Grevenbroich: Schützenzug entsetzt mit ausgemergelten Pferd

Parade in Grevenbroich: Zu dünn - Veterinäre ziehen Schützen-Pferde ab

Das Veterinäramt im Rhein-Kreis Neuss hat am Montag die Wevelinghovener Schützen-Pferde kritisch untersucht. Grund dafür sind Fotos, die nach dem Sonntagsumzug bei Facebook gepostet wurden. Darauf ist mindestens ein Tier zu sehen, das unterernährt zu sein und dessen Rücken durchzuhängen scheint.

Björn Birkenstock (41), seit zwölf Jahren Westernreiter, hat die Fotos online gestellt — "nach reiflicher Überlegung", wie er sagt. Er hatte den Schützenumzug aus dem Fenster beobachtet, dabei waren ihm Pferde aufgefallen, die "nicht ordentlich geritten und ernährt" waren. "Auf diesen Klappergerüsten saßen viel zu schwere Reiter", schildert Birkenstock. "Mir ging es um das Wohl der Tiere, darum habe ich die Fotos öffentlich gemacht." Damit löste der Wevelinghovener eine ungeahnte Reaktion aus: Sein Beitrag wurde fast 300 Mal geteilt und mit mehr als 260 Kommentaren versehen.

Das Veterinäramt des Rhein-Kreises Neuss hat daraufhin am Montag gehandelt und den Besitzer der Pferde ausfindig gemacht. "Wir haben uns die Tiere im Reitstall angesehen", schildert Kreisveterinärin Annette Kern. Die Folge: einige seien ausgesondert worden, sie durften beim Umzug am Montag nicht mehr dabei sein. Warum, wollte Kern im Einzelnen aber nicht mitteilen: "Das hat vielfältige Ursachen", sagte die Veterinärin lediglich.

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Reitstallbesitzer Friedhelm Tillmann, der die Schützen-Pferde zur Verfügung stellt, sagte, dass es sich bei dem mehrfach fotografierten, offenbar klapprigen Pferd um eine etwa 18 Jahre alte Stute handele, die ein Fohlen zur Welt gebracht habe. "Das zehrt", sagte er. "Das Tier ist kerngesund, es hat keine Verletzung, es geht nicht lahm — nur das Gewicht ist nicht da." Tillmann habe sich für das Pferd entscheiden, weil es verlässlich und schützenfesterprobt sei. "Sicherheit geht vor."

Dieses Pferd wurde am Montagnachmittag gegen einen Kaltblüter ausgetauscht. Der, so Friedhelm Tillmann, passe auch besser zu dem relativ schweren Reiter.

(wilp)