Grevenbroich: Senioren-Aktion war auf Anhieb ein Erfolg

Existenzhilfe Grevenbroich : Senioren-Aktion war auf Anhieb ein Erfolg

Die Tafel erfüllt erstmals Weihnachtswünsche für Grevenbroicher, die von Altersarmut betroffen sind – und stieß auf große Resonanz.

Weihnachtswünsche für Kinder aus bedürftigen Familien erfüllen – das kann die Existenzhilfe. 300 „Pänz“ im Alter bis zu 14 Jahren werden alljährlich mit kleinen Geschenken beschert, die von hilfsbereiten Grevenbroichern gestiftet werden. Nun wagt sich die Tafel an Neuland: Erstmals werden die Helfer auch von Altersarmut betroffene Senioren aus der Stadt überraschen. Geschäftsführer Wolfgang Norf war anfangs nicht ganz sicher, ob das gelingen wird.

Denn ältere Menschen nehmen die Lebensmittel-Ausgabe der Existenzhilfe nur recht selten in Anspruch. „Vielleicht weil sie sich schämen, was völlig grundlos wäre“, sagt Norf. Von daher war er skeptisch, ob sich die weihnachtliche Kinder-Bescherung auf Senioren übertragen lassen wird. Jetzt weiß er: „Das geht wunderbar – kein Problem.“

Auf Anregung von Diana Wolff, die jedes Jahr die Weihnachtsbaum-Aktionen in Grevenbroich unterstützt und über ein großes Netzwerk verfügt, wurde vor einigen Wochen ein Wunschzettel-Projekt gestartet, das überaus erfolgreich war. Schnell kamen 80 Senioren zusammen, die kleinere Wünsche im jeweiligen Wert von 25 Euro formulierten – etwa ein Rasierwasser, ein Telefon mit extra großen Tasten oder, ganz klassisch, eine Weihnachtsgans.

Die Übergabe der Geschenke sollte zunächst in der Tafel-Zentrale an der Merkatorstraße erfolgen. „Vielleicht wäre das etwas zu unpersönlich gewesen“, sagt Wolfgang Norf. Er startete daher einen Aufruf im sozialen Netzwerk Facebook: „Gaststätte mit Saal gesucht“. Die war rasch gefunden: Sandra Schmitz, Inhaberin der „Erftruhe“ in Wevelinghoven, stellte ihr Lokal zur Verfügung. Und die Wirtin organisierte nebenbei noch einen Shuttle-Service: Die Senioren werden nachmittags bei der Existenzhilfe abgeholt und abends wieder dorthin gebracht. Kostenlos, versteht sich.

„Eine phantastische Unterstützung“, sagt Wolfgang Norf. Und es war nicht die einzige: Eine Grevenbroicherin erklärte sich bereit, in einem heimischen Supermarkt für jeden der 80 Senioren eine Weihnachtstüte packen zu lassen – mit Kaffee, Keksen, Kuchen und anderen Süßigkeiten. Die Tüten werden ebenfalls am 19. Dezember in der „Erftruhe“ verteilt.

„Die Aktion ist sehr gut angelaufen“, freut sich Wolfgang Norf. „Vielleicht können wir sie im nächsten Jahr noch für viel mehr Menschen organisieren.“ Der Chef der Existenzhilfe hofft nun darauf, dass über dieses Projekt künftig mehr Senioren den Weg zur Tafel finden werden. Ziel der Initiative sei es schließlich, nicht nur die zu unterstützen, die „jung und dynamisch sind und eventuell noch in Lohn und Brot gelangen“, sondern auch Senioren, die in die Bedürftigkeit abgerutscht sind – sei es durch eine kleine Rente oder sehr hohe Mietkosten.

Die Weihnachtswunschbaum-Aktion für Kinder läuft ebenfalls sehr gut. Bereits 24 Stunden, nachdem die Tannen in der Coens-Galerie und in der Volksbank Erft aufgestellt wurden, waren die meisten Wunschzettel schon weg. Die Bescherung wird am 18. Dezember sein.

Schon jetzt packen die 100 Mitarbeiter der Tafel fleißig Tüten mit haltbaren Lebensmitteln – etwa Konserven mit Obst und Gemüse, mit Öl, Zucker, Knödeln und Reis. „Etwa 700 müssen bis 23. Dezember fertig sein“, berichtet Wolfgang Norf. Bei der letzten Lebensmittelausgabe des Jahres haben die Kunden dann noch einmal die Gelegenheit, sich für das Fest und die Zeit „zwischen den Jahren“ einzudecken.