Grevenbroich: Wege zu alternativen Wohnformen im Rhein-Kreis

Tagung des Rhein-Kreises in Grevenbroich: Wege zu alternativen Wohnformen

Das Interesse an alternativen, generationsübergreifenden Wohnformen steigt. Bei einer Tagung des Kreises in Grevenbroich wurden auch Hürden bei der Realisierung angesprochen, Wünsche an Kommunen formuliert.

Der 78 Jahre alte Rentner, der in seiner Wohnung im anonymen Mehrfamilienhaus vereinsamt, die Alleinerziehende, die keinen Nachbarn kennt, der mal kurz auf ihr Kind aufpassen würde – das ist Alltagsrealität in vielen Häusern. Doch es gibt andere Lösungen – alternative Wohnformen, in denen mehrere Generationen zusammenleben, sich ergänzen.

„Alternative Wohnformen im Quartier“, lautete das Thema einer Fachtagung mit rund 40 Teilnehmern, zu der der Rhein-Kreis Neuss nach Grevenbroich geladen hatte. Beispiele und Pläne wurden vorgestellt, Zuschusstöpfe aufgezeigt, Probleme erörtert. Mehrere Teilnehmer hatten Wünsche an Verwaltungen und Politik. Die Realisierung neuer Ideen in herkömmlichen Strukturen erfordert oft viel Energie und Zeit.

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Seit elf Jahren besteht das Wohnprojekt Amaryllis in Bonn. „Bei uns leben rund 60 Menschen in drei Häusern“, erläuterte Kathleen Battke von der „Zukunfts-Pioniere GbR“ über die Wohngenossenschaft. Nachbarschaftliche Hilfe und ökologisch ausgerichtete Lebensweise werden groß geschrieben. Das Alter der Bewohner reicht von ein bis 80 Jahren. Bei der Stadt werde das Projekt begrüßt, doch wenn es um konkrete Unterstützung gehe, sei manchmal zu hören: „,Tut uns leid, aber wir können nicht helfen’“, berichtete Battke die sich ein bisschen mehr „Innovationsgeist“ wünscht.

Noch im Planungsprozess steckt das Mehrgenerationenprojekt des Vereins Co-Housing Kaarst, das Wolfgang Buck und Klaus Schmid vorstellten. Ab 2022 sollen junge Familien, Alleinerziehende und Ältere sich aktiv im gemeinschaftlichen Miteinander einbringen, von der Gartenpflege bis zur Gemeinschaftsküche. Gespräche über den Verkauf eines Grundstücks in Büttgen laufen. „Die Kooperation mit der Stadtverwaltung ist gut“, betont Buck, der sich aber schnellere Abstimmung zwischen Politik und Verwaltung wünscht. Gern einen „Lotsen“ als Ansprechpartner in der Stadtverwaltung hätte Norbert Funk von der Wohn-Werkstatt Neuss für die Förderung selbst organisierter, generationsübergreifenden Wohnprojekte. „Ab Anfang 2019 wird eine Arbeitsgruppe sich damit befassen, wie wir neue Wohnformen begleiten können“, entgegnete der Neusser Sozialamtsleiter Michael Theven. „Ein alternatives Modell zu realisieren ist schwieriger, eben weil es neu ist“, erklärt Kreisdirektor Dirk Brügge „Wir werden uns damit befassen, wie wir das Beratungsangebot zur Unterstützung neuer Wohnformen verbessern können.“ Vorbild könne die Wirtschaftsförderung sein – dort gebe es bereits einen „Lotsen“ als zentralen Ansprechpartner.

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