1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Varius-Mitarbeiter schafft Sprung auf ersten Arbeitsmarkt

Carsten Rath aus Grevenbroich : Varius-Mitarbeiter schafft Sprung auf den ersten Arbeitsmarkt

Carsten Rath ist jemand, der nicht so schnell aufgibt. Der 27-jährige Hemmerdener hat seinen Job bei den Varius-Werkstätten als Sprungbrett gesehen. Und er hat es zu einer Festanstellung im Supermarkt geschafft.

Bei der Frage, ob er seine Geschichte öffentlich machen will, zögert Carsten Rath kurz, erklärt sich dann aber schnell einverstanden. „Ich möchte anderen Mut machen, an ihr Ziel zu glauben und sich nicht beirren zu lassen“, sagt er. Rath hat sein berufliches Ziel erst einmal erreicht. Mit viel Durchhaltevermögen hat er den Sprung von den Varius-Werkstätten für Menschen mit Behinderung auf den ersten Arbeitsmarkt geschafft – in eine Festanstellung im Kapellener Rewe-Supermarkt.

Eigentlich wollte Carsten Rath Kfz-Servicemechaniker werden und hatte bereits eine entsprechende Ausbildung angefangen. Doch die Rahmenbedingungen waren ungünstig. Mit dem Unterrichtsstoff, der in seiner Berufsschule durchgenommen wurde, bekam er Probleme. Er war in einer gemischten Klasse, unter den Schülern waren auch Realschulabsolventen und Abiturienten. Es wurde schnell klar, dass Rath, der eine leichte Lernbehinderung in Form einer Dyskalkulie hat, in seiner Klasse nicht mithalten konnte. Schlechte Noten zwangen ihn, die Ausbildung abzubrechen.

„Das war ein herber Schlag, ich bin dann erstmal in ein tiefes Loch gefallen“, erzählt der 27-Jährige. Seine Mutter war es, die ihn aus diesem Loch holte – mit einem für ihn zunächst befremdlichen Vorschlag: Er sollte sich doch mal bei den Varius-Werkstätten um einen Arbeitsplatz bewerben. Was er auch tat.

Carsten Rath wurde in der Schreinerei, der Großküche, in der Garten- und Landschaftspflege tätig. Anfangs sei es ihm schwer gefallen, in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung zu arbeiten – doch dann habe er es genossen: „Zum ersten Mal bin ich für meine Arbeit gelobt worden.“ Und noch etwas stimmte ihn optimistisch: „Einer der Betreuer gab mir zu Anfang den Rat, ich solle die Werkstatt als Sprungbrett sehen.“

Parallel zu seiner Arbeit besuchte Rath einen Kursus, bei dem er lernte, besser mit seiner Dyskalkulie umzugehen. „Ich war immer beeindruckt, mit wie viel Willensstärke er seine Ziele verfolgte“, sagt Benjamin Ulkan, Leiter des Fachbereichs Integration bei Varius. Nach seiner Zeit im Berufsbildungsbereich war für Carsten Rath, der in Hemmerden wohnt, klar, dass er anschließend in eine Beschäftigung außerhalb der Werkstatt gehen möchte. Er erhielt ein Praktikum bei Rewe in Kapellen – und: „Dort hat es so gut geklappt, dass mir eine Ausbildung zum Fachpraktiker Verkauf angeboten wurde. Das war ein toller Moment“, sagt der 27-Jährige.

Den bisher größten beruflichen Erfolg konnte der ehemalige Varius-Mitarbeiter im Anschluss an seine Ausbildung verbuchen. „Auf einmal kam mein Chef auf mich zu und verkündete mir, dass ich fest übernommen werde, wenn ich das möchte. Da war ich dann erstmal sprachlos.“ Seit Juli dieses Jahres beginnt Carsten Rath jeden Tag um sechs Uhr morgens im Rewe-Markt Rippers. Er verräumt das Trockensortiment und die Getränke, hilft Kunden, die Produkte suchen, und hält den Laden ordentlich.

Obwohl Carsten Rath derzeit glücklich über seinen Job ist und „jetzt erstmal einfach arbeiten will“, hat er weitere Ziele. „Wahrscheinlich werde ich noch die Verkäufer-Prüfung dranhängen.“

(wilp)