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Grevenbroich: Schmerzmittel im Erft-Wasser

Fluss in Grevenbroich : Schmerzmittel in der Erft nachgewiesen

Diclofenac-Konzentration im Wasser ist „signifikant hoch“. Erftverband prüft jetzt, ob Lebewesen gefährdet sind.

Seit Jahren ist bekannt, dass die Wasserqualität der Erft bei Grevenbroich wegen thermischer Belastungen nur mäßig ist. Tests des Erftverbands haben jetzt ergeben: Im Wasser lassen sich auch eine Reihe von Stoffen nachweisen, die dort nicht hingehören. Mit „signifikant hoch“ wird die Konzentration von Diclofenac bezeichnet. Dabei handelt es sich um einen Wirkstoff, der in Schmerz- und Rheumamitteln zum Einsatz kommt.

Der Wirkstoff gelingt über Abwasser in die Erft, das in den Kläranlagen gereinigt und danach in den Fluss geleitet wird. „Überhaupt in das Abwasser gelangen die Spuren des Wirkstoffs beispielsweise durch Salben-Reste, die beim Duschen von der Haut gespült werden“, sagt Norbert Engelhardt, Vorstand des Erftverbandes. Er wünscht sich von Verbrauchern und Pharmaunternehmen einen verantwortungsvolleren Umgang mit Arzneimitteln, in denen dieser Wirkstoff enthalten ist.

Die Konzentration des Schmerzmittels in der Erft ist – so das Testergebnis – bei Grevenbroich mit 0,2 Mikrogramm pro Liter durchschnittlich viermal so hoch wie der Richtwert von 0,05 Mikrogramm, der als eine Art Grenzwert gilt. An anderen Orten ist der Wert mit 0,5 Mikrogramm sogar zehnmal so hoch. Dass die Konzentration bei Grevenbroich wenige Kilometer vor der Mündung in den Rhein geringer ausfällt, führt der Erftverband auf die Einspeisung von Sümpfungswasser bei Bergheim zurück, das die Konzentration verdünne.

Seit März 2016 nehmen Fachleute des Wasserwirtschaftsbetriebes Proben an unterschiedlichen Stellen, darunter direkt an und in der Nähe der Kläranlagen in Wevelinghoven und Noithausen. Hintergrund ist das größtenteils vom Land geförderte Untersuchungsprogramm „Spurenstoffagenda Erft“, das der Verband seit einiger Zeit verfolgt. Insgesamt untersuchte der Erftverband rund 150 Stoffe – Arzneimittel, Röntgenkontrastmittel, Pestizide und deren Abbauprodukte auf ihre Konzentration in dem gereinigten Abwasser. Die meisten Werte sollen unauffällig sein.

Welche Auswirkungen jedoch die Spuren des Schmerzmittels in der Erft haben, ist noch nicht bekannt. Untersuchungen von Biologen sollen ergeben haben, dass der Stoff Kleinlebewesen stressen kann, weil sie mehr Energie für die Entgiftung ihres Körpers verbrauchen. Betroffen sind vor allem Lebewesen wie die Köcherfliege beziehungsweise deren Larven. In stärker belasteten Flussbereichen sind bestimmte Arten nicht anzutreffen. Ob das mit der Belastung an sich zu tun hat, soll jetzt ein Test des Erftverbandes zeigen, den er unter anderem bei Grevenbroich durchführt: In der Nähe dreier Kläranlagen sollen als empfindlich geltende Larven der Eintags-, Stein- und Köcherfliegen in speziellen Behältnissen ausgesetzt werden. „Auf Grundlage des Ergebnisses schauen wir, inwieweit eine Elimination der Spurenstoffe sinnvoll ist“, sagt Norbert Engelhardt.

Der Knackpunkt: Um Spurenstoffe wie die des Schmerzmittels filtern zu können, müsste das Abwasser in den Kläranlagen noch intensiver aufbereitet werden – ein Prozess, der mit hohen Kosten verbunden ist. So könnten die Preise für einen Kubikmeter Wasser zwischen einem und 17 Cent steigen. Die Kosten würden auf Bürger umgelenkt werden.

Wie Engelhardt mitteilt, haben die Schmerzmittel-Spuren sowie die anderer Stoffe – darunter Pflanzenschutzmittel –, keine Auswirkungen auf die Trinkwasserqualität, da das Wasser nicht aus dem Fluss gewonnen werde. Im Trinkwasser ließen sich aber trotzdem Spuren nachweisen, laut Engelhardt allerdings nur in verschwindend geringer Konzentration: „Um die Dosis einer Tablette zu sich zu nehmen, müsste ein Mensch 20.000 Jahre lang jeden Tag drei Liter Leitungswasser trinken.“

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