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Grevenbroich: Kunst-Schatz aus Gustorf zeigt Szenen der Weihnachtsgeschichte

Historische Chorschranken : Kunst-Schatz aus Gustorf zeigt  Szenen der  Weihnachtsgeschichte

Die Chorschranken gelten als einer der bedeutendsten Kulturschätze des Rheinlandes. Im Original sind sie heute im Rheinischen Landesmuseum zu sehen.

Die Verkündigung der Hirten, die Anbetung der Heiligen Drei Könige, Maria und das Jesuskind – die Weihnachtsgeschichte ist weit und breit kaum älter künstlerisch dokumentiert worden als in der Pfarrkirche St. Maria Himmelfahrt. In der Taufkapelle des imposanten Gotteshauses sind die „Gustorfer Chorschranken“ aus dem zwölften Jahrhundert zu sehen, allerdings lediglich als Kopie. Die Originale befinden sich in Bonn, sie werden gut gehütet im Rheinischen Landesmuseum.

Dennoch: Gustorf und die Chorschranken werden stets in einem Atemzug genannt. Und das freut Konrad Sturm. „Unser Dorf ist nur ein kleiner Fleck auf der Landkarte“, sagt der ehemalige Kirchenvorstand. „Doch unsere Chorschranken sind international bekannt.“ Tatsächlich zählen die Sandstein-Reliefs, die einmal Eigentum der Pfarre waren, zu den bedeutendsten Kulturschätzen des Rheinlandes.

Vermutlich wurden die Platten um 1150 in Köln gefertigt. Neben den Bildern der Weihnachtsgeschichte zeigen sie weitere biblische Szenen wie die Erscheinung des Herrn oder das Jüngste Gericht. Wann genau die Gustorfer in den Besitz dieser mittelalterlichen Arbeiten kamen, ist unbekannt.

Ursprünglich war die alte Pfarrkirche im Besitz der Grafen von Hochstaden, die auch Vögte des um 1130 gegründeten Klosters Knechtsteden waren und die Kunstwerke nach Expertenmeinung wohl in Auftrag gegeben haben müssen. Lange Zeit wurde zwar davon ausgegangen, dass die Chorschranken zuerst in Knechtsteden ihren Platz fanden – doch das ist heute stark umstritten.

Fakt ist: Im 20. Jahrhundert wurde die Forschung auf die Sandsteinplatten aufmerksam. Im Jahr 1938 riet der Provinzial-Konservator den Gustorfern dringend dazu, die Reliefs abzugeben. Der Grund: Sie waren in der mittlerweile neuen, 1874 fertiggestellten Kirche eingemauert worden. Weil auf ihnen ein enormer Druck lastete, bestand die Gefahr, dass die mittelalterlichen Relikte zerstört werden könnten. Für 56.000 Reichsmark verkaufte die Pfarre die historischen Zeugnisse. Seitdem sind sie in Bonn zu sehen.

Heute existieren nur noch wenige Dokumente, die zeigen, wie die zwölf Tafeln einmal Bestandteil der Gustorfer Kirche waren. Eines dieser Zeugnisse wird im Kreisarchiv in Zons gehütet – eine Faltpostkarte, die Kirche und Chorschranken im Jahr 1928 zeigen. Verkauft wurden diese Ansichten vom damaligen Pfarrer, der sich vom Erlös eine Finanzspritze für die Kirchensanierung erhoffte. Zehn Jahre später konnte er diese Arbeiten mit Hilfe der 56.000 Reichsmark aus Bonn in Auftrag geben.

Das Versprechen des Provinzial-Konservators, die Gustorfer würden Repliken der Chorschranken erhalten, wurde mehr als 60 Jahre später eingelöst. Der damalige Bürgermeister Hans Gottfried Bernrath setzte sich in Bonn erfolgreich dafür ein, dass die Pfarre hochwertige Abgüsse erhielt. „Und die sind schöner als die Originale“, meint Konrad Sturm und lächelt.

Ein Besuch der Chorschranken empfiehlt sich zur Weihnachtszeit. Und ja: Die Gustorfer haben auch eine sehenswerte Kirchenkrippe.