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Grevenbroich: So erlebt eine Familie die Quarantäne wegen Coronavirus

Corona-Verdachtsfall in Grevenbroich : Wie eine Hülchrather Familie die Quarantäne erlebt

Weil sie am Rosenmontag direkten Kontakt zu einer Corona-infizierten Verwandten aus dem Kreis Heinsberg hatte, sitzt eine vierköpfige Hülchrather Familie seit dem Wochenende in Quarantäne.

Dem Vater (52) und der Mutter (47) geht es gut, ebenso der Tochter (11) und dem Sohn (5). Sie haben keine Symptome, wurden negativ auf das Coronavirus getestet und sind kerngesund. Da ein Restrisiko bleibt, dürfen die vier bis einschließlich 9. März ihr Haus nicht verlassen – also 14 Tage nach dem Erstkontakt. Von Resignation aber keine Spur: „Im Gegenteil“, sagt der Vater. „Wir werden wahnsinnig gut von der Dorfgemeinschaft sowie vom Verwandten- und Freundeskreis aufgefangen.“ Ihren Namen möchte die Familie nicht veröffentlicht wissen.

Langeweile gebe es für die Eltern nicht, berichtet der 52-Jährige. Denn beide haben die Möglichkeit, ihre Jobs per Homeoffice zu erledigen – was etwas fehle, sei der direkte Kontakt zu den Kollegen. Die Kinder würden sich tagsüber selbst beschäftigen. Beim Sohn stehen Lego und Playmobil derzeit hoch im Kurs, die Tochter übt mehr als sonst auf der Gitarre. Die Elfjährige besucht das Norbert-Gymnasium in Knechtsteden, ihre Klasse wurde ebenfalls bis zum 9. März vom Unterricht befreit. Voraussichtlich ab Mittwoch kommt die Schülergemeinschaft wieder via iPad zusammen, dann wird per Facetime gelernt. Was alle Familienmitglieder genießen: Die vielen Stunden, die mit Gesellschaftsspielen verbracht werden – mit Uno oder Halli Galli.

Die Hilfe der Nachbarn sei großartig: So werden etwa Lebensmittel am Hauseingang abgestellt – und per WhatsApp werden kleine Überraschungen angekündigt, die sich dann in Form von Comics oder auch mal zwei Flaschen Bier auf der Türschwelle wiederfinden. Es gibt aber auch negative Erfahrungen: „So kam aus der weiteren Nachbarschaft die Anregung, dass unser Haus mit dem Hinweis auf Corona-Patienten markiert werden sollte“, erzählt der Vater. „Das ist diskriminierend.“

Unter Quarantäne zu sein – das wirft Fragen auf, die im normalen Alltag keine Rolle spielen. Zum Beispiel diese: „Dürfen wir die Mülltonne über die Grundstücksgrenze schieben oder Mineralwasser aus der Garage holen?“ In Rücksprache mit dem Kreisgesundheitsamt wurden solche Aktionen genehmigt. Nicht aber ein Spaziergang auf den Feldwegen rund um Hülchrath, denn das häusliche Umfeld darf nicht verlassen werden. Und was passiert, wenn der Paketbote klingelt?

„In der Regel wollen die ja eine Quittierung“, sagt der 52-Jährige. Die Familie mache dann durch die Haustüre deutlich, dass das nicht möglich sei – und ist der Bote weg, wird die Lieferung schnell ins Haus gezogen. Ähnlich wird verfahren, wenn Nachbarn etwas bringen – die machen sich übrigens durchs Klopfen an das Küchenfenster bemerkbar.

Während der Quarantäne ruft das Gesundheitsamt täglich zwei Mal an und fragt nach Symptomen, die Familie misst zwei Mal am Tag Fieber. Und auch die Stadt hält Kontakt zu den vier Hülchrathern, fragt nach dem psychischen Befinden und bietet ihre Hilfe an. Die Familie sei gelassen und komme mit dem „Freiheitsentzug“ gut zurecht, sagt der Vater. Mit solchen Maßnahmen werde das Risiko minimiert und die Infektionskette des Cornavirus unterbrochen. Ein großes Lob zollt er dem Norbert-Gymnasium, das regen Kontakt zu der Familie hält und es auch möglich machte, dass ein Arzt schnell zu den Hülchrathern kam, um die Abstriche für Tests auf das Coronavirus zu machen.

Und was passiert am 10. März? „Dann sind wieder in der Freiheit“, sagt der Vater und lacht. Er selbst werde einen ausgedehnten Langlauf unternehmen, denn den vermisse er. Die Familie werde dann „wieder die Weite genießen“. Und für die „Solidargemeinschaft der Nachbarn“, soll es auch „eine dicke Party“ geben.