Grevenbroich will insektenfreundlicher werden

Politiker fordern mehr Blühwiesen : Grevenbroich will insektenfreundlicher werden

Die Grünen fordern mehr Blühwiesen gegen das Insektensterben. Bis Sommer 2019 soll die Stadt ein Konzept zur Stärkung der Artenvielfalt vorlegen. In Kapellen wurde bereits eine Privatinitiative gestartet.

Andreas Drengwitz will etwas gegen das Insektensterben tun. Gemeinsam mit dem Landwirten Dennis Aussem hat er in Kapellen eine große Blühwiese angelegt, um Wildbienen und Co. einen Lebensraum zu bieten. Das Projekt ist eine Art Versuchsballon. Gelingt es, soll es nächstes Jahr auf weiteren Flächen fortgesetzt werden. Das dass Stück Land gefunden wurde, ist einem Zufall geschuldet. Über ein Online-Netzwerk, das sich gegen den Bau der Umgehungsstraße L 361n richtet, stieß Andreas Drengwitz auf einen Gleichgesinnten: Dennis Aussem war sofort von dem Projekt begeistert. "Das ist ein großes Glück, dass wir uns kennengelernt haben", sagt der Initiator. Die 400 Euro für das Saatgut wurden ebenfalls mit Hilfe der Netzwerker beschafft - und sie kamen innerhalb weniger Stunden zusammen.

"Das war ein deutliches Zeichen", meint Drengwitz. "Viele sind der Meinung, dass gegen das Insektensterben etwas getan werden muss." Zurzeit wird an einem Internet-Auftritt gearbeitet, um über das Wiesen-Projekt zu informieren. Zudem wird ein Schreiner gesucht, der kostenlos Schilder entlang des Grundstücks anbringt.

Initiativen wie diese dürfte den Grünen gefallen. Denn die haben soeben einen Antrag für die nächste Ratssitzung formuliert - Grundtenor: Grevenbroich soll insektenfreundlicher werden. Heißt: "Stadteigene Liegenschaften sollen künftig so gestaltet werden, dass die Artenvielfalt gestärkt wird. Das kann zum Beispiel durch die Anlage von Blühwiesen und -streifen geschehen", fordert Ratsherr Peter Gehrmann. Die Verwaltung soll nun eine Liste mit geeigneten Flächen erstellen, die möglichst zeitnah dem Planungs- und dem Umweltausschuss vorgelegt werden soll. Bis zum Sommer 2019 erwarten die Grünen zudem ein Gesamtkonzept zur Stärkung der Artenvielfalt in Grevenbroich. Und als Sofortmaßnahme fordern sie einen Verzicht auf Insektizide mit dem Wirkstoff Neonicotinoid auf allen städtischen Grundstücken. "Neonicotinoide können bereits in kleinen Mengen Insekten töten oder ihr Nervensystem schädigen", sagt Gehrmann.

Nach einer im Sommer 2017 herausgegebenen Studie des Münchener Umweltinstituts gibt es in Deutschland heute 80 Prozent weniger Insekten als noch 1982. Fast 3000 Arten werden als ausgestorben oder gefährdet eingestuft. Besonders betroffen sind Schmetterlinge, Wildbienen und Schwebfliegen. "Hauptursache für diese dramatische Entwicklung ist die intensive Landwirtschaft mit ihren Monokulturen und dem steigenden Pestizideinsatz", sagt Grünen-Fraktionschef Dirk Gawlinski. "Auch die Artenvielfalt entlang der Nahrungskette ist mittlerweile akut bedroht. Denn mit dem Rückgang der Insekten nimmt auch die Zahl der Vögel ab, die sich von ihnen ernähren."

Wie sich die Situation vor Ort darstellt, wird am Tag vor der Ratssitzung auf der Stadtparkinsel erörtert. Die Grünen aus Stadt und Kreis haben den bekannten Insektenforscher Martin Sorg zu einem Vortrag ins Auerbachhaus eingeladen. "Er kann den Verlauf des Insektensterbens in unserer Region anhand seiner jahrzehntelangen Forschung belegen - und er wird Gegenmaßnahmen aufzeigen", kündigt Peter Gehrmann an.

Einen kleinen Beitrag in Sachen Artenvielfalt hat die Stadt bereits geleistet. Am Schneckenhaus wurden im vergangenen Winter zwei Blühwiesen angelegt, darunter ein 200 Quadratmeter großes Feld, auf das eine kräuterreiche Mischung gesät wurde. "Dort wachsen unter anderem wilde Kamille, wilde Margerite und wilde Möhre - also Pflanzen, die den Insekten schmecken", sagt Ralf Dietrich vom städtischen Umweltzentrum. "Eine blühende Optik war hier nicht der angestrebte Effekt." Das Schneckenhaus-Team beobachtet jetzt, wie sich die beiden Wiesen entwickeln. Danach sollen Pläne geschmiedet werden, an welchen Stellen innerhalb des Stadtgebietes weitere Flächen angelegt werden können.

Info Die Grünen haben für Dienstag, 8. Mai, 19 Uhr, den Insektenforscher Martin Sorg eingeladen. Er wird im Auerbachhaus auf der Stadtparkinsel im Rahmen eines Vortrags über das Insektensterben in der Region berichten und Gegenmaßnahmen aufzeigen. Interessierte sind willkommen.

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(NGZ)
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