Grevenbroich: Landmaschinenspezialist Wassenberg seit 120 Jahren in Familienbesitz

Technisches Equipment aus Grevenbroich : Landmaschinenspezialist seit 120 Jahren

Einst mit Dampf- und Landmaschinen gestartet, stehen inzwischen Maschinen für Kommunen sowie den Garten- und Landschaftsbau im Mittelpunkt der Grevenbroicher Firma Wassenberg. Unverändert ist das vor 120 Jahren gegründete Unternehmen ein Familienbetrieb.

Welche Richtung die von ihm gegründete Firma nehmen würde, konnte Theodor Wassenberg natürlich nicht ahnen. 1899 erkannte der damals 34-Jährige die Zeichen der Zeit, das war die zunehmende Mechanisierung der Landwirtschaft. In seiner Werkstatt an der Wilhelmstraße in Grevenbroich verkaufte er Dampf- und Landmaschinen sowie Lokomobile. Letztere waren von Pferden oder Ochsen gezogenen Dampfmaschinenanlagen.

Heute, 120 Jahre später, präsentiert Geschäftsführer Hans-Jürgen Wachten, der Urgroßneffe des Firmengründers, an der Von-Goldammer-Straße vor allem sogenannte Kommunalmaschinen. „Alles, was mit draußen zu verwenden ist und der Pflege von Natur zu tun hat“, ist darunter zu verstehen, wie Prokuristin Ester Schürmann erklärt. Dass bei Benutzung von Rasenmähern für Golfplätze, Schneeräumungsmaschinen und Co. wie in alten Zeiten die Luft erzittert, vibriert oder zischt, ist passé. Weitgehend Geräuschlos und emissionsfrei sind die Maschinen, „die Energieeffizienz ist hoch, weil sie von Elektromotoren betrieben werden“, führt die Prokuristin über die neue Generation von Gerätschaften aus.

Sind stolz auf das Grevenbroicher Familienunternehmen mit 120-jähriger Geschichte: die Mitarbeiter der Firma Wassenberg. Foto: Tinter, Anja (ati)

„Was unverändert ist: wir sind noch immer ein Familienbetrieb“, selbst die insgesamt 45 Mitarbeiter sind lange im Betrieb, „ich gehöre im 31. Jahr dazu“, berichtet Schürmann. Als Firmengründer Theo Wassenberg 59-jährig starb, stand sein Sohn Josef zur Unternehmensübernahme bereit. Die Zeichen für den erst 23-Jährigen standen auf Expansionskurs. So zog 1939 das Büro auf die Königstraße, rückte somit näher an die Werkstatt und verkürzte die Wege. Während des Zweiten Weltkriegs zerstört, begann Josef Wassenberg bereits 1945 mit dem Wiederaufbau an der gleichen Adresse und gestaltete bei der Gelegenheit alles ein bisschen schöner, größer und moderner. Es war in der Nachkriegszeit, als zwei Mitarbeiter mit einem Motorrad auf Montage fuhren. Mangels Platz wurde die Werkzeugkiste kurzerhand auf dem Tank platziert, während der zweite Mann in den Sozius schlüpfte. „Kaum zu glauben, aber dabei ist es tatsächlich einmal vorgekommen, dass der Sozius am Zielort plötzlich nicht da war. Er ist unterwegs irgendwo verloren gegangen“, zitiert Geschäftsführer Wachten eine der zahlreichen Anekdoten aus der zwölf Dekaden langen Firmengeschichte.

Viele Jahre lag der Firmensitz an der Arndtstraße. Foto: Firma Wassenberg

Und obwohl Josef Wassenberg kinderlos blieb, übergab er das Unternehmen familienintern – an seinen Neffen Hansjakob Wachten. Der hatte als Lehrling Betrieb und Beruf von der Pieke auf gelernt und absolvierte später ein Maschinenbaustudium an der RWTH Aachen. 1956 trat er als Kommanditist in die Firma ein, ehe er 1965 ganz den Betrieb übernahm. Längst waren die unrentablen Landmaschinen aussortiert, und inzwischen wurden nicht nur Großkunden, sondern ebenso Privatkunden betreut.

Daniel Wachten als Kind mit Papa Hans-Jürgen und Mitarbeiter. Foto: Firma Wassenberg

Den nächsten gravierenden Einschnitt markierte eine Krankheit: Hansjakob Wachten, seit 1965 Chef, erlitt er in den 1980er Jahren einen Herzinfarkt. „Ich war noch mitten im Studium“, erinnert sich sein Sohn Hans-Jürgen Wachten. „Irgendjemand musste zu diesem Zeitpunkt weitermachen“, also sprang der Filius ein. „Der Sprung ins kalte Wasser gelang“, erinnert er sich. Nach einjähriger Rekonvaleszenz war der Senior wieder mit an Bord, „weil sich alles positiv entwickelte, blieb ich dabei“. Die Familientradition wird fortgeschrieben: „Mein Sohn Daniel hat sich dazu entschlossen, nach seinem Studium in die Firma einzutreten“, erzählt Geschäftsführer Hans-Jürgen Wachten über die nächste Generation.

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