Grevenbroich „Pro O“ zieht Krützens Zahlen zur Ortsumgehung für Kapellen und Wevelinghoven in Zweifel

Diskussion um die L 361n : „Pro O“ zieht Krützens Zahlen in Zweifel

Nach der Bürgerversammlung zur Verkehrsentlastung für Kapellen und Wevelinghoven hagelt es von Befürwortern der geplanten L 361n-Trasse Kritik gegenüber dem Bürgermeister. Die Initiative „Pro Ortsumfahrung“ bezweifelt die von Klaus Krützen vorgestellten groben Zeitpläne für die L 361n und die von ihm vorgeschlagene Nord-West-Tangente.

„Am Tag nach der Veranstaltung wurde ein von Straßen.NRW erstelltes Schaubild zum Planungsablauf der L 361n veröffentlicht, das beweist, dass die von Krützen präsentierten Zahlen um Jahre weiter in der Zukunft liegen als die amtlichen Daten von Straßen.NRW“, erklärt „Pro O“-Sprecher Leo Krüll. Dabei habe sich der Bürgermeister auf Daten des Landesbetriebs berufen. „Hat Krützen den Menschen nicht die Wahrheit gesagt, um seine Variante günstiger aussehen zu lassen?“, fragt Krüll und fährt schwere Geschütze auf: „Wenn er wissentlich gelogen hat, ist er nicht mehr tragbar und sollte zurücktreten.“ Bei Straßen.NRW in Mönchengladbach wird zurzeit geprüft, wie das Schaubild zustande kam.

In der Versammlung hatte Klaus Krützen eingeräumt, dass die Nord-West-Tangente später realisiert werden könne als die L 361n zwischen Wevelinghoven und Kapellen. Im besten Fall könne mit dem Bau der Nord-West-Tangente 2035, im schlechtesten Fall 2039 begonnen werden. Für die L 361n nannte er in seiner – nicht leicht zu verstehenden – Übersicht einen Baubeginn zwischen 2028 und 2033.

„Pro O“ verweist dagegen auf einen anderen Ablaufplan, der von Straßen.NRW erstellt worden sei. Danach könne der erste Spatenstich für die L 361n im besten Fall bereits 2024, im schlechtesten Fall 2027 erfolgen – für die Nord-West-Tangente dagegen erst 2033 bis 2041.

„Der Zeitplan des Bürgermeisters zeigt den möglichen weiteren Ablauf für beide Varianten in einer vorsichtigen, aber realistischen Annahme. Keine Variante wurde dabei besonders gut oder besonders schlecht gerechnet“, betont Stadtsprecher Stephan Renner. Laut Stadt lässt die Grafik, auf die sich „Pro O“ bezieht, ein mögliches Klageverfahren aus, gehe es nach der Planfeststellung sofort mit der Ausführungsplanung weiter. Krützen hatte erklärt, er gehe sicher davon aus, dass gegen die L 361n geklagt werde. Er hatte für beide Varianten ein bis fünf Jahre für mögliche Klageverfahren veranschlagt.

Harsche Kritik erntet der Bürgermeister auch vom CDU-Ortsverband Kapellen mit Maria Becker als Vorsitzender. Noch 2018 sei die SPD sicher gewesen, „dass 2019 die Bagger an der L 361n anrollen werden“. 305 Tage vor der Kommunalwahl habe Krützen dann die Westtangente anstatt des Lückenschlusses favorisiert. „Fakt ist, dass es sich für viele Menschen im Ort wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen musste“, erklärt die Union. Nur zwölf Tage später habe es „die Korrektur zur Kehrtwende“ nach Widerstand aus dem Neubaugebiet gegeben. „Einmal in Wechsellaune, präsentierte Bürgermeister Krützen eine weitere Variante.“

Die CDU attestiert Krützen zudem Rechenfehler in seinem Schaubild. Auf ein paar Jahre mehr scheine es ihm „nicht mehr anzukommen. Das passiert, wenn man einen lang geplanten Weg in nur zwölf Tagen zweimal verändert und dabei den Überblick verliert.“ Die Union halte am Lückenschluss fest. Erst wenn die Ergebnisse der Verkehrs- und Umweltgutachten gegen den Bau sprechen würden, „werden wir uns mit einer Alternative beschäftigen“.