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Grevenbroich: US-Familie auf Spurensuche in der Stadt

Die Isenbergs forschen in ihrer eigenen Geschichte : US-Familie auf Spurensuche in der Stadt

Tom Isenberg reiste mit Frau und Kindern von Kansas City nach Grevenbroich, um Familienforschung zu betreiben. Er ist Urenkel des Ehepaares Lazarus und Julie Goldstein, das im Vernichtungslager Treblinka ermordet wurde.

Tom Isenberg aus Kansas City in den USA ging jetzt mit seiner Frau Ann und den Kindern David und Kate auf Spurensuche in der Schlossstadt. Er ist der Urenkel des Ehepaares Lazarus II und Julie Goldstein, das im Juli 1942 aus Grevenbroich nach Theresienstadt deportiert wurde, um keine drei Monate später im Vernichtungslager Treblinka vergast zu werden. Wichtiger Gesprächspartner an seiner Seite war Ulrich Herlitz, Vorsitzender des Geschichtsvereins, der sich eingehend mit der Geschichte der Juden in Grevenbroich beschäftigt.

Tom Isenbergs Großmutter Anna (geborene Goldstein), die 1937 in die USA auswanderte, erblickte in Grevenbroich das Licht der Welt. „Die Familie lebte mindestens in fünfter Generation hier“, sagt Herlitz. Einer von Anna Isenbergs Vorfahren wurde bereits im 18. Jahrhundert unter dem Namen Anschel Löb aktenkundig. Wegen eines napoleonischen Dekrets von 1808 nahm er den Namen Lazarus I Goldstein an. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Sibilla wurde er auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt. Ulrich Herlitz und Stadtarchivar Thomas Wolff konnten den Gästen etliche Dokumente aus der mehr als 200 Jahre alten Familiengeschichte präsentieren.

Bei einem Besuch an der Montanusstraße wies Ulrich Herlitz insbesondere auf die Initiative des Grevenbroichers Michael Geuer hin, der 1942/43 den jüdischen Friedhof rettete, indem er als Steinmetz alle Grabsteine erwarb, sie aber entgegen dem Willen der NS-Machthaber nicht abbrach. Nicht unerwähnt blieben auch die Aktivitäten der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule, deren Initiative „KKG gegen das Vergessen“ sich für den Erhalt des jüdischen Friedhofs einsetzt.

Ulrich Herlitz führte die Familie anschließend auch zum früheren Goldstein’schen Anwesen an der Lindenstraße 27, wo Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig verlegt wurden. „Die Goldsteins waren eine alteingesessene Grevenbroicher Familie, deren Geschichte mit der erzwungenen Emigration beziehungsweise der Ermordung im Holocaust ein jähes und trauriges Ende bereitet wurde“, sagt Herlitz. Lazarus II und Julie Goldstein waren die letzten Grevenbroicher Juden, die 1942 deportiert wurden.

Anna Isenberg und ihr Mann Ludwig emigrierten 1937 gemeinsam mit ihrem Sohn Ernst nach Kansas City in den USA. Im März 1939 folgten ihnen die Schwester Anna mit Ehemann Julius und Sohn Fred Stern. „Aus dem Nichts angefangen, machte die Familie Isenberg mit dem Leuchtengroßhandel ,Western Extralite’ eine richtige Karriere“, schildert Ulrich Herlitz. Auch Fred Stern arbeitete einige Jahre in dieser Firma, bevor er nach Kalifornien zog und sich 1956 in Anaheim mit der Leuchtenfirma „Lightning Maintenance“ selbstständig machte. Tom Isenberg verkaufte 2014 mit seinem Bruder den von der Familie gegründeten Großhandel und ging ein Jahr später in den Ruhestand. Fred Stern lebt nach dem Verkauf seiner Firma im Jahr 1972 als Pensionär in Kalifornien und sieht im September seinem 95. Geburtstag entgegen.