1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich und Auerbach: Szenen einer Städtefreundschaft

Grevenbroich und Auerbach : Eine deutsch-deutsche Städtefreundschaft

Austausch auf vielen Ebenen: Wie das sächsische Auerbach und das rheinische Grevenbroich seit drei Jahrzehnten ihre Beziehungen pflegen.

Finale in Auerbach-Mühlgrün: Aus dem Wohnblock Volkmarstraße 8 bis 12 soll ein modernes Wohnhaus werden. Dazu reißt die Städtische Wohnungsbaugesellschaft die sozialistische Platte nicht einfach ab. Die Stockwerke vier und fünf werden abgetragen, Wohnungen zusammengelegt, um moderne Grundrisse zu schaffen und die Bausubstanz kernzusanieren. „In einem der bereits modernisierten Häuser hinter der Baustellen wohnt übrigens unser Bürgermeister Manfred Deckert“, sagt Auerbachs Stadtsprecher Hagen Hartwig.

30 Jahre nach der Einheit hat sich Grevenbroichs Partnerstadt im Osten des sächsischen Vogtlandes von Grund auf gewandelt. „Die Textilindustrie und die Schornsteine sind verschwunden“, berichtet Hagen Hartwig. Hell und freundlich sei es geworden, sagt der Mann, der die Entwicklung seit einem Vierteljahrhundert begleitet. Das Erzgebirge ringsherum macht den Tourismus zur prägenden Säule von Auerbachs Wirtschaft. Zudem locken Platz und moderate Grundstückspreise junge Familien in die 20.000 Einwohner starke Kreisstadt.

Die anstehenden Herausforderungen sind mit denen in Grevenbroich vergleichbar: Zwar seien sämtliche Schulen modernisiert und saniert, aber Corona hat einen Nachholbedarf bei der Digitalisierung offenbart. Gerade erst kaufte Auerbach 200 Laptops, um sie an Kinder auszuleihen, deren Familien nicht mal eben so einen Rechner kaufen können. Verkehrsfragen müssen gelöst werden. Im Hofaupark wird in der kommenden Woche eine Rad- und Fußgängerbrücke eingeweiht und damit ein Parkareal für die Öffentlichkeit freigegeben.

Grevenbroich und Auerbach: Aus einer Starthilfe zwischen Rathäusern wurde eine lebendige Städtepartnerschaft mit vielen Freundschaften. Foto: Hartwig

„Eigentlich wollten wir am Tag der Deutschen Einheit den 30-jährigen Mauerfall mit unseren Freunden in Auerbach feiern“, sagt Luise Coehnen, die Vize-Vorsitzende des Grevenbroicher Partnerschaftsvereins. Solche Begegnungen haben die miteinander befreundeten Städte auf die Zeit nach Corona verschoben. „Hoffentlich klappt es im nächsten Jahr“, ergänzt Coenen. Und dann sagen die Grevenbroicherin und der Vogtländer unabhängig, aber beinahe wortgleich: „Zwischen Grevenbroich und Auerbach gibt es eine Städte-Freundschaft.“

Die begann kurz nach der Wende mit einem Einsatz für Grevenbroicher Beamte. „Sie haben uns in der Anfangszeit beim Aufbau im Rathaus geholfen“, sagt Hagen Hartwig. „Und schon damals haben sich zwischen den Grevenbroichern und den Auerbachern viele Freundschaften entwickelt“, schließt Luise Coenen an. Hartwig wie Coenen nehmen die persönlichen Bande als Beleg dafür, dass da zwischen Rheinland und Vogtland etwas Dauerhaftes entstanden ist.

Die gegenseitigen Kontakte beschränkten sich eben nicht nur auf Rat und Verwaltung, sondern Künstler, Chöre, Klassen besuchten einander und versuchten den jeweils anderen zu verstehen. „Als in Grevenbroich der Stadtpartnerschaftsverein die Sache in die Hand genommen hat, wurde aus bis dahin sehr guten, aber auch formalen Kontakten ein lebendiges Miteinander“, bewertet Hagen Hartwig die Beziehungen. Damit wäre die Urkunde über die Städtefreundschaft vom 14. September 1991 nicht bloß Papier: „Damit kann diese Städtefreundschaft mithelfen, die Teilung unseres Landes zu überwinden, um die Integration des vereinten Deutschlands in ein Europa ohne Grenzen zu fördern“, steht da.

Zum 25-jährigen Geburtstag der Städtefreundschaft im Jahr 2016 sagte es Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen in der Villa Erckens so: „Der Austausch fand stets in vielfältiger Weise statt: mal waren es Künstler und Musiker, mal waren es Sportvereine und Sportler, stets waren es aber auch Schulen mit engagierten Lehrerinnen und Lehrern, die den Kindern und Jugendlichen einen Austausch mit Grevenbroicher Schulen ermöglichten.“

Luise Coenen sieht in der herzlichen und offenen Mentalität der Auerbacher einen Grund dafür, dass es zwischen den Städten so gut klappt. Hagen Hartwig nennt die Rheinländer freundlich: „Und sie verstehen es zu feiern. Egal, wie lang die Anreise mit dem Bus war, in Grevenbroich fühle man sich daher immer wieder sofort unter Freunden.“