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Grevenbroich: Orchester-Sound mit "Digital Concerts" in der Pandemie

Musiker aus ganz Europa online vereint : Orchester-Sound aus dem stillen Kämmerlein

Saxofonist Thomas Leusch macht seit mehr als einem Jahr bei den „Digital Concerts“ mit. Musiker aus ganz Europa spielen große Melodien – gemeinsam, aber dennoch jeder für sich allein.

Thomas Leusch ist begeisterter Hobbymusiker. Er spielt Tanzmusik bei den „Voices“ und mischt den Karneval mit der „Bajaasch“ auf. Doch während der Pandemie muss diese Leidenschaft ruhen – dieses Schicksal teilt der ehemalige Laacher Schützenkönig mit vielen anderen, die Musik beruflich oder in ihrer Freizeit machen. Um musikalisch keinen Rost anzusetzen, hat sich der 45-Jährige den „Digital Concerts“ angeschlossen, einem großen virtuellen Orchester, das vor mehr als einem Jahr von dem Kölner Peter Hosking via Facebook ins Leben gerufen wurde. Mittlerweile vereint diese Formation unterschiedliche Musiker aus ganz Europa.

Mit einer Auswahl der schönsten Melodien aus „Star Wars“ haben „Digital Concerts“ soeben ihr 34. Stück veröffentlicht. Thomas Leusch war mit seinem Saxofon bisher bei allen Produktionen dabei. „Ich finde das nach wie vor eine tolle Sache“, sagt er. „Das ist eine gute Gelegenheit, um spielerisch bei der Stange zu bleiben.“ Rund 1500 Instrumentalisten haben sich der Idee von Peter Hosking angeschlossen und machen – je nach Lust und Laune – mehr oder weniger regelmäßig mit.

Auf diese Weise sind bereits einige Mini-Konzerte mit Spieldauern zwischen vier und zwölf Minuten erschienen. Melodien aus Musicals wie „König der Löwen“ oder „Das Phantom der Oper“ wechseln sich mit Film-Soundtracks aus „Herr der Ringe“ und „Fluch der Karibik“ sowie Hits von den Bee Gees und den Beatles ab.

Das Besondere: „Jeder Musiker wird mit den jeweiligen Noten, einem Playback- und Dirigat-Video ausgestattet. Jeder spielt dann im stillen Kämmerlein seinen Part ein und filmt sich selbst mit einem Handy oder einem Tablet-Computer“, schildert Thomas Leusch, der beruflich als Informatiker in Düsseldorf arbeitet. Alle Clips werden anschließend von Peter Hosking zu einem großen Ganzen zusammengestellt und als Kachel-Video über Facebook und YouTube veröffentlicht.

Verblüffend: Obwohl Bläser, Violinisten, Pianisten oder Percussionisten völlig unabhängig voneinander agieren, klingt das fertige Werk doch wie aus einem Guss. „Anfangs habe ich nicht damit gerechnet, dass das so gut funktionieren würde“, gibt Thomas Leusch zu. Der 45 Jahre alte Familienvater bemüht sich bei jedem neuen Projekt, die bestmögliche Leistung abzugeben. „Im Schnitt mache ich fünf bis sechs Einspielungen, bis ich zufrieden bin“, sagt er.

Videoaufnahmen, die nicht zu gebrauchen sind – vor allem die, bei denen etwas schiefgegangen ist –, verschwinden übrigens nicht im virtuellen Papierkorb. Über eine interne Plattform tauschen die Musiker ihre „Outtakes“ aus, in denen die kleinen Pannen zu sehen sind, die beim Spielen entstehen können – etwa wenn ein Hund tollpatschig durchs Bild rennt, ein Notenständer urplötzlich umkippt oder jemand an der Haustür klingelt. „Darunter sind schon sehr witzige Sachen“, meint Leusch.

Auch wenn sie nicht zusammen spielen, fühlen sich die Musiker untereinander verbunden. „Wir Saxofonisten tauschen uns in einer Chat-Gruppe über das jeweilige Lied aus, das zu spielen ist“, sagt der 45-Jährige. „Und wir hoffen gemeinsam darauf, dass wir uns irgendwann auch einmal persönlich treffen und dann ,richtig’ Musik machen können.“

Die 35. Folge der Reihe wird gerade vorbereitet, sie soll am kommenden Wochenende erscheinen. Dann werden Melodien der britischen Pop-, Soul-, Jazz- und R & B-Sängerin Adele zu hören sein. Alle Konzerte sind auf dem YouTube-Kanal „Digital Concerts #WirBleibenZuhause“ zu finden.