Grevenbroich: Stadt soll „Pestizidfreie Kommune“ werden

Umweltschutz in Grevenbroich : Stadt soll „Pestizidfreie Kommune“ werden

Die Stadt soll ab 2020 keine Pestizide mehr einsetzen. Das fordern die Grünen. Ganz auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel will die Stadt aber nicht verzichten. „Pestizidfreie Kommune“ werden könnte sie dennoch.

Die Stadtbetriebe rücken unter anderem auf Friedhöfen Unkraut mit heißem Wasser zu Leibe, der Einsatz von Glyphosat ist auf diesen Flächen mittlerweile tabu. Mittlerweile wurde für 238.000 Euro eine zweite Spezialmaschine beschafft. Die Grünen wollen aber mehr. Die Stadt und ihre Betriebe sollen ab dem kommenden Jahr keinerlei chemisch-synthetischen Pestizide mehr einsetzen. Diese würden, so die Grünen, Bienen und andere Insekten schädigen. Zudem stünden einige Mittel im Verdacht, krebserregend zu sein. Die Stadt würde ein „starkes Signal“ setzen, wenn sie „sich jetzt entschließen würde, sich an dem Projekt ,Pestizidfreie Kommune’ zu beteiligen“, sagt Fraktionschef Dirk Gawlinski. Im Rahmen der Initiative des Bundes für Umwelt und Naturschutz „haben sich 460 Städte und Gemeinden entschieden, ihre Grünflächen ohne Pestizide oder mindestens ohne Glyphosat zu bewirtschaften“, erklärt der BUND. Doch ganz auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verzichten will die Stadt nicht. Florian Herpel, Vorstand der Stadtbetriebe, empfiehlt dem am Mittwoch tagenden Umweltausschuss, dem Grünen-Antrag nicht zuzustimmen. Zugleich betont er, dass die Stadtbetriebe bereits anstreben, „den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, dort wo möglich, zu minimieren“. So würden sie weder auf Friedhöfen noch auf Asche-Plätzen eingesetzt, generell auch nicht auf Spielplätzen sowie auf Flächen von Schulen und Kindergärten.

Ein vollständiger Verzicht sei aber nicht möglich. So würden auf Rasen-Sportplätzen einmal jährlich „selektive Herbizide“ gegen Beikräuter verwendet. Außerdem würden Pflanzenschutzmittel bei Bedarf ein- bis zweimal im Jahr zum Freihalten von Zäunen auf Sportanlagen und auf dem Gelände des Bauhofes in Noithausen zum Einsatz kommen. Dabei werde zum Beispiel der Wirkstoff Glyphosat verwendet. Für ein „manuelles Entfernen von Wildkräutern“ fehlt laut Herpel das Personal. Sonst würden Pflanzenschutzmittel „in Ausnahmefällen nur punktweise“ eingesetzt.

„Glyphosat auf dem Baubetriebshof, das muss nicht sein. Da gibt es andere Wege. Kleinere Flächen könen mit einem Freischneider maschinell bearbeitet werden“, erklärt dazu Ausschussvorsitzender Ralf Cremers (CDU). Aber auch erklärt, dass manchmal kein Weg am Pestizid-Einsatz vorbei führt, „etwa wenn der Eichenprozessionsspinner , der stark allergen ist, bekämpft werden muss“. Dennoch ist Cremers dafür, dass Grevenbroich der Initiative „Pestizidfreie Kommune“ beitritt. „Damit würde die Stadt eine Vorreiterrolle für die Bürger einnehmen.“ Ein hundertprozentiger Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel ist dafür nämlich gar nicht erforderlich. „Wichtig ist, dass diese Ausnahmen genannt werden und den Beteiligten klar ist, warum gerade in diesen Bereichen eine Ausnahme gemacht wird“, erläutern die Stadtbetriebe.

Die Grünen hatten ebenfalls beantragt, dass die Stadt die Bürger mehr über die Bedeutung der Artenvielfalt und über giftfreies Gärtnern informiert. Florian Herpel dagegen hält „zusätzliche Informationsangebote“ nicht für notwendig, er verweist auf das Beratungsangebot im Schneckenhaus und auf Infos von Verbänden. Ausschussvorsitzender Ralf Cremers sieht das anders. „Es wäre mit wenig Aufwand verbunden, auf der Homepage des Schneckenhauses weitere Informationen zu geben.“