Grevenbroich: Natalja und Leon müssen sich Vertrauen erarbeiten.

Streetworker in Grevenbroich : Natalja und Leon müssen sich Vertrauen erarbeiten

Sie arbeiten auf der Straße. Ihr Job ist es, Vertrauen bei Menschen aufzubauen, die kein Vertrauen mehr haben: Natalja Pyro und Leon Römer ist dies im vergangenen Jahr gelungen.

Die beiden Straßenarbeiter, Streetworker, der Diakonie im Rhein-Kreis bekommen zur Halbzeit ihres Zwei-Jahres-Vertrags ein deutlichen „Daumen rauf“ von der Stadt Grevenbroich. Sozialdezernent Claus Ropertz spricht von „beachtlichen Erfolgen“. Der für Soziales zuständige Fachbereichsleiter Hartmut Deußen erinnert daran, dass solch eine Arbeit Zeit braucht. Dabei wissen beide Verwaltungsmänner, dass es spätestens in den Ansätzen für den Haushalt 2021 um die Existenzfrage für die Streetworker in Grevenbroich gehen wird. Denn ihr Projekt läuft Ende 2020 aus. Die beiden Streetworker verteilen sich auf 1,5 Stellen. Ihr Einsatz kostet die Stadt 118.000 Euro pro Jahr.

Doch wie misst man den „Erfolg“ im Umgang mit Menschen, die ganz unten angekommen sind, oftmals ihre Wohnung verloren haben, von Hartz IV leben, falls ihnen das Jobcenter nicht gerade wieder die Mittel gesperrt hat, und die Lebenspartner und Freunde verloren haben? Vielleicht so: Zu 149 Frauen und Männern in Grevenbroich haben die beiden Streetworker intensivere Kontakte aufbauen können, 44 Personen davon werden derzeit intensiv betreut – 105 Menschen werden als „potentielle Klienten“ angesehen.

Laut einem Zwischenbericht für den Rat gibt es drei Themenschwerpunkte: die Beratung und Begleitung in Bezug auf Sozialleistungen, die Beschaffung oder Wiederbeschaffung von gültigen Papieren und die Unterstützung bei der Wohnungssuche. Die Wochenberichte von Natalja Pyro und Leon Römer fasst ihr Vorgesetzter bei der Diakonie, André Fitzner, so zusammen: „Unsere aufsuchende Sozialarbeit nimmt die Menschen so wie sie sind und will ihnen ganz praktische Hilfen geben.“

Das beginnt meist im Kleinen. Zum Beispiel, in dem die Streetworker dabei helfen, die nicht immer auf Anhieb verständlichen Formulare auszufüllen. Wenn darüber ein Einstieg gelungen ist, werden Klienten auf deren Wunsch auch bei Behördengängen begleitet. Oder man versucht gemeinsam, eine Wohnung zu finden. Oder der Kontakt zu einer Drogenberatung oder in eine Drogentherapie wird vermittelt.

Vordergründig bewegen sich die Diakonie-Mitarbeiter Pyro und Römer dabei in einem Spannungsfeld. Denn natürlich wollen sie ihre Kunden bestmöglich gegenüber anderen Institutionen vertreten. Zugleich aber schickt die Stadt die Mitarbeiter des Ordnungsamtes los, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen, falls nötig. Was Bürgermeister Klaus Krützen geschmeidig als „Zwei-Säulen-Modell“ tituliert, habe in der Praxis bislang tatsächlich gut zusammengewirkt, versichert Sozialdezernent Ropertz: „Es gibt einen Informationsaustausch. Und bereits mehr als einmal haben die beiden Streetworker vermittelnd in beide Richtungen wirken können.“ Will heißen: Es musste nicht immer gleich mit amtlichen Ansprachen und Platzverweisen gearbeitet werden, wenn es mal wieder irgendwo zu laut wurde. dne