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Grevenbroich: Realschüler gestalten Plakate zur Deutschen Einheit vor 30 Jahren

Schule in Grevenbroich : Realschüler gestalten Plakate zur Deutschen Einheit

Die Diedrich-Uhlhorn-Realschule hat einen Plakat-Wettbewerb veranstaltet. Schüler beschäftigten sich mit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren – und ließen ihre Großeltern in Erinnerungen schwelgen.

Ein Teil der Schulaula sieht anders aus als üblich. Wo sonst eine weiße Wand eine eher nüchterne Atmosphäre verbreitet, hängen nun viele bunte Plakate, die aktuell das Interesse der Schüler auf sich ziehen. Denn die von Jugendlichen gestalteten Poster beschäftigen sich mit der Wiedervereinigung vor 30 Jahren – und sie berichten von so manchen, auch persönlichen Erlebnissen.

Die Fachschaft Geschichte der Diedrich-Uhlhorn-Realschule hatte bereits im vergangenen Jahr überlegt, wie sie das historische Thema auch über den Unterricht hinaus den Schülern näher bringen kann. Das Ergebnis: „Wir haben uns für einen Plakat-Wettbewerb entschieden, bei dem sich die jungen Leute in ihrer Freizeit mit der Wiedervereinigung beschäftigen sollten“, sagt Fachschaftsvorsitzender Sebastian Potschka. Zu den Voraussetzungen für eine Teilnahme gehörten Interviews. Die Schüler sollten zu Hause ihre Eltern oder Großeltern danach fragen, wie sie die Deutsche Einheit erlebt haben.

So hat etwa Leon seine Oma interviewt und das Ergebnis des Gesprächs auf eine rote Pappe geklebt. Nun können auch seine Mitschüler nachlesen, dass sein Opa vor dem Fernseher saß und weinend den Mauerfall verfolgte, als die Großmutter vom Martinszug am 9. November 1989 nach Hause kam. Der Opa war in den 50er Jahren mit seinen Eltern aus der DDR geflohen und nun von seinen Verwandten im Osten nicht mehr länger getrennt.

„Es wurden aber auch sehr erschütternde Erlebnisse geschildert, die sich nicht auf den Plakaten wiederfinden, sondern künftig im Unterricht behandelt werden“, sagt Potschka. Beispielhaft nennt er die Geschichte der Oma eines Schülers, die nach der Freigabe der Stasi-Akten erfahren musste, dass sie von ihrer eigenen Schwester bespitzelt und wegen ihrer Fluchtpläne verraten worden war. „Das belastet die Familie bis heute“, betont Potschka.

Das Herz der Ausstellung ist die Leinwand von Lena aus der Jahrgangsstufe 7. Akkurat hat sie eine Mauer gezeichnet, die vom Brandenburger Tor durchbrochen wird. „Ich habe lange überlegt“, räumt die Schülerin lächelnd ein. „Aber durch Corona hatte ich viel Zeit kreativ zu sein und Vieles auszuprobieren.“

Das hat sich gelohnt: Mit ihrer Idee begeisterte Lena die Schul-Jury und errang den mit zwei Tablet-Computern dotierten ersten Preis des Plakat-Wettbewerbs. „Darauf bin ich richtig stolz“, sagt die Siebtklässlerin.