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Grevenbroich: Neues Digitallabor steht kurz vor dem Start

Projekt im Kreishaus Grevenbroich : Neues Digitallabor steht kurz vor dem Start

Ein ehemaliges Aktenlager im Grevenbroicher Kreishaus wird zur Ideenschmiede umgebaut. In einem 180 Quadratmeter großen Büro sollen Innovationen und Digitalisierungsprojekte entwickelt werden.

In einem ehemaligen Aktenlager im Dachgeschoss des Kreishauses in Grevenbroich will der Rhein-Kreis Neuss die Digitalisierung vorantreiben. Ein Digitallabor in Form eines 180 Quadratmeter großen „Open-Space-Büros“ soll als Ideenschmiede für neue Innovationen und Digitalisierungsprojekte der Verwaltung sorgen. Die letzten Elektroarbeiten laufen noch. In diesem Monat werden die Mitarbeiter der Stabsstelle Digitalisierung einziehen. Mit weiteren Beschäftigten aus Fachämtern sowie projektbezogen aus kreisangehörigen Kommunen soll es intensiver als bisher möglich werden, neue Prozesse und digitale Verfahren zu erarbeiten.

IT-Dezernent Harald Vieten sieht in der Digitalisierung große Chancen für die Zusammenarbeit in der Kreisgemeinschaft. Das Labor ist dabei ein wichtiger weiterer Baustein seiner Strategie. „Die Digitalisierung der Verwaltung wird mit einer grundlegenden Neuausrichtung von Prozessen einhergehen müssen. Doch um Prozesse neu zu gestalten, braucht es auch gute Voraussetzungen für freies, kreatives Denken“, sagt Vieten.

Die Erkenntnis, dass Veränderungen im Kopf beginnen, ist dabei nicht neu. Ein Schild vor dem neuen Digitallabor weist künftig darauf hin, dass Titel und Rang bei der Projektarbeit draußen vor der Tür bleiben sollen. Die Mitarbeiter selbst haben dort keine festen Büros und Schreibtische, sondern wählen morgens den nächstfreien Arbeitsplatz. Vieten sieht das Share-Desk-Konzept, das Teilen von Schreibtischen, auch als künftiges Modell für die gesamte Kreisverwaltung.

Die Pandemie hat den Blick auf die Notwendigkeit für Digitalisierung gelenkt. Höchste Priorität genießt aktuell die Digitalisierung des Gesundheitsamts und der zwölf Kreisschulen. Die Stabsstelle Digitalisierung hat den Sommer genutzt, um das digitale Kontakt-Nachverfolgungsprogramm SORMAS des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung zusammen mit dem Gesundheitsamt einzuführen. Dafür wurden alle Mitarbeiter im Gesundheitsamt geschult und 8000 „Altfälle“ ins System übernommen. Seit Einführung konnten 90.000 Aufgaben im Rahmen der Pandemie-Bewältigung im Gesundheitsamt digital erstellt und bearbeitet werden.

Andere Digitalisierungsprojekte mussten dafür zurückgestellt werden, weil die Personalressourcen nicht ausreichen. Trotzdem sieht Vieten die Kreisverwaltung bei der Digitalisierung im landesweiten Vergleich auf einem gutem Weg. Modellprojekte mit den Kommunen wie die Kfz-Anschriftenänderungen in den Einwohnermeldeämtern ersparen Bürgern Wege. Neue Online-Angebote bei Terminvergaben, Anhörungs- und Auskunftsverfahren, im Open-Data- und Geoportal sowie mehrere Apps verbessern den Service. Die Pflegefinder-App wurde 2020 sogar von NRW als landesweite Lösung übernommen.

Die föderale Struktur und unterschiedliche Zuständigkeiten auf den staatlichen Ebenen erschweren allerdings die Verwaltungsdigitalisierung. „Unsere eigenen Bemühungen können nicht losgelöst von landes- und bundesrechtlichen Vorgaben betrachtet werden“, meint der IT-Dezernent. Der Weg zur vollständigen digitalen Abwicklung von Verwaltungsdienstleistungen sei daher noch ein langer – „kein Sprint, eher ein Dauerlauf“, so Vieten.

(NGZ)