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Grevenbroich: Partnerwechsel ist beim Tanzen derzeit tabu

Freizeit in Grevenbroich : Partnerwechsel ist beim Tanzen derzeit tabu

Wie können angesichts der Corona-Pandemie Tanzkurse ablaufen? Die NGZ informierte sich in einem Tanzstudio, was möglich ist und was nicht.

Grevenbroich Seit fast 45 Jahren gibt es das Tanzstudio Köster, aber so ein Jahr wie dieses haben die Inhaber Barbara und Karl Köster noch nicht erlebt. „Das war der Super-Gau, das toppt wirklich alles, was wir bisher erlebt haben“, sagt Barbara Köster.

Als die Kösters zu Beginn des Lockdowns ihre Tanzschule für 10 Wochen schließen mussten, wusste niemand so recht, wann und wie es weitergehen würde. Über WhatsApp blieben sie mit ihren Tanzgruppen in Kontakt, schickten Videos für Kinder und Erwachsene zum Üben.

Und sie waren dann heilfroh, als sie wieder öffnen durften. Seit dem 11. Mai darf wieder getanzt werden. „Alle Hygieneverordnungen und Abstandsregeln werden von uns eingehalten, so dass das bei uns problemlos möglich ist.“

 Platz, damit die Tanzpartner Abstand halten können, gibt es reichlich. Die Startpunkte für den Tanz sind auf dem Boden markiert.
Platz, damit die Tanzpartner Abstand halten können, gibt es reichlich. Die Startpunkte für den Tanz sind auf dem Boden markiert. Foto: Dieter Staniek

Am Eingang des Tanzstudios müssen die Hände desinfiziert werden, und auf dem Weg zu den Tischen vor dem Tanzsaal gilt Maskenpflicht, ebenso in den sanitären Anlagen. Beim Tanzen darf man die Maske ausziehen. Die Anzahl der Stühle ist reduziert worden, und die Tische so angeordnet, dass sich die Besucher nicht zu nahe kommen. Die Räumlichkeiten sind so groß, dass Abstände gut eingehalten werden können und bestehende Gruppen nicht verkleinert werden mussten. „Unser Parkett ist zum Glück zufällig in Carrés von 1,60m mal 1,60m verlegt worden. Die haben wir nochmal mit Aufklebern markiert, so hat jedes Tanzpaar einen klar begrenzten Bereich zum Starten“, erklärt Barbara Köster.

Beim Tanzen muss jeder dann grundsätzlich Rücksicht nehmen und auf den Abstand achten, aber das machen alle Tänzer gewissenhaft, versichert Barbara Köster. Nur einen Partnerwechsel kann es in Zeiten von Corona nicht geben, beim Paartanzen muss man einen festen Tanzpartner haben. Die klassischen Jugend-Anfängerkurse können deshalb zum Beispiel im Moment nicht stattfinden.

Eine weitere Folge der Pandemie-Regeln: Auch Barbara Köster als Tanzlehrerin darf nicht mehr mit einem Schüler vortanzen oder „Hand anlegen“, um die Tanzhaltung zu korrigieren. „Da haben wir in jedem unserer Clubkreise ein erfahrenes Tanzpaar, das sich bereit erklärt hat, bestimmte Sequenzen vorzutanzen“, erzählt die Trainerin. „Und ich muss dann eben mehr sprechen, um zu erklären und Tipps zu geben. Das mache ich sicherheitshalber mit Maske, weil ich da unter Umständen auch mal etwas näher kommen muss, damit man mich versteht.“ Für die Kinder, die die Tanzschule besuchen, haben die Kösters Punkte markiert, auf die sich Kids zu Beginn der Tanzstunde stellen. Das funktioniert in den drei Ballettgruppen und vier Kindertanzkursen auch sehr gut und alle halten sich diszipliniert an die Regeln.

Probleme mit falschen Gästelisten, wie Gastronomen sie haben, gibt es im Tanzstudio nicht. Anwesenheitslisten wurden sowieso schon immer geführt, durch die Anmeldung sind alle Teilnehmer registriert und somit alle Kontaktdaten vorhanden. In den Gruppen mit kleinen Kindern darf eine Begleitperson (mit Maske) beim Training dabei sein, auch diese wird registriert.

Barbara Köster ist sehr froh, dass alle festen Tanzgruppen nach dem Lockdown weitergemacht haben. Durch das regelmäßige Training, das die Gruppen das ganze Jahr über haben, finden fast jeden Abend Kurse statt. Schleppend läuft es bei den Neuanmeldungen. „Nachfragen gibt es zwar verhalten, aber nicht genug, um Kurse zusammen zu bekommen“, berichtet Barbara Köster. „Vielleicht sind die Leute zu ängstlich, oder manche haben eventuell auch finanzielle Engpässe durch Kurzarbeit oder Ähnliches“, vermutet sie.

Crash-Kurse für Schützenfeste oder Hochzeiten fallen logischerweise in diesem Jahr auch weg.

Für das Tanzstudio sind es schwierige Zeiten. „Wenn das Studio nicht unser Eigentum wäre, hätten wir vielleicht schließen müssen“, meint Barbara Köster, „denn eine Miete für Räumlichkeiten in der Größe ist in so einer Situation kaum aufzubringen“, ist sie überzeugt.

Dass die Kösters aber durchhalten, liegt an ihrer Leidenschaft für den Tanzsport. Die 67jährige Barbara und ihr 83jähriger Mann Karl sind beide mehrfach ausgezeichnete Tänzer (darunter Welt-, Europa- und Deutsche Meistertitel).

Und sie sind überzeugt, dass gerade in Corona-Zeiten Tanzen gut tut. „Tanzen macht so viel Spaß, tut der Gesundheit gut und sorgt für Ausgeglichenheit“, betont Barbara Köster. „Die Musik macht gute Laune, und es tut gut, mal wieder soziale Kontakte zu pflegen und mit anderen zu plaudern.“