Grevenbroich: Ulrike Guérot und Robert Menasse initiieren European Balcony Projekt

Grevenbroich: Kunstprojekt zur Einigung Europas: Ulrike Guérot ruft die Europäische Republik aus

Die gebürtige Elsenerin initiiert das Kunstprojekt „European Balcony Project“. Gemeinsam soll der Europa-Gedanke gefördert werden.

Sie ist gebürtige Elsenerin und als überzeugte Europäerin sozusagen überall auf der Welt zu Hause: die Politikwissenschaftlerin Ulrike Guérot. In ihrem Buch „Europa als Republik“ baute sie längst ein politisches Modell als Utopie eines gemeinsamen europäischen Daches. Jetzt bittet sie in der gleichen Sache erstmals zu einem Kunstprojekt. Es heißt „European Balcony Project“ (europäisches Balkon-Projekt) und findet am kommenden Samstag statt. Kurz gesagt wird damit eine neue Republik ausgerufen. Nämlich die europäische.

Ulrike Guérot initiiert am Samstag ein europaweites Kunstprojekt. Foto: Georg Salzburg(salz)

Natürlich nicht bloß an einer Stelle, sondern europaweit. „Mehr als 150 Städte sind dabei“, freut sie sich. Von Amsterdam, Braunschweig, Chemnitz bis zum zypriotischen Nikosia haben sich Mitmacher angekündigt. Initiiert von der Professorin – zusammen mit dem Schriftsteller Robert Menasse –, „kann jeder mitmachen. Wir möchten die Leute mobilisieren, ein großes Ziel zu denken“, erklärt sie die „logische Fortschreibung“ dessen, was die Europäische Union ist: Nach dem gemeinsamen Markt sowie der gemeinsamen Währung sollte jetzt eine gemeinsame Politik folgen. „Von Thessaloniki bis Dublin hieße das: Alle Bürger sind gleich vor dem Recht. Damit vollenden wir den europäischen Gedanken“, führt sie Ideen zu gemeinsamen Steuer-, Sozial- und Wahlgesetzen aus.

Die Umsetzung im Kunstprojekt ist spielerisch, „wir machen Theater im öffentlichen Raum“, sagt Ulrike Guérot – per sogenanntem Sprechakt. „Überall gehen Leute auf Balkone und lesen ein Manifest vor.“ Das Schriftstück haben Guérot und Menasse verfasst, darin wird das „Europa der Nationalstaaten“ für gescheitert erklärt und anstelle dessen die „Souveränität der Bürger“ gefordert. In 30 Sprachen, darunter auch eine Version in Gebärdensprache, steht es auf der Plattform, die via www.europeanbalconyproject.eu/en/ zu erreichen ist, als Download bereit. Prominente Mitmachende sind Autoren wie Elfriede Jelinek, Schauspieler wie Peter Simonischek und „viele lokale Künstler“. Schon Bert Brecht wusste, dass ein Staat aus den Köpfen der Bürger besteht, Kurt Tucholsky formulierte, „alle Souveränität geht vom Volk aus – und kommt so schnell nicht wieder“ – und in diesem Sinne soll Europa am Samstag gedacht werden. „Wir wollen eine riesengroße Debatte anstoßen“, lautet eines der Ziele.

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Auch das Datum zu diesem, wie sie sagt, „Moment des Träumens“, ist nicht willkürlich gewählt: Vor einhundert Jahren wurde in Berlin die erste deutsche Republik ausgerufen. „Die Menschen versammelten sich, um zuzuhören – und wenige Stunden später dankte der Kaiser ab“, erinnert Guérot an den historischen Moment. Daran will die Aktion aber nicht nur erinnern, sie ist gleichzeitig ein Blick in die Zukunft, ein „doppeltes Momentum“.

Zusammen mit Robert Menasse ruft Ulrike Guérot am kommenden Samstag in Weimar die erträumte europäische Republik aus. „Wäre ich in Grevenbroich, wäre der Balkon der Villa Erckens ein schöner Ort zum mitmachen. Aber vielleicht mag der Kulturdezernent von dort aus an der Aktion teilnehmen“, unterbreitet die gebürtige Elsenerin einen lokalen Vorschlag.

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