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Grevenbroich: Wie die Kultur mit wenig Mitteln viel erreicht.

Musik, Ausstellungen, Vorträge in Grevenbroich : Wie die Kultur mit wenigen Mitteln viel erreicht

Eigentlich soll der Kulturkalender in jede Sakko-Tasche passen oder unauffällig in die Damenhandtasche gleiten. Doch dafür ist das Brevier viel zu dick.

Auf 66 Seiten listet es die Termine für Kunstliebhaber aller Sparten – und zwar für das erste Quartal des noch jungen Jahres. Drei weitere, äußerst stabile Werke werden folgen. Im Vergleich zum ansehnlichen Output stehen Fachbereichsleiter Stefan Pelzer-Florack schlanke 100.000 Euro für das Kulturjahr zur Verfügung. „Und diese Gelder holen wir durch Ticketverkäufe wieder herein“, betont der oberste Kulturbeamte der Stadt.

„Es handelt sich um eine Gemeinschaftsleistung, zu der viele Menschen und Vereine beitragen“, sagt Stefan Pelzer-Florack. Es beginne bei den zehn Kulturmitarbeitern der insgesamt 17-köpfigen Abteilung für Kultur und VHS. Jeder stecke sein Herzblut in das Programm, sagt Pelzer-Florack. Und geht mit gutem Beispiel voran: Hier stellt der Chef selbst die Stühle ins Foyer des Pascal-Gymnasium, wo fünfmal pro Jahr Comedy-Größen vor dem mit 700 bis 750 Personen ausverkauften Haus auftreten. „Die Stühle sind übrigens neu, damit es die Gäste bequemer haben.“

Bei Ausstellungseröffnungen oder vor Kindern tritt Stefan Pelzer-Florack selbst auf. Er spielt Gitarre und zupft den Bass in der Band „Link in the Chain“. „Der Eigenbeitrag hilft uns, mit den städtischen Mitteln zu wirtschaften.“ Zudem habe er gegenüber Musikern und Veranstaltern ein gutes Standing. „So konnten wir bereits zahlreiche Konzerte in Grevenbroich ermöglichen.

Dasselbe gilt für Ausstellungen in der Versandhalle auf der Museumsinsel, Kulturnächte, Rockkonzerte in der Villa Erckens oder Lesungen in der Stadtbücherei. Überall gibt es niedrige Honoraransätze, oder die Maler, Musiker, Vortragenden kommen gleich ehrenamtlich.

„Wir müssten in Grevenbroich viel mehr Geld bereitstellen für die Kultur“, fordert Kulturausschuss-Vorsitzende Marie-Jeanne Zander (SPD). Aber dies treffe eindeutig nicht Pelzer-Florack und sein engagiertes Team, sondern gehe an die übrige Verwaltung und die 51 Ratsmitglieder, die über den Etat zu entscheiden haben. Auch der Vorsitzende des Kunstvereins, Hans-Joachim Onkelbach, trägt mit seiner 300-köpfigen Vereinsschar bei zum Kulturangebot der Stadt. „Wichtig ist die Mischung aus Experiment und Main-Stream“, beschreibt Pelzer-Florack den Programm-Ansatz. Die Gitarrenwochen, die Klassik im Kloster, die Vorträge begeistern 500 feste Abonnenten, zu denen viele Besucher von außerhalb gehören. Sie lassen sich auch auf Künstler ein, die noch niemand kennt. Denn sie vertrauen den Programmmachern aus Grevenbroich.