Villa Erckens in Grevenbroich Mit Hanns Dieter Hüsch das Museum der Niederrheinischen Seele erkunden

Grevenbroich · Das Museum der Niederrheinischen Seele hat Hanns Dieter Hüsch nicht mehr kennengelernt, doch die Texte und Lieder des Niederrheiners passen bestens zur Dauerausstellung in der Villa Erckens, wie Stefan Pelzer-Florack mit literarischen und musikalischen Darbietungen bewies. Diese Führungen in kleinem Kreis sind stets ausgebucht.

 Hanns Dieter Hüsch und das Museum der Niederrheinischen Seele – das passt hervorragend zusammen. Stefan Pelzer-Florack führte die Besucher mit musikalischen und literarischen Kostproben von Hüsch durch die Villa Erckens.

Hanns Dieter Hüsch und das Museum der Niederrheinischen Seele – das passt hervorragend zusammen. Stefan Pelzer-Florack führte die Besucher mit musikalischen und literarischen Kostproben von Hüsch durch die Villa Erckens.

Foto: Michaelis, Judith (jumi)/Judith Michaelis (jumi)

Ein Dauerbrenner: Auch die 15. Führung zum Thema Hanns Dieter Hüsch im Museum der Niederrheinischen Seele war ausgebucht – wie alle anderen zuvor. „Ich lade nie mehr als 15 Besucher ein, aus Wohlfühlgründen“, sagt der Kulturbereichsleiter Stefan Pelzer-Florack. Er hatte die Idee die sieben Themenräume der Ausstellung in der Villa Erckens mit Texten und Liedern des Kabarettisten und Schriftstellers Hanns Dieter Hüsch zu begleiten. Das passt alles wie die sprichwörtliche „Faust aufs Auge“ zusammen. „Alles, was ich bin, ist niederrheinisch“ hatte der „Poet unter den Kabarettisten“ (Johannes Rau) von sich behauptet. Dabei hat Hanns Dieter Hüsch die Grevenbroicher Ausstellung nie gesehen, denn sie ist erst 2012 eingerichtet worden, der in Moers geborene Hüsch ist aber bereits am Nikolaustag 2005 im Alter von 80 Jahren verstorben. „Aber er hat Grevenbroich oft besucht, fünfmal habe ich ihn hier getroffen“, erzählt der Kulturamtsleiter.

„Tach zusammen“ lautete der Titel der besonderen Führung. Nach dem ersten Kapitel aus der Hüsch-Autobiografie „Gedanken eines fahrenden Poeten“ führte Pelzer-Florack durch die Themenräume. Das beginnt mit dem Raum „Landschaftsbilder: Die Gestaltung von Lebensräumen ist Herausforderung für Natur und Mensch“, in den das Gedicht von „Hedwig, dem Kindermädchen“ passt. Stolz erläutert Stefan Pelzer-Florack ein neues Modell, das Grevenbroichs Umland nach dem Strukturwandel im Jahr 2060 zeigt. Dann geht es in den Raum „Kostproben: Der Geschmack des Niederrheins“. Zu den Ausstellungsstücken von Riemchentorte über Panhas und Altbier bis zum rheinischen Sauerbraten passt der Text, in dem sich Hanns Dieter Hüsch Gedanken macht, ob denn nun „Drainage“ oder „Voliere“ das Accessoire heißt, in dem Pfeffer, Salz und Öl, gelegentlich auch Zahnstocher zum Essen gereicht werden.

Hüsch-Songs werden auf der Gitarre begleitet – oder wie im Literaturraum ein Lied „Das Phänomen“ gekonnt mit gezupftem Kontrabass. Warum aber im Raum „Schützenherzen“, der niederrheinisches Brauchtum pflegt, „Ich sing für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten“ erklang, blieb trotz mancher Erklärungen schleierhaft. Gleichwohl war auch dieses Lied, mit angenehmer Stimme vorgetragen, für die meisten Besucher eine Neuentdeckung. Stefan Pelzer-Florack sang zum Abschied im siebten Raum, der „Heimspiel“ als Titel hat, das berühmte „Abendlied“ von Hanns Dieter Hüsch. Er begleitete sich dabei an einer kleinen Orgel, die ähnlich anmutete wie die Philicorda-Heimorgel, mit der der Kabarettist jahrzehntelang auf Tour war. Das Abendlied hat den Refrain „Die Lampen leuchten – der Tag ist aus“. Der Kulturamtsleiter verabschiedete seine Gäste dazu passend: „Und Gruß zu Haus!“