Grevenbroich: Mieter müssen für Sanierung umziehen

Grevenbroich: Mieter müssen für Sanierung umziehen

Der Bauverein will das Haus Kolpingstraße 100 sanieren und Sozialwohnungen schaffen. UWG-Ratsherr Rolf Göckmann hakt im Rat nach, warum Mieter die Kündigung erhalten hätten: "Wir wollen sozialverträgliche Lösungen", fordert er.

Insgesamt 34 öffentlich geförderte Wohnungen schafft der Bauverein Grevenbroich für mehr als fünf Millionen Euro an der Kolpingstraße in der Südstadt. Zwischen zwei anderen Bauvereinshäusern wird zurzeit ein Mehrfamilienhaus mit 19 Wohnungen errichtet. Etwa ab Jahreswechsel will die Genossenschaft zudem das aus dem Jahr 1963 stammende Nachbarhaus Kolpingstraße 100 sanieren. Aus den 15 beim Bau frei finanzierten Wohnungen sollen nun Sozialwohnungen werden.

Das 1,95 Millionen Euro teure Umbauprojekt war jetzt Thema im Stadtrat. "Wir haben erfahren, dass Mieter nicht nur für die Zeit des Umbaus aus ihren Wohnungen müssen, sondern die Kündigung erhalten haben", erklärte Rolf Göckmann (UWG), der von Beruf Rechtsanwalt ist. Eine Familie habe sich an ihn gewandt. Göckmann forderte die Stadtverwaltung auf, mit dem Bauverein Kontakt aufzunehmen. "Als das Projekt im Ausschuss vorgestellt wurde, ist betont worden, dass wir eine sozialverträgliche Lösung für die Mieter wollen", erklärte der UWG-Politiker.

Bei der Wohnungsbaugenossenschaft bestätigte Vorstand Hubert Zimmermann auf Anfrage unserer Redaktion, dass für die Wohnungen Kündigungen ausgesprochen wurden. "Während der Sanierung müssen die Mieter für längere Zeit aus ihren Wohnungen hinaus, wir gehen von einem dreiviertel bis einem Jahr aus", erläutert Zimmermann.

Bei dem Umbau werde auch der Zuschnitt der Wohnungen verändert. "Wir versuchen, für die Mieter andere Wohnungen in unserem Bestand zu finden, garantieren können wir das aber nicht." Für etwa die Hälfte der Mieter sei bereits eine Lösung gefunden worden. "Für die Wohnungen, in die sie ziehen, wird ein neuer Mietvertrag abgeschlossen."Nach dem Umbau an der Kolpingstraße könnten sie in ihren Wohnungen bleiben oder ins sanierte Haus zurückziehen. "Allerdings ist dort dann ein Wohnberechtigungsschein erforderlich", sagt Zimmermann.

  • Grevenbroich : Rolf Göckmann

Rolf Göckmann hat weiterhin Klärungsbedarf. "In dem mir vorliegenden Kündigungsschreiben ist nicht von einer Umzugsmöglichkeit oder von einem neuen Mietvertrag die Rede. Das ist zumindest missverständlich formuliert", meint er und hofft nun auf Aufklärung.

Wie -Vorstand Hubert Zimmermann zum Bauprojekt erläutert, soll das 55 Jahre alte Mehrfamilienhaus nach der Sanierung "Neubaustandard" haben. Das Haus werde auch energetisch saniert. Die Wohnungen sollen größere Balkone als bislang erhalten und werden barrierefrei umgebaut. Das Haus erhält einen Aufzug in einem Anbau. "Um den Zuweg zum Aufzug zu schaffen, müssen wir einige große Wohnungen verkleinern." Die Folge: Nach dem Umbau werden im Haus keine Vier-Zimmer-Wohnungen mehr zur Verfügung stehen. Die Kaltmiete wird laut Bauverein 6,20 Euro je Quadratmeter betragen.

Auf der Baustelle nebenan entstehen im Neubau zurzeit 19 Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen, die ebenfalls öffentlich gefördert werden. "Im Gegensatz zu manch anderem Investor schafft der Bauverein Grevenbroich öffentlich geförderte Wohnungen", betont Hubert Zimmermann.

Der Bedarf an solchem Wohnraum ist groß, wie auch die von der Gesellschaft InWIS für den Rhein-Kreis Neuss erstellte Studie aufzeigt. Danach fehlen im Grevenbroicher Stadtgebiet bis zum Jahr 2030 insgesamt 1802 Wohnungen, darunter alleine 631 öffentlich geförderte Einheiten.

(NGZ)