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Grevenbroicher Band unternimmt erste London-Reise

Band of the Grenadier Guards Kapellen Erft tritt erste Auslandsreise an : Erste Reise ins musikalische Mutterland

Meistens spielen sie anlässlich Totengedenken an britischen Grabstätten Nordrhein-Westfalens, nun aber reisen die Grenadier Guards Kapellen Erft erstmals ins Mutterland ihrer Musik – nach England. Dort musizieren sie und machen Sightseeing.

Die Tradition der Grenadier-Garde reicht satte 333 Jahre zurück. Jedenfalls im Original der britischen Armee. Die Kapellener Dependence gibt es jetzt seit 25 Jahren. „Und pünktlich zu unserem Geburtstag machen wir uns selbst ein Riesengeschenk“, freuen sich Michael Feuster und Marcel Marcel Hambloch. „Wir unternehmen unsere erste Auslandsreise. Wir fahren nach London.“

„Damit wird ein Kindheitstraum wahr“, gesteht Daniel Krause, ebenfalls zur Musikformation zählend. Für gewöhnlich musiziert die Band of the Grenadier Kapellen Erft, wie die korrekte Bezeichnung lautet, beispielsweise auf Militärfriedhöfen für die Royal British Legion zu Ehren der Kriegsopfer anlässlich des Remembrance Day, mit dem in den Commonwealth-Staaten an das Ende des 1. Weltkriegs erinnert wird.

Das ist jetzt „eine ganz große Sache“, sagen Kornett-Spieler Feuster, sowie Hambloch, der das Euphonium bedient, und die etwa 28 weiteren Mitmusiker – darunter übrigens fünf Frauen. „Bewusst“ in blaue (und keine roten Uniformen wie das Original am Buckingham Palace) gehüllt, nehmen sie ihre musikalischen Aufgaben sehr ernst. „Die Uniformen sind keine Verkleidung“, erklärt Drummajor Feuster. Eigens vom Verteidigungsministerium seien entsprechende Schnittmuster bereitgestellt worden, und die Details sind very british: „Die Knöpfe an der Uniform mit dem Wappen der Königin sind dieselben, die auch die Soldaten an ihren Uniformen tragen“, erläutert Michael Feuster, der übrigens auch eine Bärenfell-Mütze sein eigen nennt.

Er ist „großer Fan der englischen Monarchie“, in seinem heimischen Büro hat er ein Bild der Queen hängen. „Das Foto ins Schlafzimmer zu hängen, habe ich bei meiner Frau nicht durchsetzen können“, sagt er und grinst. Und auch im Proberaum, in dem vor dem Start nach England „geübt, geübt und vor allem: geübt“ wurde, hängen die Royals. Königin Elisabeth lächelt würdevoll, umrahmt von ihrem Prinzgemahl Philipp und dem (angeblichen) Lieblingssohn Andrew. Letzterer ist gerade wieder in einen Skandal verwickelt, „aber die Windsors haben schon so viele Stürme überstanden“., sagt Feuster und ist sich sicher: „Auch das geht vorbei.“

Tee mit der Königin steht beim dreitägigen Ausflug nicht auf dem Programm, wenngleich das Netzwerk der Kapellener Grenadiergarde quasi bis kurz vor die Wachsoldaten am Palast reicht. Aber es gibt Verabredungen mit befreundeten Musikkorps in der Grafschaft Kent. „Der Brexit ist ein Thema, das bei allem Spaß, den wir erwartungsgemäß haben werden, sicher auch angesprochen wird“, vermuten die Kapellener. Viele Freunde in Großbritannien, mit denen die Kapellener befreundet sind, sind von den Umwälzungen, die dieser Austritt mit sich bringt, betroffen. „Dass in einer Gemeinschaft nicht immer alles glatt läuft, liegt in der Natur der Dinge“, sagen sie, aber fürchten auch: „So ein Austritt kann glatt das Genick brechen.“

Beim Tagesausflug nach London soll dann nicht Politik im Vordergrund stehen, wie gewöhnliche Touristen werden die Kapellener Tower, Downing Street, Piccadilly Circus und andere Wahrzeichen besichtigen. Per Netzwerk ist außerdem im Londoner Pub „The Grenadier“ zu einem „meet and greet“ eingeladen worden. „Es ist unsere erste richtige Reise. Und wird sicher nicht unsere letzte sein“, sagt Michael Feuster und ist sich da sehr sicher.