Grevenbroich und Jüchen bei Braunkohle-Demo in Bergheim und Elsdorf dabei

Großdemonstration in Bergheim und Elsdorf: „Ein starkes Zeichen für die ganze Region“

Rund 20.000 Arbeitnehmer gehen für ihre Jobs im Tagebau auf die Straße – unterstützt von vielen Akteuren aus dem Rhein-Kreis Neuss. Sie sind gegen einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle.

Eberhard Uhlig war beeindruckt. „Die Region setzt heute ein starkes Zeichen“, sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsvereinigung für Grevenbroich, Jüchen und Rommerskirchen. Denn unter den mehr als 20.000 Menschen, die am Mittwoch für ihre Jobs und die Zukunft des Rheinischen Reviers demonstrierten, waren nicht nur seine Kollegen von RWE. „Viele Tausend Beschäftigte aus anderen Betrieben sind dabei“, betonte der Leiter der Sparte Braunkohlekraftwerke. „Das macht deutlich, dass es um die Existenz einer ganzen Region geht – ich hoffe, dass das auch so bei der Politik ankommen wird.“

Für den Erhalt ihrer Jobs und gegen einen schnellen Ausstieg aus der Braunkohle zogen am Mittwoch viele Tausend Arbeitnehmer auf die Straße – zunächst in Bergheim, wo die Berliner „Kohle-Kommission“ tagte, dann bei einer Kundgebung in Elsdorf. Dort zeigten auch Politiker aus dem Rhein-Kreis Flagge – „um einen friedlichen, demokratischen Protest zu unterstützen“, wie es die Landtagsabgeordnete Heike Troles (CDU) formulierte. Die Grevenbroicherin stand mit Ministerpräsident Armin Laschet auf der Bühne – und sieht sich völlig im Einklang mit dessen zentraler Forderung: „Wo kommt bezahlbarer Strom her? Und was passiert mit der Region? Erst wenn diese Fragen geklärt sind, kann über ein Ausstiegs-Szenario gesprochen werden.“

Es sei beeindruckend gewesen, dass auch viele Arbeitnehmer aus der energieintensiven Aluminium- und Chemieindustrie teilnahmen, kommentierten die SPD-Kreispolitiker Daniel Rinkert und Rainer Thiel. „Sie mahnen alle zu Recht an, dass die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industrielandes beachtet werden muss, wenn es um eine erfolgreiche Energiewende geht“, sagte Rinkert. Thiel befürchtet gar, dass die Kohlekommission „diesen Zusammenhang nicht ausreichend berücksichtigen könnte – daher wäre es besser gewesen, die Region durch Bürgermeister und Betriebsräte in der Kommission vertreten zu lassen“.

Kreisdirektor Dirk Brügge machte deutlich, dass ein vorzeitiges Ende des Braunkohleabbaus zu massiven Jobverlusten in der Energieerzeugung und zur Gefährdung zehntausender Arbeitsplätze in der energieintensiven Industrie führen werde. „Der Strukturwandel in den Braunkohlerevieren muss daher maßvoll und mit Augenmaß erfolgen“, appellierte Brügge in Richtung „Kohle-Kommission“.

Mit seinem Bedburger Kollegen Sascha Solbach und Markus Kosma, Chef des Tagebaus Garzweiler, nahm Jüchens Bürgermeister Harald Zillikens an Demo und Kundgebung teil. „Das Revier hat mit beeindruckender Solidarität ein starkes Zeichen gesetzt“, meinte der Verwaltungschef. Der Kommission sei deutlich gemacht worden, „wie viele Menschen von ihrer Entscheidung betroffen sind“. Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen war urlaubsbedingt nicht dabei.

Am Vormittag hatten die Industrie- und Handelskammern Mittlerer Niederrhein, Köln und Aachen ihre Studie „Die Bedeutung des Wertschöpfungsfaktors Energie“ den Mitgliedern der Kommission vorgestellt. „Ich glaube, dass es es uns bei der Präsentation gut gelungen ist, den Blick über die Energiewirtschaft hinaus auf die energieintensiven Unternehmen zu lenken, die Versorgungssicherheit und Preisstabilität brauchen“, resümierte Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein, den „äußerst spannenden“ Auftritt der Kammern.

Die Studie mache deutlich, dass bundesweit knapp 325.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt von der energieintensiven Industrie abhängig seien. „Alleine im Rheinischen Revier sind es 125.000 Beschäftigte mit ihren Familien“, sagte Steinmetz. Die Unternehmen würden die Energiewende und den Klimaschutz befürworten, darin sogar Chancen für die Wirtschaft vor Ort sehen. „Es müssen aber die Voraussetzungen geschaffen werden, damit eine sichere Energieversorgung und stabile, wettbewerbsfähige Strompreise gewährleistet sind“, betonte Steinmetz. In ihrem „Rheinischen Appell“ an die Kommission fordern die Kammern zudem, dass vor einem Ausstieg aus der Braunkohle die Rahmenbedingungen für einen nachhaltigen Strukturwandel geschaffen werden müssen.

 Demonstrationszug und Kundgebung seien eine rundum gelungene Sache gewesen, sagte Michael Bochinsky aus Gindorf. Als stellvertretender RWE-Gesamtbetriebsratsvorsitzender habe ihn die Aussage des Kommissions-Vorsitzenden Matthias Platzeck gefreut, der Versorgungssicherheit, Preisstabilität und die Vermeidung von Strukturbrüchen in den Mittelpunkt stellte. „Das war sehr sachlich“, sagt Bochinsky. Er geht allerdings davon aus, dass die Aktion am Mittwoch nicht die letzte gewesen sein wird. „Wenn es sein muss, werden wir uns wiedersehen.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Arbeitnehmer demonstrieren für die Zukunft im Rheinischen Revier

Mehr von RP ONLINE