Fachtagung im Rheinischen Revier Strukturwandel soll Arten nicht gefährden

Grevenbroich · Im Rahmen einer Fachtagung stellte RWE Power seine Biodiversitäts-Strategie vor. Das Ziel: Trotz des Transformationsprozesses im Rheinischen Revier soll die Artenvielfalt nicht unter die Räder gelangen.

 Auf der Autobahn-Insel zwischen der A 44n und der Restmulde des Tagebaus Garzweiler fühlen sich zahlreiche Feldhasen heimisch.

Auf der Autobahn-Insel zwischen der A 44n und der Restmulde des Tagebaus Garzweiler fühlen sich zahlreiche Feldhasen heimisch.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Im Strukturwandel des Rheinischen Reviers wachsen die Interessenskonflikte um die Landnutzung und der Zeitdruck. Die Artenvielfalt in der Landschaft ist ein wichtiger, aber nur ein Faktor bei den anstehenden Planungen. Dagegen können Fauna und Flora in der Rekultivierung der ehemaligen Tagebauflächen leichter zu ihrem Recht kommen. „Die Chancen überwiegen die Hemmnisse“, bilanzierte Gregor Eßer, Leiter der RWE-Forschungsstelle Rekultivierung, die Vorträge einer Fachtagung seiner Einrichtung. 150 Experten aus Wissenschaft, Fachbehörden, Verbänden und ehrenamtlichem Naturschutz nahmen daran teil.

„Das Ziel ,Erhöhung der Artenvielfalt’ steht für uns bei Planung, Gestaltung und Pflege der Bergbaufolgelandschaft und anderer Artenschutzflächen im Fokus“, erklärte der Gastgeber der Tagung, RWE Power-Bergbauvorstand Lars Kulik. Die Rekultivierung solle immer besser werden. „Dies gilt auch in der jetzigen Situation, in der wir infolge der politischen Beschlüsse im Kohleverstromungs-Beendigungsgesetz auf eine deutlich frühere Beendigung der Kohlegewinnung und -nutzung zufahren“, unterstrich Kulik.

RWE hat 2018 eine Biodiversitäts-Strategie eingeführt. Sie kommt der gesetzlich gebotenen Wiedernutzbarmachung der Tagebaue zu Gute und bietet Chancen zur darüber hinausgehenden, freiwilligen Verbesserung von Biodiversität. Beiträge zur Umsetzung und Erfolgskontrolle leistet die Forschungsstelle Rekultivierung. Unterstützt wird sie dabei von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen wie Professor Michael Radermacher und seinen Studierenden von der Technischen Hochschule Bingen.

Biodiversität sei ein Schlüssel für erfolgreiche Unternehmen, betonte Radermacher in seinem Vortrag auf der Fachtagung. Wer sie ernst nehme, tue sich leichter bei Genehmigungsverfahren, vermeide Umweltschäden und komme in einen fruchtbaren Dialog mit Nachbarn und Interesenvertretern.

Gregor Eßer von der Forschungsstelle präsentierte die Biodiversitäts-Strategie von RWE. Das Unternehmen hat sogenannte Zieltierarten für die drei Lebensräume „Offenland“, „Wald“ und „Gewässer“ in der Rekultivierung festgelegt. „Was für die Spechte förderlich ist, kommt letztlich der ganzen Lebensgemeinschaft ,Wald’ zu Gute“, so Eßer.

Auf den neuen Äckern und Feldern ist dagegen der Feldhase die Ziel-Spezies. Wie gut und gesund der Bestand dieser bedrohten Tierart ist, berichtete der Wildbiologe Michael Petrak von der Landesanstalt für Natur- und Verbraucherschutz. Er hat zum Beispiel die Hasen-Population auf der sogenannten Autobahn-Insel erforscht. Das ist die Feldflur zwischen der A 44n und der Restmulde des Tagebaus Garzweiler. Petrak: „Der Feldhase ist ein guter Indikator für die Qualität der landwirtschaftlichen Rekultivierung. Je kleiner die Felder, desto günstiger ist das für den Hasen.“

Die Biodiversität zu erhalten und zu steigern, sei ein Baustein in der Perspektivplanung für das Städte-Dreieck Köln/Aachen/Düsseldorf, stellte Stephan Piotrowski von der Zukunftsagentur Rheinisches Revier heraus. Die Akteure des Strukturwandels müssten sich weiter vernetzen, um die Region mit Blick auf nachhaltiges Wirtschaften und Ressourcenschutz zu entwickeln.

„An vielen Stellen sind Wissenschaft, Fachbehörden, Naturschutz, ja auch Einzelkämpfer, aber immer Leute vom Fach beteiligt, um die Rekultivierung zu unterstützen“, dankte Michael Eyll-Vetter, Leiter der Tagesbauentwicklung von RWE Power, den Teilnehmern für ihr Interesse und Engagement. Der fachliche Austausch sei extrem wichtig, um das „Megathema“ Strukturwandel und Artenschutz voranzubringen. Falls die Politik ein Ende der Kohlenutzung vor 2038 beschließen sollte, werde diese Aufgabe noch herausfordernder.

(NGZ)
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