Grevenbroich: Land soll bei Personalnot in Kitas helfen

Erziehermangel in Grevenbroich : Land soll bei Personalnot in Kitas helfen

Die Stadt wehrt sich gegen den Vorwurf, sie unternehme nicht genügend, um Kita-Erzieher zu gewinnen. Zehn Stellen sind unbesetzt. Über die Anstrengungen im Rathaus hinaus fordert Beigeordneter Heesch eine Initiative des Landes.

„Wir unternehmen alles, um neue Mitarbeiter für unsere Kindergärten zu gewinnen.“ Mit diesen Worten reagiert Erster Beigeordneter Michael Heesch auf den Vorwurf, dass Bewerber keine oder erst spät Antwort erhalten würden, obwohl die Stadt händeringend Personal sucht. Eine Erzieherin hatte berichtet, sie habe das Angebot einer anderen Kommune angenommen, von der Stadt habe sie keine Antwort erhalten. „Das kann ich mir schwer vorstellen. In unserem Online-Bewerbungsverfahren gehen automatisierte Schreiben hinaus, dass die Bewerbung eingegangen ist. Und die Vorstellungsgespräche laufen zwei, drei Wochen nach Ende der Bewerbungsfrist“, erläutert Personaldezernent Claus Ropertz.

Klar ist, dass die Stadt ein eklatantes Personalproblem hat. 165 Frauen und vier Männer arbeiten in den 16 städtischen Tagesstätten. Zehn Stellen sind zurzeit unbesetzt. Eine Folge: Die Kita Sonnenland im Buckau-Viertel musste jetzt an zwei Nachmittagen schließen – das vierte Mal 2019.

Die Verwaltung verweist auf ihre Anstrengungen zur Personalgewinnung. 2018 habe es nach 77 Vorstellungsgesprächen 23 Einstellungen gegeben. 2019 wurden bislang drei Arbeitsverträge unterzeichnet, sieben weitere Bewerber haben ein Angebot erhalten. „Wir haben vor einiger Zeit auch in den Niederlanden gesucht. Doch wir liegen 15 Kilometer zu weit hinter der Grenze“, berichtet Hauptamtsleiter Roland Knapp. Und Ropertz ergänzt: „Wir müssen uns gegenüber Bewerbern ,hübsch machen’, etwa mehr Angebote für Qualifizierung unterbreiten und Arbeitszeitwünsche berücksichtigen.“ Stolz ist Heesch auf das neue PiA-Modell (Praxisorientierte Ausbildung), das er angestoßen habe. Jedes Jahr beginnen fünf Auszubildende, die von Anfang an in eine Kita integriert sind.

Doch alle Bemühungen reichten nicht, zumal die Zahl der Kita-Plätze weiter steigen soll. Svetlana Schaarmann-Tröger, Fachberaterin für die Kindergärten, „steht jeden Morgen auf der Brücke der Titanic um zu prüfen, was zu tun ist, damit das Schiff nicht untergeht“, beschreibt Heesch die Lage. Das heißt, Personal wechselt zwischen Kitas, um vorübergehend Lücken zu schließen. Springer gibt es längst nicht mehr. Michael Heesch hat „kaum Hoffnung“, dass sich am generellen Erzieher-Mangel, von dem auch andere betroffen seien, „in der heutigen Situation etwas bessert“. Er sieht das Land in der Pflicht. „Das ist für die Erzieher-Ausbildung zuständig.“ Zugangsvoraussetzungen müssten geändert werden, so dass etwa Tagespflegeeltern nach Nachqualifizierung in Kitas eingestellt werden könnten. Zudem sei auf Landesebene eine Erziehungsinitiative nötig, um den Beruf attraktiver zu machen. Dafür müsse viel Geld in die Hand genommen werden, das Land mache schließlich die Vorgaben für die Betreuung. „Es darf nicht sein, dass wir Kitas bauen, und dann gibt es für sie kein Personal“, sagt Heesch. Wenig hilfreich sei es, dass das Land einen verbesserten Personalschlüssel wolle, „wenn der Erziehermarkt leergefegt ist“. Die Änderung würde weitere 19 Stellen erfordern.

Ein Lichtblick gibt es fürs „Sonnenland“. Im April müsse noch mit Schließungen gerechnet werden, meint Schaarmann-Tröger, im Mai gebe es dort neues Personal. „Wir machen es uns nicht einfach“, sagt Ropertz. Die Schließung sei der letzte Weg, wenn die Mindestbesetzung nicht zu gewährleisten sei. Laut Stadt wird Eltern, die dann keine Alternative hätte, eine Betreuung in einer anderen Kindertagesstätte angeboten.