Grevenbroich: Zwei Dörfer pflanzen eine "Käfer-Allee"

200 Gustorfer und Gindorfer im Einsatz : Zwei Dörfer pflanzen eine „Käfer-Allee“

Rund 200 Gustorfer und Gindorfer legten jetzt unterhalb der Landstraße 116 einen etwa 1,5 Kilometer langen Blühstreifen an. Er soll die Artenvielfalt fördern und einen Rückzugsort für die unterschiedlichsten Tiere bieten.

Rund 200 Menschen aus Gustorf und Gindorf beteiligten sich am Samstag an der Aktion, aus dem Wirtschaftsweg zwischen Gustorf und Gindorf, parallel zur Landstraße 116, eine „Käfer-Allee“ zu machen. Sie legten einen Blühstreifen an, der – wenn die Saat aufgegangen ist – für zahlreiche Insekten zur „besten Wohnlage“ werden dürfte. Die Idee hatte Gerd Cremer, seit mehr als drei Jahrzehnten Chef des dritten Jägerzuges in Gustorf. Geschäftsleute, ein Landwirt und die Feuerwehr trugen ihren Teil zum Gelingen bei. Die Aktion war letztlich ein generationen- und ein dorfübergreifendes Projekt. Und genau das sollte sie auch sein.

Gerd Cremer hatte alle Vereine angeschrieben – und die Resonanz konnte sich sehen lassen. Die beiden Schützenpräsidenten Robert Hoppe und Hans Voigt waren mit von der Partie, es kamen junge Familien mit ihrem Nachwuchs, aber auch Bewohner des Altenheims wollten mit anpacken. Vom Rollstuhl aus griffen sie in den Eimer mit Samen, den ihnen Robert Hoppe hinhielt. „Die Senioren des Altenheims haben Spaß an der Aktion, Themen wie der Klimawandel beschäftigen diejenigen, die geistig voll auf der Höhe sind“, erklärte Brigitte Koch vom Sozialen Dienst des Seniorenzentrums.

Die Sonne brannte erbarmungslos – zum Glück gab es genügend Mineralwasser und der Getränkehandel Ratz hatte Schatten spendende Pavillons aufgebaut. Uwe Trippel, Inhaber eines Gartenbaubetriebs, hatte nicht lange überlegen müssen: „Es ist für mich als Gustorfer selbstverständlich, dass ich mich hier einbringe“, erklärte er. Phacelia, Sonnenblumenkerne und Wildkräutersaat werden im kommenden Frühjahr nicht nur die Insekten, sondern auch die Menschen erfreuen, wenn auch aus völlig unterschiedlichen Gründen.

Blühstreifen haben einen vielfältigen Nutzen: Sie fördern die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und dienen dem Artenschutz, bieten einen Rückzugsraum für Tiere und Pflanzen und ermöglichen es vielen Lebewesen zu überwintern.

Es gab also genügend Gründe, am vergangenen Samstag mit anzupacken. Die Gustorfer Kinderkarnevalsprinzessin Hanna-Marie Schwarz (9) war mit ihrem Prinzen Ben Fienitz (9) mit dabei, die Helferinnen und Helfer ließen Gruppenfotos machen, einige machten das Victory-Zeichen: Die Notwendigkeit, etwas für die Umwelt zu tun, wird offensichtlich erkannt. Insofern haben diese Bilder ganz sicher auch Symbolcharakter.

Nicht ohne Grund erklärte deshalb Gerd Cremer, es handele sich um einen denkwürdigen Tag für die Umwelt. „Spätestens im Frühjahr werden wir uns daran erfreuen können“, kündigte er an. Später kam noch Bürgermeister Klaus Krützen hinzu und lobte das Engagement der Gustorfer und Gindorfer. Uwe Trippel hatte aus dem Braunkohletagebau Garzweiler jede Menge Quarzsand geholt und das Saatgut mit diesem hellen Sand vermischt: So war auf Anhieb erkennbar, wo bereits gesät wurde und wo nicht.

Der Blühstreifen war rechtzeitig für die Aussaat vorbereitet worden. Landwirte hatten dabei mit schwerem Gerät wie der Schlepprolle geholfen. Bauer Christian Koch ging nach der Einsaat noch einmal mit einem speziellen Gerät über den künftigen Blühstreifen. Inzwischen war auch ein Feuerwehrfahrzeug des Löschzugs Gustorf-Gindorf eingetroffen – mit insgesamt 2000 Litern Wasser an Bord. Die acht Feuerwehrleute wässerten die Einsaat über die gesamte Länge. Da kann eigentlich nichts mehr schief gehen.