1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Startup für wiederverwertbare Wachstücher

Geschäftsidee aus Neukirchen : Startup-Gründerin will Plastikmüll vermeiden

Jenny Wetzel aus Neukirchen geht mit einer neuen Idee an den Start: Ihre „Wachslinge“ sollen Alu- und Plastikverpackungen ersetzen.

Reisen bildet: Das kann die 28-jährige Jenny Wetzel aus Grevenbroich-Neukirchen nach ihrer einjährigen Reise durch Neuseeland nur bestätigen. Dort hat die ehemalige Studentin der Niederrhein-Hochschule für Textil in Mönchengladbach nämlich ihre Geschäftsidee für ihr Startup-Unternehmen entwickelt, mit dem sie jetzt auf den Markt geht. Wiederverwertbare Wachsfolien stellt die junge Frau noch daheim in Handarbeit her, die die handelsüblichen Plastik- und Aluverpackungen ersetzen sollen. Sie sagt: „Die Neuseeländer wissen, wie man die Natur respektiert. Deshalb verwendet man dort auch keine Alu- oder Frischhaltefolie. Die Kiwis haben Bienenwachstücher zum Verpacken ihrer Lebensmittel.“ Später möchte Wetzel, wenn der Verkauf, den sie offiziell am 5. Dezember startet, gut anläuft, auch eine eigene Werkstatt eröffnen.

Ermutigt fühlt sich Jenny Wetzel, die ihre Masterarbeit über ihre „Wachslinge“ schrieb, die sie während ihres Studiums auch im Hochschullabor entwickeln und testen konnte, auch durch ihren Mentor, Hochschuldekan Prof. Lutz Vossebein, durch Freunde, Bekannte und Familie sowie durch die Grevenbroicher Wirtschaftsjunioren. Die hätten sie auch ermuntert, ihr Startup zu gründen und Fördermittel dafür zu beantragen, sagt Wetzel, die ihre Masterarbeit über ihre Wachslinge übrigens mit einer glatten 1,0 abgeschlossen hat. In eine absolute Marktlücke hofft Jenny Wetzel zu stoßen, die ihre Wachslinge zunächst über eine eigene Internetseite und später möglichst auch in einem eigenen Laden anbieten will.

Es gebe nur zwei weitere Produzenten in Nord- und in Süddeutschland, hat sie erfahren. Bekannt machen will sich die 28-Jährige mit ihrem Produkt jetzt auch den Weihnachtsmärkten in der Region sowie in den Bio- und Hofläden in der Region.

Ein ganzes Jahr lang hat Wetzel in die Entwicklung ihrer Wachslinge gesteckt, bis diese ihrer Vorstellung von einem absoluten Naturprodukt erfüllten, das zugleich auch möglichst lange halt- und belastbar sein sollte. Nach dem Modell, das sie in Neuseeland gesehen hatte, entwickelte die junge Grevenbrocherin schließlich Verpackungsfolien aus Wachs in unterschiedlichen Größen, die etwa zum Einwickeln von Pausenbroten oder Obst gedacht sind.

Dazu verwendet sie ausschließlich Naturprodukte wie Bio-Baumwolle, Bienenwachs, Bio-Kokosöl und Kiefernharz. Der Wachsling sei bis zu ein Jahr nutzbar, er sei abwaschbar und halte die Lebensmittel frisch, sagt die Entwicklerin. Dazu habe sie lange gesucht, um das perfekte Gewebe zu finden, das unbehandelt, geschmeidig und gleichzeitig robust sein sollte. Sie verwendet nun Baumwollcretonne, der nach den strengen Richtlinien des Global Organic Textile Standard geprüft wird. „Dadurch wird garantiert, dass das Gewebe für den Einsatz mit Lebensmitteln geeignet ist und fair für Mensch und Umwelt produziert wird“, betont Wetzel.

Das Bienenwachs stamme von kleinen Imkereien im Rhein-Kreis Neuss. „Dadurch garantieren wir kurze Transportwege und können unsere lokalen Imker unterstützen“, betont sie. Kiefernharz bezieht sie von „vielen fleißigen Sammlern deutschlandweit“, wie Wetzel sagt. Und nach monatelanger Erprobung sei sie schließlich auch auf das passende Kokosöl für ihre Wachslinge gestoßen. Es stammt von den Philippinen. Und mit dem Kauf sollen Hilfsprojekte vor Ort unterstützt werden.