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Grevenbroich: "Vorgarten des Jahres" ist ein Insekten-Eldorado

Grünes Idyll in Hülchrath : Der „Vorgarten des Jahres“ ist ein Insekten-Eldorado

Der „Vorgarten des Jahres“ ist der von Doris Leibeling in Hülchrath. Warum sich die Jury für dieses Grün entschieden hat und was dort zu sehen ist.

Der 3. Dezember ist eigentlich kein gutes Datum, um einen besonders schönen Vorgarten zu prämieren: Denn im Winter sind die prächtigen Blüher längst verwelkt. Der Vorgarten von Doris Leibeling an der Calvinerbuschstraße in Hüclhrath aber fällt auch in dieser Jahreszeit auf. Zu entdecken gibt es dort in jedem Fall etwas – da ist es auch kein Drama, dass es aus Termin- und Pandemie-Gründen mit der Prämierung des „Vorgartens des Jahres“ bei der Stadt nicht zeitnah nach dem Einsendeschluss Mitte August geklappt hat. Unter 22 Bewerbern hat eine aus Politik- und Verwaltungsvertretern bestehende Jury die sechs schönsten Vorgärten 2021 ausgewählt. Der etwa sechs mal sechs Meter große Garten von Doris Leibeling erreichte dabei die volle Punktzahl und schaffte es auf Platz 1.

Die Stadt hatte es sich bei der Auswahl der Gärten nicht leicht gemacht. Die Juroren berücksichtigten einige Aspekte. „Die Kriterien Insekten- und Artenvielfalt haben wir doppelt gewertet, die Kreativität einfach“, sagt Katja Sonnenberg, technische Sachbearbeiterin bei den Stadtbetrieben und zuständig für die Vorgarten-Auszeichnung. Ziel der Verwaltung ist es, mit der Prämierung Anreize zu setzen, Gärten ökologisch wertvoll zu gestalten. Dabei geht es auch darum, Steingärten zu vermeiden, die in der Regel keinen Wert für Insekten haben und auch dem Umgebungsklima nicht gerade förderlich sind. 

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Die Besitzer der „Vorgärten des Jahres“ erhalten von der Stadt Gutscheine im Wert von 100 Euro. Für den besten Vorgarten jedoch gibt es eine Gutschein-Prämie im Wert von 500 Euro. Bei der offiziellen Übergabe in Hülchrath war die Freude groß. „Ich habe noch nie etwas gewonnen“, gab Doris Leibeling zu, als der stellvertretende Bürgermeister Edmund Feuster ihr die Gutschein-Karten überreichte. Leibeling hatte sich bereits im vergangenen Jahr beworben, es aber nicht an die Spitze geschafft. Sie versuchte es noch einmal – mit Erfolg.

 Steinrosen an der Trockenmauer. 
Steinrosen an der Trockenmauer.  Foto: Kandzorra, Christian

Seit 1978 wohnt die Familie in Hülchrath. Einen „grünen Daumen“ habe sie schon ihr ganzes Leben, sagt Doris Leibeling, der die Pflege ihres Vorgartens viel Spaß macht. „Das ist für mich keine Arbeit“, sagt die Hülchratherin, die viel Zeit auch in die Pflege des Gartens hinter ihrem Haus investiert. Was den Vorgarten ausmacht? Es handelt sich um ein Staudenbeet, in dem sich vor allem Insekten wohlfühlen, darunter verschiedene Käferarten, aber auch Molche. Das trägt zum Erhalt der Artenvielfalt bei. In dem grünen Idyll gedeihen auch Kapstachelbeeren und – besonders sehenswert – Steinrosen an einer Trockenmauer. Die Pflanzen geben auch in der kalten Jahreszeit ein tolles Bild ab.

Was auffällt: In ihrem Garten arbeitet Doris Leibeling viel mit Tonkrügen, die denen aus dem antiken Rom ähneln. „Damit stütze ich Pflanzen ab, wenn sie kippen“, sagt sie: „Ich versuche immer, Plastik und Metall im Garten zu vermeiden.“ Leibeling, die gelernte Erzieherin ist und sich in ihrer Freizeit auch beim DRK engagiert, möchte nicht zu viele Pflanzen neu kaufen: „Ich lasse die Pflanzen, die im Vorgarten wachsen, ihre Samen ausstreuen. Erst wenn es zu viel wird, greife ich ein.“

Stadtbetriebe-Vorstand Monika Stirken-Hohmann und Sachbearbeiterin Katja Sonnenberg überlegen, auch 2022 den „Vorgarten des Jahres“ zu suchen. „Dann vielleicht mit anderen Kriterien“, sagt Stirken-Hohmann. Denn die Zahl der Bewerber hatte 2021 gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich nachgelassen: Damals waren es noch 50 Gärten, unter denen die Juroren die besten auswählen mussten. „Dass es diesmal weniger waren, lag wohl am Wetter“, meint Sonnenberg.