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Grevenbroich: Tier-Kinderstube im Wildfreigehe im Bend ohne Besucher

Gehege in Grevenbroich : Tierbaby-Alarm im Bend – aber ohne Besucher

Viele Tiere im Wildfreigehege haben süßen Nachwuchs, doch Besucher haben derzeit keinen Zutritt. Die Anlage ist wegen des Coronavirus geschlossen. Die NGZ berichtet über die verborgene Kinderstube.

Sie waren im Frühjahr immer der Publikums-Magnet im Bend: Tierbabys, die um die Osterzeit geboren werden und in den Gehegen umher tollen. In diesem Jahr ist vieles anders. Wegen der Corona-Krise ist auch das beliebte Wildfreigehege geschlossen, die Zugänge sind mit Gittern und Bauzäunen versperrt.

Doch die Tier-Kinderstube gibt es auch in diesem Frühjahr – nur eben im Verborgenen. Wildschweine und Schafe haben zahlreichen Nachwuchs bekommen. Quicklebendig geht es im Tiergehege zu, nur jetzt eben wegen Corona ohne Besucher. „Es ist schade, dass unser Tiergehege schließen musste, aber aus Sicherheitsgründen ist das notwendig“, erklärt Martina Koch. Sie ist Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in Grevenbroich, die sich seit mehr als 40 Jahren um die beliebte und nun verwaiste Freizeitstätte im Bend kümmert.

Mit Ausnahme der Mitarbeiter des Forstbauhofs, die täglich nach dem Rechten sehen, sind die Bewohner des Tiergeheges unter sich – und viele haben mit der Aufzucht ihrer Jungen zu tun. So hat sich bei den Kamerunschafen, an ihrer dunkelbraunen bis schwarzen Färbung zu erkennen, viel Nachwuchs eingestellt. Etwa ein halbes Dutzend Lämmer, die in den vergangenen Wochen geboren wurden, tollt in der Schafherde herum. „Kamerunschafe sind eine pflegeleicht zu haltende Rasse“, sagt die SDW-Vorsitzende. Nicht weniger lebendig geht es bei den weißen Moorschnucken zu, auch dort gibt es etwa sechs süße „Osterlämmchen“.

Auch bei den Kamerunschafen gibt es reichlich Nachwuchs. Foto: Dieter Staniek

Nachwuchs hat sich auch bereits etwas weiter bei Familie Wildschwein mit einem Keiler und zwei Bachen eingestellt. Neun Frischlinge flitzen durchs Gehege, erforschen ihre Umgebung oder holen sich bei „Mama“ stärkende Milch. Bei den Dam- und Sikahirschen dagegen sind noch keine Hirschkälber zu sehen. „Die werden meistens im Frühsommer, im Juni, geboren“, weiß Martina Koch. Etwas Zeit bis zur Geburt haben auch die Kühe bei den Dexter-Rindern. „Bei denen wird es mit Sicherheit Nachwuchs geben.“

Bei den Hirschen kommt der Nachwuchs erst im Frühsommer zu Welt, im Tiergehege im Bend gibt es sowohl Damwild als auch Sikahirsche. Foto: Dieter Staniek

Auf sich allein gestellt sind die Tierfamilien trotz Kontaktbeschränkung und Schließung des Wildfreigeheges natürlich nicht. „Den Tieren geht es gut. Sie werden weiterhin wie sonst mit Futter versorgt“, betont Koch. Sie bittet, das Besuchsverbot im Gehege zu beachten. „Der Ordnungsdienst der Stadt patrouilliert verstärkt.“ Natürlich steht auch der Spielplatz inmitten der Freizeitanlage nicht mehr zur Verfügung. Er ist ebenfalls gesperrt und verbarrikadiert.

Eines der neun Frischlinge, die ihr Gehege erkunden. Foto: Dieter Staniek

Eigentlich sollten jetzt bereits Arbeiten für die Aufnahme einer neuen Tierart anlaufen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald will zwei Alpakas, „liebe und zugängliche Tiere“, ins Gehege holen. Für die südamerikanische Kamel-Art „müssen wir ein spezielles Gatter vorbereiten. Diese Arbeiten haben wir aber wegen der Krise erst einmal zurückgestellt, die Forstbauhof-Truppe hat genug zu tun“, sagt Martina Koch.

Auch andere Pläne für die Zeit nach den Kontakt-Beschränkungen hat das Team der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Wir werden Tische und Bänke auf dem Spielplatz im Tiergehege aufstellen – und wir wollen ein zusätzliches Spielgerät aus Holz selbst bauen“, kündigt Koch an.

Für solche Aufgaben steht bei der SDW ein sechs- bis zehnköpfiges Ehrenamtler-Team bereit. Das trifft sich, natürlich nicht in Corona-Zeiten, „einmal die Woche für Arbeiten unter Anleitung der Forsttruppe“.

Ein weiteres Projekt der SDW, das dieses Jahr ansteht: „Wir wollen im Tiergehege alle Papierkörbe austauschen“, erklärt Martina Koch. Die alten Körbe seien aus Holz „und verrotten langsam. Die neuen Edelstahlkörbe stehen schon bereit“. Die seien dauerhafter und würden die Möglichkeit bieten, Müllbeutel einzuhängen – das vereinfache das Leeren. Etwa 10.000 Euro investiert die SDW, auch mit Hilfe von Spenden, jedes Jahr in das Tiergehege.