Kultur in Grevenbroich Künstler verleihen  „Appelkitsch“ an Musiker

Grevenbroich · Erstmals haben die „Dielämmer“-Künstler einen Musiker ausgezeichnet: Stefan Pelzer-Florack, der während der Corona-Pandemie virtuelle Konzerte gab, erhielt den Preis. Und zum Schluss musste er sogar Autogramme geben.

 Werner Franzen (r.) von der Künstler-Galerie „Judith Dielämmer“ übergibt den Kunstpreis „Appelkitsch“ an Stefan Pelzer-Florack. 
  Foto: S. Büntig

Werner Franzen (r.) von der Künstler-Galerie „Judith Dielämmer“ übergibt den Kunstpreis „Appelkitsch“ an Stefan Pelzer-Florack. Foto: S. Büntig

Foto: bün/Stefan Büntig

Hut, Bart und Gitarre – das ist Danyel Gérard, dem 1971 mit „Butterfly“ ein Volltreffer gelang, das ist aber auch Stefan Pelzer-Florack. Der 56-jährige Grevenbroicher bekam jetzt den Kunstpreis der Galerie Judith Dielämmer verliehen. Als Dankeschön revanchierte er sich mit einem einstündigen Konzert, angereichert mit jeder Menge kleiner Geschichten.

Stefan Wehlings, Leiter des Jugendcafés Kultus und ebenfalls begeisterter Musiker, hielt eine kurze Laudatio. Pelzer-Florack werde jetzt vor allem für die vielen musikalischen Angebote geehrt, die er während der Zeit der Corona-Beschränkungen via Facebook verbreitete: „So hat er den Menschen Trost und Hoffnung gegeben“, sagte Wehlings. Er hob den Ideenreichtum von „Pe-Eff“ hervor und dessen Bekanntheit in der regionalen Musikszene. Nicht immer tritt Stefan Pelzer-Florack unter seinem Namen auf. Seine Kinderlieder trägt er unter dem Namen „Stefan Strohhut“ vor.

Werner Franzen von der Produzentengalerie Judith Dielämmer gestand Folgendes unmittelbar vor der Verleihung des Preises: „Ich hab‘ ein bisschen Angst, weil er den Preis eigentlich gar nicht wollte.“ Diese Furcht war allerdings unbegründet. Dankbar nahm Pelzer-Florack den von Franzen gestalteten „Appelkitsch“ entgegen, den die Künstler einmal jährlich vergeben.

Die Preisübergabe ging kurz und schmerzlos über die Bühne. Man merkte dem Preisträger an, dass er so richtig Bock hatte, sein Publikum mitzunehmen auf eine kurze, aber interessante Reise durch seine persönliche Welt der Musik. Er bedankte sich artig: „Toll, dass hier immer neue Ausstellungen zu sehen sind – und Sie das alles ehrenamtlich machen.“ Das sagte Stefan Pelzer-Florack ganz sicher auch in seiner Eigenschaft als Leiter des Grevenbroicher Kulturamtes.

Dafür gab es einen Extra-Applaus – und dann ging es auch schon los mit der Musik. Pelzer-Florack erzählte, dass er vom siebten Schuljahr an Feuer und Flamme für die Musik war. Er präsentierte sich als Liedermacher, spielte auch Eigenkompositionen. Er startete aber mit einem Lied von Klaus Hoffmann – einem kritischen Song, und man hatte zunächst das Gefühl, er bringe seine Meinung über Grevenbroich mit der Textzeile „Was fang‘ ich an mit dieser Stadt, die so viel Fortschritt nötig hat“ zum Ausdruck. Wenig später kam dann aber doch eine Art Liebeserklärung: Die Musik des Sting-Songs „Moon over Bourbon Street“ nutzte der Musiker für ein Loblied auf seine Heimatstadt.

 In den 80er Jahren war Stefan Pelzer-Florack mit Bass und „Schwartenmagenblues“ unterwegs.

In den 80er Jahren war Stefan Pelzer-Florack mit Bass und „Schwartenmagenblues“ unterwegs.

Foto: Stefan Pelzer-Florack

„Ich fahr‘ einfach mit dem Rad durch die Gegend, treffe immer Leute – so schlecht ist das hier gar nicht“, sagte der Preisträger, und es hörte sich so an, als wolle er sich dafür entschuldigen, dass er nie woanders gelebt hat. Stefan Pelzer-Florack trug auch den Song vor, den er zum 100. Geburtstag von Joseph Beuys geschrieben hatte. Und er erzählte die Geschichte, wie er im November 1989 den „Schwartenmagen-Blues“ in Berlin vortragen durfte als Gewinner eines Förderpreises – und dabei den Fall der Mauer verschlafen sollte.

Früher hatte er seinen Kindern immer das aus seiner Feder stammenden „Einschlaflied“ vorgesungen. Das machte er jetzt auch, allerdings ohne den Effekt, für den er das Lied einst geschrieben hatte. Auch als der bekennende Reinhard-Mey-Fan dessen Klassiker „Gute Nacht, Freunde“ sang, verließ niemand die Galerie-Räume an der Kölner Straße. Stattdessen musste er den Gästen Autogramme geben, was er natürlich gerne tat.

(NGZ)
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