Grevenbroich: Universitäten forschen auf rekultiviertem Tagebauland.

Rekultivierung: Forschung auf rekultiviertem Land

Zahlreiche Universitäten schicken ihre Studenten zur „Feldforschung“ auf das rekultivierte Tagebauland. Einer war Stefan Neumeier aus Mönchengladbach, dem eine bemerkenswerte Masterarbeit über Feldvögel gelungen ist.

Feldforschung im wahrsten Sinne des Wortes betreibt seit einigen Jahren eine Vielzahl von Universitäten auf dem rekultivierten Land am Rande des Braunkohletagebaus Garzweiler. Alleine im vergangenen Jahr waren 1600 Studenten und Professoren zu 70 Tagesexkursionen zu Gast, die die Forschungsstelle Rekultivierung unter ihrem Leiter Gregor Eßer angeboten hatte. Dazu kamen mehrmonatige Forschungspraktika, wie sie jetzt Stefan Neumeier aus Mönchengladbach im Rahmen seines Studiums abgeleistet hat. Aus dieser Feldforschung „am Grubenrand“ ist auch seine Masterarbeit mit dem Titel „Feldvögel in der Rekultivierung“ erwachsen, die mit der Note 1,3 bewertet worden ist. Kein Wunder, dass laut Gregor Eßer die Chancen für den 29-Jährigen jetzt gut stehen, nach seinem Abschluss des Ökologie-Studiums in Wien entweder vom RWE-Konzern selbst, oder von einem „verwandten“ Unternehmen übernommen zu werden.

Gregor Eßer (l.) und Stefan Neumeier bei der Forschung. Foto: Klaus Görgen/RWE

Die Forschungsstelle Rekultivierung, die 1999 in Jüchen Hackhausen als Biologische Station gegründet wurde, ist mittlerweile in Schloss Paffendorf in Bergheim ansässig. Gregor Eßer, der in Bonn Geologie und Biologie studiert hatte, betreut gemeinsam mit seinem Expertenteam die Besucher und Praktikanten der Universitäten Aachen, Bingen, Bochum, Freiburg, Bregenz, Bonn, Köln, Bielefeld und Sussex. Auch aus Bern und Salzburg seien jüngst Studenten angereist, berichtet Eßer, der auch selbst noch Vorlesungen an der Universität Aachen hält. Stefan Neumeier aus Mönchengladbach hatte sich für seine Masterarbeit auf die Spuren der vom Aussterben bedrohten Grauammer gemacht, die aber in Populationen fast nur noch im Dürener Land und eben vor allem auf den rekultivierten Flächen des Tagebaus Garzweiler anzutreffen sei.

Warum das so ist, beschreibt er in seiner Arbeit anschaulich und weist damit auch Perspektiven auf, wie diese Vogelart gerettet werden kann. Denn sie finde vor allem dort Nahrung, wo Luzerne angebaut werde oder die Felder zumindest mit Blühstreifen umsäumt seien, hat er mit seinen Kartierungen und Zählungen nachgewiesen. Mit Luzerne wird bekanntlich die ersten sieben Jahre das rekultivierte Neuland bestellt, bevor es an die Landwirte übergeben wird. Eßer und Neumeier wollen nun nach dem Ergebnis der Forschungsarbeit versuchen, die heimischen Landwirte zu ermuntern, Blühstreifen anzulegen. Ihnen ist aber auch klar, dass sie dazu auch Wege aufzeigen müssen, damit die Landwirte dafür an entsprechende Fördermittel seitens des Umweltministeriums gelangen.Und es gibt weitere Beispiele für konkrete Ergebnisse für die Praxis, die Biodiversität in der Region zu pflegen, so wie sie jetzt aus der Masterarbeit von Stefan Neumeier erwachsen sind. So hatte die Studentin Melanie Gutmann das Konzept für den Erlebnisnaturlehrpfad Sophienhöhe entwickelt, der jüngst eröffnet worden ist. „Die Konsequenz daraus ist, dass wir jetzt unbedingt die Stelle einer Umweltpädagogin einrichten wollen, die auch Naturführungen für Schulen und Kitas zum Beispiel aus Grevenbroich und Jüchen anbieten soll“, sagt Eßer.

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