Grevenbroich: Vereine fordern Bahnsteig-Verlegung

Maroder Bahnhof in Gustorf : Jetzt machen zwei Vereine Druck

Politik und Verwaltung sind bislang gescheitert. Nun setzen sich zwei Vereine für die Sanierung des maroden Gustorfer Bahnhofs ein – und für eine Fertigstellung bis zum Bundesköniginnentag, der im Mai 2021 in Gindorf gefeiert wird.

Der kleine Ort Gindorf steht vor einem großen Ereignis: Im Mai 2021 wird die St. Sebastianus-Bruderschaft den Bundesköniginnentag ausrichten, mehrere Tausend Schützen werden dazu erwartet. Viele werden voraussichtlich mit dem Zug anreisen – was durchaus Sinn macht, denn der Bahnhof liegt in unmittelbarer Nähe des Veranstaltungsorts. Ein Aushängeschild ist er jedoch nicht, weder für das Dorf noch für die Stadt. Denn der Bahnsteig befindet sich in einem äußert beklagenswerten Zustand.

Nicht, dass das noch niemandem aufgefallen ist: Seit vielen Jahren bemühen sich Politiker und Verwaltungsmitarbeiter bei der Bahn um Verbesserungen – bislang allerdings ohne Erfolg. Deshalb nehmen nun andere das Heft in die Hand: Bruderschaft und Gindorf e.V. – die beiden großen Ortsvereine – haben schriftliche Appelle an Bernd Koch, den Vorstandsvorsitzenden der DB Station & Service AG, formuliert. Darin fordern sie nicht nur eine Neugestaltung des desolaten Bahnsteigs, sondern machen auch Vorschläge, wie eine Sanierung gut und kostengünstig angepackt werden könnte.

„Unser Bahnhof ist alles andere als ein schönes Entree“, sagt Brudermeister Robert Hoppe. „Deshalb wollen wir gemeinsam versuchen, eine Verbesserung zu erreichen.“ Das betrifft vor allem den Bahnsteig, der marode, nicht barrierefrei und nur über ein stillgelegtes Gleis zu erreichen ist. Ein krasser Gegensatz zur nebenan liegenden ehemaligen Ladestraße, die von Gindorf e.V. neugestaltet wird. Dieses Areal wird beim Bundesköniginnentag eine besondere Rolle spielen: Dort findet am 9. Mai 2021 ein Feldgottesdienst statt – mit Schützen, die aus ganz Deutschland kommen.

In seinem Appell an Bernd Koch regt Gindorf e.V. an, den Bahnsteig nicht zu sanieren, sondern ihn parallel zur Ladestraße zu verlegen. „Das würde eine signifikante Verbesserung der Einsteige-Situation herbeiführen“, sagt Vorstandsvorsitzender Holger Kremer. „Es würde ein offenes, freundliches Areal entstehen, das Bestandteil unseres Gestaltungskonzepts für die Ladestraße werden kann.“

Nach Einschätzung des Vereins wäre ein solcher Neubau entlang des Schienenverlaufs ohne Probleme machbar. Höhenunterschiede könnten durch gestalterische Eingriffe in das Gelände leicht überwunden, bestehende technische Einrichtungen erhalten bleiben – insgesamt sei ein solches Projekt nach Einschätzung des Vereins kostengünstiger zu realisieren als eine Komplettsanierung des Bahnhofs. Und: Ein- und Aussteigen im Grünen habe einen zusätzlichen Reiz.

In einem Pavillon, der für den Bundesköniginnentag ohnehin auf der Ladestraße errichtet wird, sieht Gindorf e.V. weiteres Synergie-Potenzial: „Bei einer transparenten und vandalensicheren Gestaltung könnte er künftig von Bürgern und Reisenden gleichermaßen genutzt werden“, schildert Holger Kremer. Er hat Bernd Koch darum gebeten, darüber nachzudenken, ob dieser Lösungsvorschlag zum Erfolg führen könnte.

Unterstützt werden die beiden Vereine von Klaus Krützen. „Es wäre wunderbar, wenn es gelingen würden, den Bahnhof zum Bundesköniginnentag in einen ansehnlichen Zustand zu versetzen“, sagt der Bürgermeister. „Vielleicht schaffen wir es gemeinsam, die Bahn für dieses Vorhaben zu gewinnen.“ Indes laufen im Ort die Vorbereitungen für das Großereignis im Mai 2021 auf Hochtouren: Zurzeit arbeiten die Schützen um Brudermeister Hoppe am Programm für den Bundesköniginnentag.

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