Grevenbroich: VHS nimmt an Langer Nacht teil

Bildung und Kultur nach Geschäftsschluss : Grevenbroich bei der langen VHS-Nacht

Weil vor 100 Jahren bundesweit die Volkshochschulen gegründet wurden, wird auch bei der VHS Grevenbroich gefeiert.

Volkshochschulen sind immer ein Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung gewesen. „Sie haben feine Sensoren für Stimmungen“, weiß VHS-Chef Thomas Wolff nicht nur mit Blick ins aktuelle Programm, sondern auch im Rückblick auf alte Verzeichnisse. Weil vor 100 Jahren bundesweit die Volkshochschulen gegründet wurden, wird gefeiert. An der langen Nacht nimmt auch hiesige VHS teil.

An der Bergheimer Straße 44 wird Freitag, 20. September, ab 20 Uhr unter dem Motto „Wissen teilen“ gefeiert. Die Adresse eignet sich gut, denn dort finden viele Kurse und Veranstaltungen statt. Moderiert wird der Abend von Michael Höing, einem Grevenbroicher, der seine Laufbahn einst in der Jugendkunstschule bei der VHS begonnen hatte. Stefan Pelzer-Florack und seine Formation „Link in the Chain“ spielen ab 21 Uhr. Vor allem geht es ums Hinschauen und ins Gespräch zu kommen. „Und „natürlich wollen wir auch Reklame in eigener Sache machen“, sagt Wolff. Das Bildungsangebot hat sich im Verlauf der Dekaden – Grevenbroichs Hochschule fürs Volk gibt es seit 66 Jahren – verändert, die Schule ist gleichbleibend so etwas wie eine Institution. „Es ist ein Ort der Begegnung“, weiß der VHS-Chef auch im Zeitalter der Digitalisierung plus erweiterter Lernwelten. „Ungebrochen relevant“ ist sie für Leute, die auf dem zweiten Bildungsweg Schulabschlüsse ablegen wollen, eine wichtige Anlaufstelle. Auch Integration und Sprachvermittlung sind ganz wichtige Punkte, wie Wolff ausführt. Und selbst beim Englischkursus ist er sich sicher, die VHS sei „mehr als bloßer Lernort, da bilden sich oft richtige Gemeinschaften, die über Jahre einen Kursus nach dem anderen zusammen besuchen.“

Natürlich werden beim Fest auch Schnupperangebote zu aktuellen Tanzveranstaltungen wie Salsa gemacht, es kann auch getöpfert werden. Ein hübsches Schmuckstück aber dürfte „Meine VHS Grevenbroich“ werden, eine Hommage an die Zeitläufte. Zwar dauerte es in der Schlossstadt bis nach Kriegsende, ehe 1953 der Stadtrat eine Volkshochschule beschloss, dann aber nahm das Projekt Fahrt auf. Ehrenamtlich vom vormaligen Schulleiter Otto Broens entwickelt und geleitet, residierte die Schule zunächst im Rathaus. „Mit möglichst geringen Mitteln“ sollten ausgewählte Vortragsreihen, Arbeitsgemeinschaften und Lehrkurse „Wissen vermitteln, das normalerweise wegen der sehr hohen Kosten“ nicht erlangt werden könnte, hieß es dazu in einer Einleitung. Stenographie und Sprachen waren in den Arbeitsplan hineingearbeitet, um möglichst auch junge Leute zu erreichen. Außerdem gab es damals Wissenwertes zur Wetterkunde ebenso wie zum Sektenwesen oder zum Christsein, aber auch Liebliches wie „Mit der Vogelwelt auf Du und Du“.

Zu besagtem Arbeitsplan, wie seinerzeit noch das Programm genannt wurde, gehörten auch Einzelvorträge. So gastierte im Januar 1955 beispielsweise ein gewisser Ernst Schröder aus Düsseldorf, um sein Auditorium über Kohle und Stahl und ihre wirtschaftliche und politische Bedeutung zu informieren.

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