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Grevenbroich: Sterne-Koch Dieter Kaufmann nimmt Abschied von der "Traube"

Zum letzten Mal Parfait vom Stör an der Bahnstraße : Sterne-Koch: Abschied von der „Traube“

Zum letzten Mal bewirteten Dieter und Elvira Kaufmann am Dienstag geladene Gäste in ihrem ehemaligen Spitzen-Restaurant an der Bahnstraße. In das historische Gebäude zieht die Firma „Ismatec Industry Solutions“ ein.

Bevor Dieter und Elvira Kaufmann am Dienstag endgültig Abschied von der „Traube“ nahmen, servierten sie ihren Gästen noch einmal das Gericht, das den Namen Grevenbroich in alle Welt getragen hat: das Parfait vom Stör mit Kaviar. Das hatte zuvor schon Männern mit großen Namen gemundet – die hießen etwa Clinton, Blair, Chirac oder Schröder. Und Putin. Der hat sich sogar das Rezept von Dieter Kaufmann geben lassen.

Obwohl seit 2014 geschlossen, endete nun offiziell die 56 Jahre währende Ära des Sterne-Restaurants „Zur Traube“. Das Ehepaar Kaufmann hat das mittlerweile denkmalgeschützte Gebäude an das Unternehmen „Ismatec Industrie Solutions“ verkauft. Inhaber Yakup Yamac verlegt nicht nur den Firmensitz in das ehrwürdige Haus, sondern zieht dort auch mit seiner Familie ein. Und als „Ur-Grevenbroicher“, wie er sagt, will Yamac kaum Veränderungen vornehmen. „Die ,Traube’ wird weiterhin im alten Glanz erstrahlen“, verspricht er.

 Dieter Kaufmann verabschiedet sich von seiner Küche, in der er Gourmet-Geschichte geschrieben hat.
Dieter Kaufmann verabschiedet sich von seiner Küche, in der er Gourmet-Geschichte geschrieben hat. Foto: Woitschuetzke,Andreas (woi)

Bevor er die Kochschürze ablegte und gegen sein Jackett tauschte, hatte Dieter Kaufmann (81) zum letzten Mal einen Gang durch seine Küche unternommen – und dabei lag durchaus eine gehörige Portion Wehmut mit in der Luft. „Schon als 14-Jähriger habe ich zu meiner Mutter gesagt, dass ich irgendwann einmal die ,Traube’ übernehmen möchte“, erinnerte sich der Spitzenkoch. Jahre später erfüllte er sich diesen Traum, gemeinsam mit Ehefrau Elvira. „Ohne sie wäre das Unternehmen, Traube’ nicht möglich gewesen“, sagte Kaufmann.

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Mit den Jahren trugen die beiden Unternehmer den Namen ihres Restaurants hinaus in die Welt – „und von diesem Glanz hat auch Grevenbroich einiges abbekommen“, sagte Vizebürgermeister Edmund Feuster in seiner Laudatio. Würde die Stadt eine Ehrenbürgerschaft verleihen, wäre Dieter Kaufmann seiner Meinung nach einer der ersten Anwärter auf diesen Titel. „Er ist ohnehin zu einem lebenden Denkmal geworden“, betonte Feuster. Auch Landrat Hans-Jürgen Petrauschke würdigte die Verdienste des Spitzenkochs, der sein Wissen oftmals dem Berufsbildungszentrum zur Verfügung stellte – zum Beispiel wenn es um die Meisterprüfung von Köchen ging.

Die „Traube“ hat Restaurant-Geschichte geschrieben – nicht nur wegen der exquisiten Speisen, den Sternen und den vielen Promis, die in dem 1893 errichteten Haus speisten. Auch der Champagner-Keller war legendär – mit 500 erlesenen Schaumwein-Marken soll er größer als der der Queen gewesen sein.

Die Geschichte des Restaurants soll nicht in Vergessenheit geraten. Professor Gertrude Cepl-Kaufmann, Leiterin des Instituts „Moderne im Rheinland“ an der Universität Düsseldorf und Schwester des Spitzenkochs, hat gemeinsam mit ihrem Bruder viele Erinnerungsstücke gesichtet, die dem Rhein-Kreis Neuss als Archivmaterial übergeben werden sollen. Darunter sind Speisekarten, oft auch individuell angefertigt, Fotografien und internationale Presseberichte, in denen der Grevenbroicher Dieter Kaufmann eine gewichtige Rolle spielte. Etwa als er im Juni 1999 den Genuss-Beitrag zum 25. G8-Wirtschaftsgipfel lieferte, was er als Höhepunkt seines beruflichen Lebens bezeichnet.

Die Geschichte der „Traube“ ende nun wie die Märchen der Gebrüder Grimm beginnen – nämlich mit „Es war einmal...“, sagte der „Gentleman unter den Spitzenköchen“, der Ende der 60er Jahre mit der „Nouvelle Cuisine“ von Grevenbroich aus in Deutschland Pionierarbeit leistete. Die Gäste verabschiedeten Kaufmann mit Applaus – und dabei wurde auch der Wunsch nach einem autobiografischen Werk laut. Das soll schon in Vorbereitung sein.