Grevenbroich: Neue Orgel für die Lambertus-Kirche

Neurather Instrument stand vorher in einem Wohnzimmer : Glockenspiel-Orgel für St. Lambertus

Vorher stand die Orgel in einem großen Xantener Wohnzimmer, jetzt wurde sie im Neurather Gotteshaus neu aufgebaut. Im Kirchenraum deckte eine Restauratorin in diesen Tagen auch das Geheimnis eines alten Reliefs auf.

In den 90er Jahren ging der alten Orgel von St. Lambertus die Puste aus. Seither sorgte ein kleineres, elektronisches Instrument für den guten Ton im Gotteshaus. Doch auch das gab mit der Zeit seinen Geist auf. Die Gemeinde hat nun für Ersatz gesorgt: Ab dem 15. Dezember wird eine neue Orgel in der Kirche erklingen. Marco Ellmer, Intonateur der Firma Seifert in Kevelaer, gab ihr jetzt den letzten Schliff.

Es war Carsten Büster, der den Neurather Katholiken zu einem neuen Instrument verhalf. Der Organist hatte in einem Xantener Privathaus eine große Orgel entdeckt, die zum Verkauf stand. „Genau das Richtige für uns“, sagt Peter Nobis, geschäftsführender Vorsitzender des Kirchenvorstandes. Für 65.000 Euro wechselte das nur wenig gespielte Instrument seinen Besitzer. „Das war ein Glücksgriff“, meint Kirchenvorstandsmitglied Willibert Müller. Immerhin liege der Neuwert der Orgel bei rund 250.000 Euro.

Eine Besonderheit: Das Glockenspiel wurde in der Nähe des Altarraums positioniert. Foto: Wiljo Piel

Mitarbeiter der Orgelbaufirma Seifert bauten das in Einzelteile zerlegte Instrument auf der Empore von St. Lambertus wieder auf, erweiterten es von 15 auf 16 Register. Experte Marco Ellmer stimmte den Klang der knapp 900 Pfeifen auf den Kirchenraum ab. „Die Töne waren vorher mager, wir haben mehr Bauch rein gegeben“, sagt der Intonateur. Heißt: Der Winddruck wurde erhöht, damit die Orgel lauter wird. Und der Kirchenvorstand ist begeistert: „Ein Genuss für die Ohren“, sagt Margarete Willim.

Eine Besonderheit, die sozusagen ein Alleinstellungsmerkmal markiert: Die Orgel ist die einzige im Stadtgebiet, die über ein Glockenspiel im Inneren einer Kirche verfügt. Die Konstruktion mit 30 Glocken wurde in der Nähe des Altarraums positioniert, dafür mussten etwa 50 Meter Kabel über den Dachboden verlegt werden. Marco Ellmer rät allerdings dazu, das Carillon nur dosiert einzusetzen, etwa zu kirchlichen Hochfesten – damit es etwas Besonders bleibt.

„Josefs Sterben“ spielt sich vor einem wieder entdeckten Hintergrund ab. Foto: Wiljo Piel

Das Erzbistum Köln gibt einen Zuschuss von rund 20.000 Euro für die neue Orgel. Den Rest muss die Gemeinde selbst aufbringen. Aus den Pfeifen des alten Instruments hat Margarete Willim eine Spendenbox gebaut, die am Eingang der Kirche steht und nun auf großzügige Christen wartet. Zudem werden die historischen Pfeifen der mehr als 100 Jahre alten ehemaligen Orgel verkauft.

Wer die Kirche in den nächsten Tagen besucht, wird auf einen alten Bekannten im neuen Gewand treffen. Das Relief „Josefs Sterben“, das vorher ein eher verstecktes Dasein im alten Turm von St. Lambertus fristete und ein wenig Schimmel ansetzte, ist von einer Restauratorin auf Vordermann gebracht worden. „Die Expertin hat bei dieser Gelegenheit eine aufgeplatzte Stelle ein wenig freigelegt – und dabei festgestellt, dass das Bild einen Hintergrund hat“, schildert Peter Nobis.

Seit vielen Jahrzehnten spielte sich die Sterbeszene für den Betrachter lediglich vor einem tristen Braunton ab. Nachdem dieser fachkundig entfernt wurde, trauten die Kirchenvorstandsmitglieder ihren Augen nicht: Der unbekannte Künstler hatte den Tod des Heiligen vor einen wallenden Vorhang verlegt. „Vorher und nachher – das sind zwei Welten“, sagt Willibert Müller begeistert. Das Relief konnte übrigens mit Hilfe einer Spende saniert werden. Jetzt muss im Kirchenraum noch ein Platz für das Bild gefunden werden – es soll nicht mehr zurück in den Turm kehren.

Anfang nächsten Jahres gehen die Arbeiten an St. Lambertus weiter. Das alte Portal im Kirchturm aus dem zwölften Jahrhundert wird dann mit einer Rampe versehen, also behindertengerecht ausgestattet. „Im Januar, spätestens Februar werden wir damit voraussichtlich beginnen“, sagt Peter Nobis.