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Grevenbroich: Kunden versuchen, Corona-Schnelltests zu erschleichen

„Wir testen nach wie vor an einem Tag Hunderte“ : Erschlichene Schnelltests in Grevenbroich

Seit einer Woche sind Corona-Schnelltests kostenpflichtig. Manche Kunden versuchen, die Bezahl-Pflicht zu umgehen. Die Preisspanne bei den Anbietern ist indes breit. Ein Apotheker bietet Tests für 4,95 Euro. Ist das der Beginn eines Preiskampfs?

„Probieren kann man es ja mal.“ Das dürften sich viele gedacht haben bei dem Versuch, sich Corona-Schnelltests bei Grevenbroicher Anbietern nach Einführung der Kostenpflicht zu erschleichen. Gerade in den ersten Tagen hat es solche Fälle nach Informationen unserer Redaktion an mehreren Teststellen im Stadtgebiet gegeben. Offenbar ist der Frust bei einigen groß, dass sie nun für etwas bezahlen müssen, das über Monate hinweg durch die Allgemeinheit finanziert wurde.

Doch damit ist Schluss, da helfen auch keine Diskussionen. „Wer es versuchte, musste den Test natürlich trotzdem bezahlen“, sagt Mike Schöneberg vom Testzentrum im Edeka-Markt am Hammerwerk, wo ein Schnelltest aktuell 16 Euro kostet. Er berichtet: „Manche Kunden hatten es drauf angelegt und online einen kostenlosen Schnelltest gebucht, obwohl sie dazu nicht berechtigt waren.“ Kostenfrei bietet Schöneberg Tests derzeit – wie alle anderen Anbieter – nur etwa für Kinder, Schwangere oder Menschen an, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden und dies belegen können.

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Andere Anbieter haben in den Tagen nach der Einführung der Kostenpflicht ähnliche Erfahrungen gemacht. So berichten Mitarbeiter des Testzentrums am Steinweg in der Fußgängerzone, dass dort Geimpfte, die sich sicherheitshalber testen lassen wollten, damit argumentierten, dass sie ja geimpft seien und daher aus ihrer Sicht kostenlos getestet werden sollten. Doch auch da gilt: Tests müssen bezahlt werden, am Steinweg mit je 15 Euro. Wie am Hammerwerk stößt die Bezahl-Pflicht hier bei den allermeisten Kunden jedoch auf Akzeptanz.

Bei den Preisen für Schnelltests in Grevenbroich gibt es indes große Unterschiede. Beim teuersten Anbieter werden einer Übersicht des Rhein-Kreises zufolge 20 Euro fällig, der billigste Anbieter nimmt nicht einmal ein Viertel dessen: Das Team von „Post“-Apotheker Rudolf Keil macht einen Abstrich für gerade mal 4,95 Euro. Sagt er damit der Konkurrenz den Kampf an? Keil sagt Nein: „Was andere darüber denken, spielt für mich keine Rolle.“ Seit anderthalb Jahren seien Bürger durch die Auswirkungen der Pandemie extrem belastet. Der Gustorfer Apotheker spricht von „massiven Eingriffen“ und meint damit die verschiedenen Beschränkungen, die zum Teil noch gelten.

„Wir müssen versuchen, mit möglichst wenig Aufwand alles zu tun, um das Leben zu erleichtern“, sagt Keil. Schnelltests sollten nicht an Preise gekoppelt sein, er möchte die Schwelle, sich testen zu lassen, für Kunden so niedrig wie möglich halten. Aus seiner Sicht handelt es sich um „soziales Engagement“: 4,95 Euro seien das Minimum dessen, was er nehmen müsse.

Als Bürger-Schnelltests noch kostenlos waren, hatten Anbieter pro Test pauschal 11,50 Euro für Material und Aufwand von der Kassenärztlichen Vereinigung erhalten. Die reinen Materialkosten dürften seit einiger Zeit weitaus geringer ausfallen. Mit 4,95 Euro kann Rudolf Keil diese Ausgaben decken. Ob der Preis angemessen ist oder nicht – darüber lässt sich streiten. Fest steht: Derzeit nehmen die meisten Anbieter in Grevenbroich für einen Schnelltest etwa 15 Euro. Damit rangieren sie (was die Apotheken betrifft) unter dem Schnitt. In einer Umfrage hatte der Apothekerverband Nordrhein kurz vor Einführung der Kostenpflicht ermittelt, dass die Preise in der Region im Schnitt bei rund 20 Euro liegen. „In Frankreich kosten Tests bis zu 30 Euro“, zieht Verbandschef Thomas Preis einen Vergleich. Das 4,95-Euro-Angebot aus Grevenbroich-Gustorf mag er nicht kommentieren.

Allgemein erklärt Preis, dass der bürokratische Aufwand durch die Kostenpflicht gestiegen sei. „Bei Schnelltests müssen Apotheken nun entsprechende Zahlungsvorgänge und Kontrollen durchführen“, sagt er. Preis zufolge hätten sich etwa 90 Prozent der Betreiber dazu entschieden, ihr Test-Angebot im Oktober noch aufrecht zu halten – auch der Herbstferien wegen. Die meisten würden erst zum Ende des Monats entscheiden, ob sich dies für sie weiterhin wirtschaftlich rechnet. Denn die Test-Zahlen sind wegen der steigenden Impfquoten rückläufig.

Durch die Ferien fällt die Bilanz, was die reinen Test-Zahlen angeht, aus Sicht vieler Anbieter dennoch positiv aus. So auch bei Mike Schöneberg: „Wir testen nach wie vor an einem Tag Hunderte.“ Geschätzt sei die Zahl lediglich um 20 Kunden pro Tag zurückgegangen. Einen Schwerpunkt sieht er auf den Spuck-Tests für Kinder. „Die meisten unserer Kunden sind Eltern, die mit ihren Kindern kommen“, sagt er. Schöneberg beobachtet die Preise auf dem Markt trotzdem sehr genau.

Auch wenn es günstigere Anbieter gibt: So leicht will er nicht an sich rütteln lassen, sagt er. „Die Kapazitäten, die wir haben, kann ein Arzt oder ein Apotheker gar nicht vorhalten.“ Außerdem könnten seine Kunden einen Test mit einem Einkauf verbinden. Noch sieht er keinen Grund, den Preis zu senken. „Wenn wir wollen, könnten wir einen Preiskampf mitgehen“, sagt er – aber darauf wolle er es nicht anlegen.