Zukunftskongress im Kraftwerk Frimmersdorf Die nächste Generation der Wirtschaftsförderung

Frimmersdorf · In Frimmersdorf werden schon bald die ersten sichtbaren Strukturwandel-Projekte im Stadtgebiet in Angriff genommen. Das Kraftwerk bildete damit die passende Kulisse für die erste öffentliche Präsentation von „RKNextGen“, dem neuen Wirtschaftsförderungskonzept des Rhein-Kreises Neuss.

Zum Jahresende werden die ersten Abrissarbeiten im 2021 stillgelegten Kraftwerk Frimmersdorf vorbereitet.

Zum Jahresende werden die ersten Abrissarbeiten im 2021 stillgelegten Kraftwerk Frimmersdorf vorbereitet.

Foto: Kandzorra, Christian

Beim Zukunfskongress im Kraftwerk Frimmersdorf wurde „RKNextGen“, das neue Wirtschaftsförderungskonzept des Rhein-Kreises, erstmals öffentlich vorgestellt. Rund 180 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Gesellschaft und Politik erhielten dabei einen Einblick in das Konzept und seine Fokusthemen – und damit in den neuen „Motorraum“ der Kreiswirtschaftsförderung.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke betonte in seiner Begrüßungsrede, dass es für die Zukunftsfestigkeit und Attraktivität des Wirtschaftsstandortes Rhein-Kreis elementar sei, für und mit der Wirtschaft und Wissenschaft immer wieder Impulse zu setzen, die zu Fortschritt und Innovationen führen. „Unser Ziel ist es, auch bei neuen Herausforderungen einer der attraktivsten und wettbewerbsfähigsten Kreise in NRW und darüber hinaus zu blieben. Dazu gehört, langfristig Arbeits- und Ausbildungsplätze sowie Wertschöpfung zu sichern und zu erhöhen“, betonte Petrauschke.

In einem Impulsvortrag rückte Jens Südekum, Universitätsprofessor für Internationale Volkswirtschaftslehre an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, in den Fokus, wie „Innovationen und Transformationen als Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft“ verstanden und gelebt werden können. „Es ist der richtige Zeitpunkt, die Wirtschaftsförderung neu aufzustellen. Das Rheinische Revier und damit auch der Rhein-Kreis haben mit dem Ausstieg aus der Braunkohle, dem damit verbundenen Strukturstärkungsgesetz und den angekündigten Finanzhilfen einzigartige Voraussetzungen, um Neues entstehen zu lassen.“

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke stellte jetzt mit mehreren Akteuren das neue Wirtschaftsförderungskonzept des Rhein-Kreises vor.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke stellte jetzt mit mehreren Akteuren das neue Wirtschaftsförderungskonzept des Rhein-Kreises vor.

Foto: Dieter Staniek/stan

Michael Eyll-Vetter, Leiter der Sparte Tagebauentwicklung bei RWE Power, rückte beim Zukunftskongress den Blick auf das Kraftwerk Frimmersdorf als Beispiel für Transformation. Der Rückbau der Nordfläche des Kraftwerks werde werde Ende des Jahres vorbereitet. Der Abriss wird dann im ersten oder zweiten Quartal 2025 erfolgen – er sei ein großes sichtbares Zeichen dafür, dass die Transformation komme, sagte Eyll-Vetter. 2027 beziehungsweise 2028 könnten dort dann neue Arbeitsplätze entstehen.

RWE plane zudem, das Zentralgebäude mit der mehr als 500 Meter langen Turbinenhalle an die öffentliche Hand zu übergeben. Nicht zuletzt wegen der Erdbebensicherheit sei der Standort bestens für Rechenzentren geeignet, auch ein Bildungs-Camp für IT-Sicherheit sei vorstellbar. Am Kraftwerksstandort Neurath sei zudem der Bau eines Gaskraftwerks geplant – und Eyll-Vetter hofft, das es nicht bei einem bleiben wird. In Neurath soll auch eine andere Herausforderung angenommen werden: Energiespeicher. Strom soll außerdem auch aus Klärschlamm gewonnen werden.

Christian Schoon von der Prognos AG stellte im Anschluss gemeinsam mit Robert Abts, Leiter der Kreiswirtschaftsförderung, das Konzept „RKNextGen“ vor. Das Kürzel stehe für die „nächste Generation“ von Wirtschaftsförderung, sagte Schoon. „Wenn Wirtschaft und Unternehmen gehalten sind, sich in Zeiten vieler neuer Herausforderungen zu verändern, so war und ist es wichtig, dass auch wir uns als Dienstleister und Förderer unserer Wirtschaft auf neue Bedürfnisse und Anforderungen aus den Unternehmen anpassen“, sagte Abts. Das Konzept sei „hierauf die richtige und zukunftsfähige Antwort“.

„Wofür RKNextGen“ steht, wurde in einem eigens zur Veranstaltung vom Team der Kreiswirtschaftsförderung gedrehten Video vorgestellt. „Wir gehen die Transformation an, indem wir uns strukturell, kulturell und räumlich verändern“, sagte Wirtschaftsförderer Abts. Mit stärker privatisierter Ausrichtung, fokussierten Services für Unternehmer, dem Ausbau des Innovations- und Gründer-Ökosystems sowie einem neuen Branding, das zurzeit entwickelt werde, könne flexibler und gezielter mit der Wirtschaft und Unternehmen interagiert werden. „Wir wollen selbst innovativ sein und Elemente in Unternehmen stärken, die Innovation auslösen oder verstärken“, erklärte Abts.

An einer anschließenden Podiumsdiskussion nahmen neben Robert Abts und Michael Eyll-Vetter auch Michaels Bison (Geschäftsführer Stadtmarketing- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dormagen), Benjamin Küsters (Geschäftsführer Gartenhof Küsters) und Florian Kriependorf (ScrapBees GmbH) teil. Alle warn auch schon bei der bei der Erstellung des Konzepts als Beteiligte aus der Wirtschaft und aus den Kommunen dabei. Die Podiumsrunde unterstütz die vielen neuen Ideen und Impulse, die das Konzept in sich trage, und dass Rhein-Kreis mit seiner Ausrichtung einer zukunftsorientierten Wirtschaftsförderung erneut innovativer Vorreiter sei.