmling und Co. : Pilzen unter die Haube geschaut

Die Biologin Regina Thebud-Lassak führt regelmäßig Hobby-Pilzkundler in die Natur und erklärt, worauf es beim Pilzesammeln ankommt. Im Erftbend wird die Gruppe schnell fündig, doch nicht alles kommt in die Pfanne.

Sehen, Riechen, Fühlen – zum Pilze bestimmen muss man seine Sinne einsetzen. Mit allen Sinnen dabei waren denn auch die engagierten Hobby-Pilzkundler, die die Biologin Regina Thebud-Lassak am Freitag durch den Stadtwald und den Erftbend führte.

Mit wetterfester Kleidung, einem Körbchen und einem Pilzbuch ausgerüstet macht sich die 14 Personen starke Gruppe auf den Weg. „Ich kann aber nicht garantieren, dass jeder von Ihnen seine Pfanne vollbekommt“, sagt Thebud-Lassak zu Beginn des dreistündigen Ausflugs. Schon nach wenigen Schritten, an einem Stapel gefällter Baumstämme, macht die Biologin Halt. Die Stämme sind frisch geschlagen, Pilze hatten noch keine Zeit, sich dort auszubreiten. Aber unter den Brennnesseln, die vor dem Stapel üppig wachsen, wird sie fündig. „Brennnesseln sind ein Zeichen für einen gut gedüngten Boden“, sagt Thebud-Lassak. „Das mögen auch Pilze.“

Ein Stinkschirmling macht somit den Auftakt der Wanderung, reihum sollen die Mitglieder der Gruppe ihre Nase an die Lamellen des Pilzes halten. „Und? Wonach riecht das für Sie? Würden Sie den in die Pfanne hauen?“, fragt Thebud-Lassak. Der Pilz riecht nicht so intensiv wie er könnte, der starke Regen am Mittag hat ihn etwas ausgewaschen. Ein leicht säuerlicher Geruch ist aber dennoch wahrnehmbar. „Den sollten Sie nicht essen, er ist leicht giftig“, bestätigt die Biologin.

Nur wenige Meter weiter, an einem alten Baumstamm im Gebüsch, macht sich einer der Hobby-Pilzsucher daran, ein Stück der Rinde zu lösen. Entlang des gesamten Stamms hat sich ein kleiner, aber sehr fester Pilz „wie herausstehende Schubladen“ angesiedelt. „Dieser Bewohner hier sorgt quasi für die Abfallentsorgung im Wald“, erklärt Thebud-Lassak. Der Schmetterlingstramete genannte Pilz ist klein und hart, zersetzt aber ganz langsam den alten Baumstamm. Damit mache dieser Pilz die Nährstoffe, die in dem Holz stecken, wieder für andere Pflanzen verfügbar. „Die paar Käfer und Bakterien sind nicht genug, die Pilze sind diejenigen, die hier die meiste Arbeit leisten“, sagt Thebud-Lassak. Er ist zwar nicht giftig, aber aufgrund seiner Konsistenz dennoch nicht genießbar.

Weit dringt die Gruppe während der ersten Stunde nicht in den Wald vor, alle paar Meter erblickt jemand ein neues Exemplar. Die Biologin nimmt sich für jeden Pilz Zeit, erklärt dessen Besonderheiten. „Von oben lässt kein Pilz bestimmen, immer unter die Lamellen schauen“, rät sie und zeigt auf den Stiel und die Unterseite des gerade gesammelten Pilzes. „Grundsätzlich gilt, wer zum Essen sammeln möchte, sollte vorgehen wie in der Gemüseabteilung im Supermarkt.“ Die gesammelten Exemplare sollten jung sein, sonst drohe eine sogenannte unechte Pilzvergiftung. Bei dieser Art der Vergiftung ist nicht der Pilz an sich giftig, er ist, weil er zu alt ist, schlichtweg verdorben. „Das ist, als würde man altes Hackfleisch essen“, sagt Thebud-Lassak.

Ein violetter Rötelritterling macht zwar einen etwas ungewöhnlichen Eindruck, ist aber der erste essbare Pilz, den die Gruppe findet. „Dieser hier eigent sich gut zum Schmoren, darf aber nicht verwechselt werden mit Schleierlingen“, warnt Thebud-Lassak. Letztere können nämlich auch giftig sein.

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