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Grevenbroich: Stellwerk-Initiative startet rockige Roadshow

Bühne wird quer durch Grevenbroich geschickt : Stellwerker starten rockige Roadshow

Eine mobile Bühne soll künftig Kultur in die Grevenbroicher Stadtteile bringen. Die Stellwerk-Initiative startet Guerilla-Konzerte, die Veranstaltungsorte müssen von den Fans gesucht werden. Wann es los geht und welche Rolle ein alter Wohnwagen dabei spielt.

Die Stellwerk-Initiative meldet sich mit einer ungewöhnlichen Idee aus der Corona-Pause zurück: Zum Ende des Monats wird sie erstmals eine fahrbare Bühne durch die Stadtteile schicken, auf der Live-Musik aller Couleur präsentiert wird. Den Ort des jeweiligen Konzerts werden die Veranstalter allerdings nur häppchenweise über die Sozialen Medien verraten – so können sich Musikfans auf eine Art Schnitzeljagd durch Grevenbroich begeben.

Am Anfang dieser Idee stand ein alter Caravan, der zu schade war, um verschrottet zu werden. Carsten Neifer, Robert Helmrich, Frank Stohanzl und Fred Leven von der Senior-Punkband „Schallhärte“ nahmen sich des betagten Wohnwagens an, um ihm neues Leben einzuhauchen. „Wir haben ihn bis auf das Fahrgestell demontiert, um daraus eine fahrbare Bühne zu bauen“, schildert Leven. Rahmen, Verplankung, Elektrik – alles in Eigenleistung gemacht, und zwar so gut, dass der TÜV dem mobilen Rockpalast bereits seinen Segen erteilt hat.

„Aus dem Caravan ist eine Guerilla-Bühne geworden, die für extreme Beweglichkeit steht“, erklärt Leven das Konzept in Kurzform. Klappe auf, Strom anschalten, Gitarre einstecken, und nach einer kurzen Mikrofon-Probe kann es schon losgehen. Vom Ankommen bis zum Konzertbeginn benötigt das Team bestenfalls 30, maximal 45 Minuten. Und genau so schnell wird nach dem Konzert auch wieder eingepackt. Der Clou: Der Konzert-Trailer rollt inklusive Soundtechnik, Licht und Schlagzeug an. „Das ist unser Plug-and-Play-Prinzip“, sagt Carsten Neifer. Alles geht so schnell und so flexibel wie nur möglich.

 Die Band „Schallhärte“ auf ihrer mobilen Bühne, die aus einem alten Wohnwagen entstand.
Die Band „Schallhärte“ auf ihrer mobilen Bühne, die aus einem alten Wohnwagen entstand. Foto: Stellwerk-Initiative
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Mit geringen Kosten kann auf diese Weise möglichst viel „Erlebnis“ in Bewegung gebracht werden – und zwar mit Blick auf ganz Greven­broich. „Wenn man Kultur nicht nur in der City verorten will, braucht man eine fahrbare Bühne. Die haben wir jetzt am Start und können damit auch in Stadtteile von Grevenbroich fahren“, sagt Frank Stohanzl, Sänger der Band.

Da Fred Leven und Carsten Neifer nicht nur Musiker, sondern auch Musikverantwortliche der Stellwerk-Initiative sind, war der Weg zur Kooperation mit den Stellwerkern ein kurzer. Martina Suermann-Igné, Georg Rudolph, Detlef Igné und Thomas Wiedenhöfer nahmen den Ball begeistert auf – und nach einem Treffen, an dem auch Andrea Istas vom Stadtmarketingverein teilnahm, stand fest: „Wir machen das jetzt einfach mal.“

Am Samstag, 28. August, wird eine noch geheim gehaltene Grevenbroicher Band die Konzertreihe eröffnen. „Wer, was und ganz besonders wo, soll nicht verraten werden. Mal im Grünen, mal unter einer Brücke oder vor einem markanten Gebäude. Hauptsache, wir haben Platz für die Bühne, einen Kühlanhänger mit Getränken und maximal 200 Gäste, denn mehr sollen es nicht werden“, sagt Fred Leven. Zunächst sind drei Konzerte geplant.

Jede Veranstaltung wird nur häppchenweise über die digitalen Kanäle angekündigt. „Das ist wie bei einer Schnitzeljagd. Denn auch der Weg zum Konzert soll ungewöhnlich sein und Spaß machen“, meinen die Stellwerker. Zurzeit laufen die erforderlichen Gespräche mit der Stadtverwaltung. Denn trotz Überraschungseffekt für die Konzertbesucher müssen geplante Orte zunächst offiziell genehmigt werden.

Die Stellwerker aus dem Bahnhofsviertel initiieren damit eine neue stadtweite Kultur-Initiative. Die Guerilla-Tour soll als „After Covid“-Versuchsballon gestartet werden, als Trendbarometer für Aktivitäten im kommenden Jahr. Sie gilt als Einladung an alle, die diese ehrenamtlich organisierten Spaßtouren unterstützen wollen. „Wir sind ja kein kommerzieller Anbieter, sondern Kulturschaffende“, sagt Fred Leven augenzwinkernd. „Da ist jeder herzlich eingeladen, mit uns auf die Roadshow zu gehen.“