1. NRW
  2. Städte
  3. Grevenbroich

Grevenbroich: Oliver Krohn sieht die Welt in einem anderen Licht

Hobby in Grevenbroich : Er sieht die Welt in einem anderen Licht

Oliver Krohn entführt mit seinen Fotos in eine andere Welt. Dazu braucht er eine UV-Licht-Taschenlampe und Geduld. So bringt er Pflanzen und Samen zum Leuchten.

UVIVF? Oliver Krohn weiß ganz genau, dass er diese Abkürzung erklären muss. Sie steht für die englischen Wörter „UV induced visible fluorescence“, zu Deutsch: „UV-induzierte, sichtbare Fluoreszenz“. Was, bitte schön, ist das? Auch diese Nachfrage kommt jedes Mal, sobald Krohn über sein Hobby spricht: „Denken Sie an eine Schwarzlicht-Disko in den Siebzigern“, sagt der wissenschaftlich-technische Angestellte der Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität.

„Plötzlich leuchten die Zähne und helle Farben – diesen Effekt mache ich mir in meiner Fotografie zu nutze.“ Oliver Krohn bringt mithilfe einer Spezialtaschenlampe das Leuchten, das Fluoreszieren. von Pflanzen zum Vorschein. Er sieht die Welt in einem anderen Licht.

Das ist kein Ding für Hektiker oder Menschen, die rasch ungeduldig werden. Bei seiner Grevenbroicher Premiere als Dozent wird Oliver Krohn Schritt für Schritt erklären, wie Bilder entstehen, auf denen irdische Pflanzen so aussehen, als kämen sie von einem anderen Planeten. Kühl und scharf bis hin zu einem kleinsten Härchen am Blütenstengel. Während seiner Arbeit an einem biologischen Institut der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf ist Krohn auf die Idee gekommen, UV-Licht einzusetzen. Reine Infrarot-Fotos sind langweilig, schwarz-weiß und werden für technische Dinge eingesetzt. Dafür braucht man Spezialkameras.

So sieht die gleiche Pflanze ohne UV-Licht aus. Foto: Krohn

„Für meine Art der Fotografie ist lediglich eine Taschenlampe nötig“, sagt Krohn. Eine ganz spezielle allerdings, die Licht mit einer Wellenlänge von 365 Nanometern aussendet. Das Disko-Schwarzlicht schwingt mit 400 Nanometern. Ein Stativ und eine Kamera, idealerweise mit Makroobjektiv, gehören zur Ausrüstung. Dann geht es los mit der Motivwahl. „Am besten wirken Pflanzen oder Pflanzensamen“, hat Krohn in den zurückliegenden drei Jahren herausgefunden. Hier gibt es einen hohen Anteil an natürlicher Fluoreszens, die mit Hilfe der UV-Taschenlampe sichtbar gemacht wird. Dafür wird das Objekt der leuchtenden Begierde vor der Kamera fixiert und anschließend die Schärfe eingestellt.

Danach greift Oliver Krohn in die Trickkiste des Fotografen. Als erstes stellt er nach dem Scharfstellen den Autofokus ab. Denn für die eigentliche Aufnahme muss es komplett dunkel sein – was die Scharfstellautomatik der Kamera verwirren würde, weil sie ihren Fixpunkt verliert. Anschließend wird die Farbtemperatur weit jenseits normaler Tageslichtwerte eingestellt, die bei 5500 Kelvin liegen. „Bei etwa 14.000 Kelvin gibt es meiner Erfahrung nach die spannendsten Farbwerte.“

Oliver Krohn leitet den Workshop  für eine spezielle Fotografie. Foto: Krohn

Anschließend braucht es eine ruhige Hand. Denn da es sich meist um Makrofotos handelt, muss sehr weit abgeblendet werden, zum Beispiel auf Blende 22. „Nur dadurch erlangen wir eine gewisse Schärfentiefe“, sagt Krohn. Als Folge der winzigen Blendenöffnung dauert die Belichtungszeit manchmal 15, manchmal 20 Sekunden lang. Eingeleitet wird sie durch einen Druck auf den Selbstauslöser, weil dies Verwackler vermeidet, anschließend streicht Oliver Krohn mit dem Licht der UV-Lampe über das Fotomotiv. Er malt mit dem Licht wie mit einem Pinsel. Das Ergebnis ist erst im Nachhinein zu sehen.

Aufgenommen werden die ebenso fremd wie beeindruckend leuchtenden Motive im sogenannten RAW-Format. Das erlaubt dem Fotografen, anschließend am Computer noch jede Menge Einstellungen im Nachhinein zu verändern. „Letztlich bewegt man sich hinein in eine Welt von Farben und Formen, die man so vorher noch nicht gesehen hat“, erläutert Oliver Krohn. Eben das fasziniert ihn an dieser speziellen Art der Fotografie.

Sind drei Stunden Workshop ausreichend lang, um einen Einstieg in die Welt der fremden Farben zu finden? „Man sollte vorab wissen, wie seine Kamera funktioniert, man sollte eine Ahnung davon haben, wie sich Blende und Belichtungszeit auf das Foto auswirken. Und was ein ISO-Wert und eine Farbtemperatur sind“, überlegt Oliver Krohn laut. Dann lasse einen diese Sicht auf die Dinge nicht wieder so rasch los, sagt er.

Wer das Spiel mit der Leuchtkraft selbst zu Hause ausprobieren möchte, brauche dafür einen absolut dunklen Raum, in den kein normales Licht eindringt. „Ich persönlich habe bei mir eine Abstellkammer.“ Aber es geht auch mit einem großen Karton, der in der Nacht das Restlicht aussperrt. An einer Stelle muss eine Öffnung sein – für das UV-Licht, ohne das diese Sicht auf die Welt nicht funktioniert.