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Grevenbroich: Prior Bruno Robeck schlägt vor, Corona ein Schnippchen zu schlagen

Prior Bruno Robeck vom Kloster in Grevenbroich-Langwaden zum Rosenmontag : Corona ein Schnippchen schlagen

Trotz der Corona-Pandemie muss Rosenmontag kein normaler Arbeitstag sein. Prior Bruno Robeck vom Kloster Langwaden macht Vorschläge, wie die rheinische Lebensfreude an diesem Tag trotz des Virus erhalten werden kann.

Das Coronavirus hat mir den ruhigsten Tag im Jahr geklaut. An allen anderen Tagen gibt es viel zu tun. Normale Werktage sind neben dem Gebet durch Arbeit ausgefüllt. An Sonn- und Feiertagen sind wir vor allem durch Gottesdienste beschäftigt. Ein wirklicher Ruhetag bei uns im Kloster ist nur der Rosenmontag. Die normale Betriebsamkeit fehlt, weil fast alle Mitarbeitenden frei haben. Der Rosenmontag hat seine ganz eigene Atmosphäre. In diesem Jahr fällt dies alles weg. Die Telefone werden klingeln, die Flure werden belebt sein. Es wird keinen Unterschied zu einem anderen Montag geben. Die meisten Betriebe haben beschlossen, nicht geschlossen zu haben. Die Arbeit wird fortgesetzt, da coronabedingt Karneval in der üblichen Form ausfällt. Wer nicht feiert, kann auch arbeiten. Diese Argumentation klingt in meinen Ohren sehr nach meiner preußischen Heimatmentalität. Sie lässt so gar nichts von der rheinischen Lebensart durchscheinen, die ich hier sehr schätzen gelernt habe.

 Grevenbroich Kloster Langwaden Prior Pater Bruno Robeck Zisterzienser
Grevenbroich Kloster Langwaden Prior Pater Bruno Robeck Zisterzienser Foto: Melanie Zanin

Ehrlich gesagt, hat es mich etwas enttäuscht, dass die Rheinländer keine Alternative zum Straßenkarneval gesehen haben außer zur Arbeit zu gehen. Beim letzten Düsseldorfer Rosenmontagszug streckte auf einem Mottowagen der Bazillus carneval dem zähnefletschenden Coronavirus noch die Zunge raus. In diesem Jahr hat das Coronavirus den Karnevalsbazillus einfach herausgekegelt. Alle rheinischen Jecken scheinen wie in einer Schockstarre zu verharren.

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Es bräuchte vielleicht so etwas wie einen Karnevalsflüsterer, der weiterhelfen kann. Ich zum Beispiel würde vorschlagen, dass jeder am Rosenmontag erst mal „bis in die Puppen“ schläft, Um 11.11 Uhr beginnt der jecke Pitter zu läuten in dankbarer Freude, dass Dom und Stadt von Wildpinklern verschont bleiben. Im Rheinland treten die Menschen auf den Balkon oder ans offene Fenster, prosten sich mit einer Flasche Piccolo zu. Dann freuen sich alle, weil sie dem Virus keine Chance gegeben haben, sich zu verbreiten, und weil der Karnevalsbazillus gleichzeitig verhindert hat, dass sie arbeiten gehen mussten. Anstatt diese im letzten Jahr entwickelte Form gemeinschaftlichen Lebens zu reaktivieren, werden die meisten wohl krampfhaft am althergebrachten Karnevalsgefühl festhalten und zur Bildschirmübertragung Zuflucht nehmen. Ein neues Highlight gibt es trotzdem. Die Kölner schlagen dem Virus doch ein Schnippchen und lassen die Puppen tanzen, wenn das Hänneschen-Theater den Rosenmontagszug durchziehen lässt. Da ist er also doch: der pfiffige und unkaputtbare Rheinländer. Am Aschermittwoch ist dann alles vorbei – fast alles, denn das Coronavirus wird uns erhalten bleiben und hoffentlich auch der Humor, der sich nicht von kleinen oder großen Herausforderungen unterkriegen lässt.

 P. BRUNO ROBECK OCIST