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Grevenbroich: Wo sind die Alltagshelden geblieben?

Spiritueller Zwischenruf : Wo sind die Alltagshelden geblieben?

Die Alltagshelden, die in der Hochphase der Corona-Krise gelobt und geschätzt wurden, dürfen nicht vergessen werden, mahnt Prior Bruno Robeck aus dem Zisterzienser-Kloster Langwaden in seiner wöchentlichen Kolumne.

Wo sind sie geblieben, die Helden des Alltags? Sie sind wieder in der Versenkung verschwunden: dorthin, wo sie vor der Corona-Krise auch schon waren! Das respektvolle Klatschen für die Alten- und Krankenpfleger und für die Einsatzkräfte beim Rettungsdienst, bei Feuerwehr und Polizei ist verstummt. Der dankbare Blick auf die Mitarbeiter in den Supermärkten wird wieder trübe. Die Erinnerung an die Zustelldienste und Lkw-Fahrer, die für uns unterwegs sind, verblasst. Und dann sind da noch die vielen Menschen, die spontan „umgesattelt“ und anderen geholfen haben: etwa die Studenten, die als Erntehelfer gearbeitet oder die bedürftigen Menschen Lebensmittelpakete nach Hause gebracht haben. Es sind nur einige Gruppen, die ich hier erwähnt habe. Die Liste wäre noch fortzusetzen.

All diese Menschen verschwinden jetzt wieder aus unserer Sichtbarkeit. Trotz ihrer so wichtigen Arbeit werden sie wieder vergessen. Denn ihre Arbeit spielt sich im Hintergrund ab. All diese Menschen sorgen dafür, das wir genug einkaufen können, dass wir möglichst gesund bleiben und dass uns geholfen wird, wenn wir allein nicht mehr weiter wissen. Da alles wieder läuft, schauen die meisten Menschen lieber auf das, was sich im Vordergrund abspielt. Das Thema „Nummer 1“ ist jetzt vor allem: Urlaub – wann kann ich wohin fahren?

Ich finde es sehr wichtig, dass wir unsere Alltagshelden, die wir in der heißen Phase der Pandemie so hoch gelobt und schätzen gelernt haben, nicht vergessen. Es ist richtig, dass sie jetzt mehr verdienen. Viele von ihnen mögen die Bezeichnung „Held“ nicht. Ich finde sie auch nicht sehr passend, denn Helden sind wir alle nicht – zumindest nicht auf Dauer. All diese Berufe gehören aber zum Herz unserer Gesellschaft, denn ohne sie könnte die Gesellschaft nicht leben, genau so wenig wie ein Mensch ohne sein Herz leben könnte. Gleichzeitig ist das Herz mehr als nur ein Organ. Es steht für Liebe und Mitgefühl. Bei den Berufen der Alltagshelden spürt man deutlich, dass sie die anderen im Blick haben. Das kann bei manch anderem Beruf nicht feststellen, obwohl ihn oft eine Aura von Heldenhaftigkeit umgibt – wie bei Finanzbossen, Konzernmanagern, Großaktionären.

Das Herz ist zentral für unser Leben und unseren Glauben. Aus diesem Grund verehren wir als Katholiken besonders das Herz Jesu. Am Freitag haben wir das Herz-Jesu-Fest gefeiert. Im Hymnus zum Abendgebet hieß es: „Am blutgen Holz bist du (Jesus) erhöht und breitest weit die Arme aus; und offen zeigst du uns dein Herz, vom Stoß der Lanze bloßgelegt.“ Wir leben von der Liebe, die wir empfangen und weitergeben. Dort spielt sich das wahre Leben ab. Dort ist der Reichtum des Lebens zu finden. Gerade darum haben wir diese „kleinen“ Menschen zu Helden ernannt. Die so genannten Großen standen plötzlich seltsam arm und unbeteiligt daneben. Wir sollten weiter auf die Stimme unseres Herzens achten, die in den letzten Monaten deutlich zu hören war, jetzt aber wieder leicht übertönt werden kann.

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