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Grevenbroich: Wildpark im Bend beendet den Lockdown

Tiergehege wieder für Besucher geöffnet : Wildpark im Bend beendet den Lockdown

Das beliebte Naherholungsziel kann jetzt wieder uneingeschränkt besucht werden. Auch ohne die politisch gewollte Vermarktung sei der Park ein Besuchermagnet, sagen die Betreiber.

Nachdem das Wildgehege mehr als ein halbes Jahr im Lockdown war, wurden am Freitag die Sperrzäune weggeschoben. Das beliebte Ausflugsziel ist nun wieder für Besucher geöffnet. Dafür wurde es auch höchste Eisenbahn – denn: „Wir haben in letzter Zeit sehr viele Anrufe und E-Mails bekommen, in dem vor allem Familien danach gefragt haben, wann sie denn wieder in den Park dürfen“, schildert Martina Koch. Die Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald rechnet mit einem dementsprechend großen Zulauf an diesem Wochenende.

Weil das Wildgehege nicht umzäunt ist und keine Kontrolle erfolgen konnten, wurden die Haupteingänge und der Spielplatz monatelang abgeriegelt. Was manche Zeitgenossen aber nicht davon abhielt, dennoch in den Tierpark einzudringen. „Kettenschlösser wurden aufgebrochen, die Zäune mit einer Akku-Flex malträtiert“, ärgert sich Koch über Vandalismusschäden. Deren Höhepunkt markiert ein glatter Durchschuss an zwei Bauteilen eines auf dem Spielplatz stehenden Wackeltiers. Wer da mit welcher Waffe hantiert hat, ist unklar.

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Am Freitag war der Besuch im Tierpark noch verhalten, da sich die Öffnung noch nicht herumgesprochen hat. Diejenigen, die schon da waren, bekamen einiges zu sehen. Etwa eine hochträchtige Stute, die im Eselgehege jeden Moment Nachwuchs bekommen könnte – bereits zum zweiten Mal. Im vergangenen Jahr brachte sie Pedro zur Welt, dessen Tage im Bend allerdings gezählt sind. „Wegen Männerkrams“, meint Martina Koch und lacht. „Der Junior verträgt sich nicht mit seinem Vater, es kommt ständig zu Machtkämpfen.“ Die Konsequenz: Für den aufmüpfigen Jungesel wird nun ein neues Zuhause gesucht. „Jetzt hoffe wir darauf, dass das nächste Tier eine Stute wird“, meint die Vorsitzende. Damit gebe es weniger Stress.

Gleich nebenan hat der 400-Kilo-Bulle Tommy wieder ganze Arbeit geleistet: Zwei junge Dexterrinder tollen munter durchs Gehege, ein drittes Kalb wird in den nächsten Tagen erwartet. Nachwuchs hat sich auch bei den Wildschweinen, bei den Ziegen, beim Dam- und Sikawild eingestellt. Was auffällt: „Alle Tiere sind noch etwas vorsichtig, weil sie lange Zeit keine Menschen mehr gesehen haben – mit Ausnahme der Stadtbetriebe-Mitarbeiter, die für die Fütterung gesorgt haben“, berichtet Koch.

Wer die Tiere mit kleinen Leckereien verwöhnen möchte, muss Geduld haben. Sie nähern sich noch behutsam den Gittern. „Aber das wird sich in den nächsten Tagen geben“, meint die Vorsitzende. „Dann haben sie sich wieder an die Besucher gewöhnt.“ So schnell wie möglich soll im Park artgerechtes Futter angeboten werden, das die Besucher aus Automaten ziehen können. „Wir versuchen es noch einmal“, sagt Koch und hofft, dass diesmal alles gut gehen wird. Denn die Geräte sind in der Vergangenen mehrfach von Unbekannten geknackt worden, die scharf auf ein paar Cent waren, die sie in den Geldkassetten vermuteten. „Fehlanzeige“, sagt Koch. Denn die Automaten werden abends geleert.

Der direkt am Streichelgehege liegende Spielplatz kann wieder uneingeschränkt genutzt werden. Die Geräte sind auf Vordermann gebracht, ein Teil des Geländes mit frischen Mulch ausgestattet worden. „Wir werden hier in nächster Zeit noch zusätzliche Bänke und Tische aufzustellen, um noch mehr Familien die Gelegenheit für ein Picknick zu geben“, berichtet Martina Koch.

Von Politikern geschmiedeten Plänen, das Wildfreigehege stärker zu „vermarkten“, hält die SDW-Chefin übrigens nicht viel. „Ich glaube, dass unsere Einrichtung bekannt genug ist“, sagt Koch. „Wir wissen, dass viele Besucher aus dem gesamten Rhein-Kreis und darüber hinaus kommen. Unser Einzugsgebiet reicht mittlerweile bis Mönchengladbach und in den Bedburger Raum.“ Auch ein Foodtruck, wie vorgeschlagen wurde, sei keine gute Idee: „Der würde für noch mehr Müll sorgen, mit dem wir schon jetzt genug Probleme haben.“

Die Marschrichtung der Schutzgemeinschaft: Die Besucher sollen ihre Speisen und Getränke selbst mitbringen, um sie auf dem Spielplatz oder unter Schatten spendenden Bäumen rund um den SDW-Gedenkstein zu genießen. „Das wird gut angenommen. Daher werden wir dort das Angebot an Tischen und Bänken erweitern.“

Für die Ausstattung der Picknick-Plätze ist die sogenannte „Donnerstags-Gruppe“ verantwortlich, die sich einmal in der Woche auf dem Forstbauhof trifft, um ehrenamtlich Reparaturarbeiten vorzunehmen oder für neue Attraktionen zu sorgen. „Auch die Jungs werden jetzt ihren langen Lockdown beenden“, sagt Koch. „Die brennen darauf, wieder loslegen zu dürfen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das Tiergehege im Bend ist wieder geöffnet