Spiritueller Zwischenruf Lieder haben es in sich

Langwaden · „L’Amour toujours“ – immerwährende Liebe: So heißt ein Popsong, zu dem rassistische Parolen gegrölt werden. Ein Verbot dieses Liedes hilft nicht weiter, meint Bruno Robeck, Prior der Langwadener Zisterziensermönche.

 Bruno Robeck ist Prior der Zisterzienser aus dem Kloster Langwaden.

Bruno Robeck ist Prior der Zisterzienser aus dem Kloster Langwaden.

Foto: Kandzorra, Christian

Gab es das nicht schon einmal? Es ist noch keine zwei Jahre her, als sich wegen eines viral gehenden Ballermann-Hits große Aufregung und Empörung breit machte und Aufführungsverbote ausgesprochen wurden. Damit hört aber auch schon die Vergleichbarkeit zur jetzigen Diskussion auf. Einen Ballermann-Hit zeichnet aus, dass er „etwas schlicht gebaut, etwas einfach getextet, etwas in Richtung geistarmen Hedonismus verbogen (ist), damit man ein etwaiges Abitur der Akteure dahinter nicht gleich erkennt“, so habe ich es nachgelesen. Vor diesem Hintergrund passen Liedgenre und Inhalt bei „Layla“ bestens zusammen. Ärgerlich und für mich inakzeptabel war jedoch, dass es so viele Menschen nicht unter ihrem Niveau ansahen, sich solch einen Text anzuhören oder ihn sogar mitzugrölen.

Ganz anders verhält es sich im Zusammenhang mit dem Song „L’Amour toujours“ des italienischen DJ Gigi d’Agostino. Der schon über 20 Jahre alte Megahit (von dem ich jetzt allerdings zum ersten Mal gehört habe) verbindet eine primitivnaive Ohrwurmmelodie mit einem tiefsinnig-feinfühligen Inhalt. D’Agostino: „Mein Lied ‚L’Amour Toujours‘ erzählt von einem wunderbaren, großartigen und intensiven Gefühl, das Menschen verbindet: Es ist Liebe. (…) Es ist die Kraft der Liebe, die mich antreibt. Der Wunsch, meine Familie fest zu umarmen und Danke zu sagen, der Wunsch, gemeinsam Worte der Liebe zu singen und zu tanzen. Die Liebe zu meiner Frau. Der Wunsch, vor Freude zu lachen und zu weinen wegen der Schönheit des vereinten Gefühls“.

Indem die Melodie mit rassistischen Rufen unterlegt wird, wird nicht nur der ursprüngliche Song in sein Gegenteil verkehrt, sondern zu einer menschenverachtenden Hymne umgeschrieben. Was auf einem Dorffest in Mecklenburg-Vorpommern im Herbst letzten Jahres begann, hat nun erschreckenderweise die piekfeine Partymeile auf Sylt erreicht. Hier müssen sich der gesunde Menschenverstand und das christlich geprägte Moralempfinden lautstark melden. Ein Liederverbot finde ich jedoch weder originell noch weiterhelfend.

Es braucht eine kreative Gegenbewegung. So gibt es bereits viele kurze Videos im Netz, bei denen zu dem Hit „L’Amour toujours“ an den entscheidenden Stellen gesungen wird: „Nazis raus, Nazis raus, Deutschland ist multi, Nazis raus“. Am besten wäre es, wenn man die verqueren rassistischen Gedanken wieder umdreht. So könnte man singen: „Menschen, Menschen über alles, überall in unserer Welt. Das ist alles, was wir wollen, was den Frieden uns erhält.“

Lieder haben es nun einmal in sich. Wir werden am Fronleichnamsfest wieder die alten Lieder singen. Sie erzählen von unserem Glauben und sie verbinden uns mit den früheren Generationen. Nicht rockend, sondern schreitend gehen wir dann singend durch die Straßen. Das wird wohl nicht viral, aber es kann die Herzen der Singenden ergreifen. Und ich frage mich, ob man die Popsongs auch noch in 200 Jahren kennen wird, so wie man heute noch die alten Kirchenlieder singt.

Prior Bruno Robeck, OCist

(NGZ)
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