Grevenbroich: Viel Kritik nach L 361n-Kehrtwende des Bürgermeisters.

Verkehr in Kapellen und Wevelinghoven : Viel Kritik nach L 361n-Kehrtwende

Pro Ortsumfahrung, CDU und FDP sehen Krützens Meinungswechsel als Wahltaktik.

Die Wogen schlagen hoch nach der Ankündigung von Bürgermeister Klaus Krützen und der SPD, auf den Bau der Ortsumfahrung L 361n verzichten zu wollen. Sie favorisieren stattdessen die Westtangente und den Ausbau des ÖPNV und Radverkehrs.

„Ein Bürgermeister, der sich nicht um die Belange seiner Bürger kümmert, ist kein Bürgermeister“, erklärt die Bürgerinitiative pro Ortsumfahrung Kapellen-Wevelinghoven, die die Kehrtwende „auf’s Schärfste“ verurteilt. „Krützen wiegt sich wie ein Fähnchen im Wind“, sagt Vereinssprecher Leo Krüll, „Offensichtlich verspricht er sich damit mehr Stimmen aus dem ‚grünen‘ Lager bei der Wahl. Wenn Krützen wenigstens eine wirkliche Alternative vorgelegt hätte, wäre seine Kehrtwende ja noch zu verstehen.“ Für eine Westtangente gebe es bislang weder Planungen noch Konzepte. „Auch die Finanzierung einer ,Westtangente‘ ist vollkommen unklar.“ Bis zum ersten Spatenstich würden „locker 10 bis 20 Jahre ins Land gehen. Wir brauchen aber zeitnah eine Lösung“, betont Krüll. Bei der L 361n könne im günstigsten Fall bereits Ende 2020 mit dem Bau begonnen werden.

„In den schlaflosen Nächten des Bürgermeisters obsiegte offenkundig sein Wunsch nach grüner Unterstützung und Zuneigung für seine nächste Kandidatur“, sagt FDP-Chef Markus Schumacher. „Das ist taktisch motiviert und kein plötzlich überwiegendes ökologisches Verantwortungsgefühl. Sonst hätte er wenigstens die Umweltverträglichkeitsprüfung abgewartet.“ Die FDP unterstützt laut Ratsherr Simon Büttgenbach Bemühungen zur Mobilitätswende, doch eine Verkehrsentlastung in Wevelinghoven und Kapellen sei nur mit der L 361n zu erreichen.

„Viele Kapellener sind enttäuscht und können die plötzliche Kehrtwende nicht nachvollziehen“, berichtet der Kapellener CDU-Ratsherr Ralf Cremers. „Klaus Krützen hat früher klipp und klar gesagt, das er die L 361n unterstützt, Bedenken hätte er frühzeitig äußern können. „Die SPD und ihr Kandidat zittern offensichtlich vor den Kommunalwahlen, nun soll der Verzicht auf eine überlegte Verkehrsplanung als Morgengabe an die Grünen herhalten.“ Die Westtangente sei mehrmals geprüft und verworfen worden. Und beim geforderten Ausbau der RB 39 zur S-Bahn sei zu befürchten, dass mit einer Beseitigung des beschrankten Übergangs an der Talstraße „der Ort in zwei Teile geschnitten wird“. Cremers betont, dass es noch keine konkrete Planung gebe, wie die Trasse für die L 361n aussehen soll. „Die Planung läuft weiter, ob der Bürgermeister sein populistisches Fähnchen schwenkt oder nicht.“

(cso-)