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Grevenbroich: Kreisweit fahren 32.500 Autos mit Kennzeichen "GV"

Grevenbroicher Kennzeichen : 32.500 Autos im Rhein-Kreis fahren mit „GV“

Kreisweit fährt sechs Jahre nach dem Revival jedes zehnte zugelassene Fahrzeug mit „GV“-Kennzeichen. Original-Schilder aus der Zeit vor 1975 sind extrem selten geworden – doch es gibt sie noch.

In den ländlichen Gebieten des Rhein-Kreises Neuss und vor allem in Grevenbroich fahren immer mehr Autos, Motorräder und auch Lkw mit der Kennung „GV“ auf ihren Kennzeichen. Seit der Wiederbelebung des „GVs“ im August 2015 sind mehr als 32.500 Fahrzeuge kreisweit mit „GV“ zugelassen worden. Bei etwas mehr als 357.000 zugelassenen Fahrzeugen insgesamt entspricht das einer Quote von rund neun Prozent – oder anders ausgedrückt: Fast jeder Zehnte im Kreis fährt „GV“ für Grevenbroich statt „NE“ für Neuss.

Manche haben in den Jahren vor der Wiederbelebung 2015 energisch für das Revival der „alten Nummer“ gekämpft. Denn „GV“ war in den Jahren nach der kommunalen Neugliederung 1975 allmählich von den Autos verschwunden. Den Landkreis Grevenbroich gab es nicht mehr, stattdessen wurden Fahrzeuge mit „NE“ für den Rhein-Kreis Neuss gestempelt. Für die Wiedereinführung hatten Grevenbroicher wie Boris Schnitzler, Rolf Göckmann und Dieter Hermanns gestritten – schließlich mit Erfolg.

 Im August 2015 zählte der Grevenbroicher Boris Schnitzler zu den ersten stolzen Fahrern mit „GV“.
Im August 2015 zählte der Grevenbroicher Boris Schnitzler zu den ersten stolzen Fahrern mit „GV“. Foto: Kandzorra, Christian

Bei der Einführung des neuen alten „GVs“ legten die Mitarbeiter des Straßenverkehrsamts in Grevenbroich eine Sonderschicht ein, Hunderte Fahrer hatten sich im Vorfeld ihre Wunschkennungen reserviert. Auch Boris Schnitzler saß damals vor dem Computer, um sich unter anderem ein „GV-B 75“ zu sichern. Das Kennzeichen fährt er noch heute. „Ich freue mich, dass das ,GV’-Kennzeichen so gut ankommt“, sagt Schnitzler, der 1975 geboren wurde – in dem Jahr, als das ursprüngliche „GV“ verschwand. „Ich habe Mitte der 90er-Jahre Zivildienst im Schneckenhaus geleistet und kann mich erinnern, dass damals gegenüber ein alter Manta A stand, der noch ein originales ,GV’-Kennzeichen hatte. Das hat mich fasziniert, denn das musste ja aus der Zeit vor 1975 stammen“, sagt Schnitzler, der zurzeit sechs eigene Zulassungen mit „Grevenbroich“ zählt: Klar, dass „GV“ für ihn mehr ist als nur eine Buchstabenkombination.

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Für Boris Schnitzler, der sich als Autohändler bei fast jeder Neuzulassung für das „GV“ entscheidet, bedeutet das ein Stück mehr Heimat – genauso übrigens wie für Rolf Göckmann. Der Rechtsanwalt hatte sich vor 2015 ebenfalls dafür starkgemacht, dass das Kennzeichen auf die Autos zurückkehrt. Und selbstverständlich ist er noch immer Fan des Gs und des Vs an Front und Heck seines Wagens. „Die meisten, die ich kenne, fahren inzwischen mit ,GV’“, sagt Göckmann, der sich an den Kampf um das Kennzeichen gut erinnern kann: „Es ging uns um das Wir-Gefühl. Darum, zu zeigen, wo man genau herkommt. Das war uns eine Herzensangelegenheit. Umso glücklicher waren wir, als es tatsächlich funktionierte.“ 32.500 Zulassungen – das spreche für sich. „Das ist eine gewaltige Entwicklung.“ Rechne man die Zahl herunter auf Grevenbroich, zeigte das, dass ein großer Teil der Bürger der Stadt mit „ihrer“ Kennung unterwegs sind.

 Hatte sich mit für das Grevenbroicher Kennzeichen eingesetzt: Rolf Göckmann, hier an seinem Auto. 
Hatte sich mit für das Grevenbroicher Kennzeichen eingesetzt: Rolf Göckmann, hier an seinem Auto.  Foto: Kandzorra, Christian

Unter den vielen Grevenbroichern, die sich für ein „GV“ auf ihren Autos entschieden haben, sind auch einige Oldtimerfreunde, die in der Buchstabenkombi eine zeitgenössische Kennung sehen und ihre alten Schätzchen damit schmücken. Manche wiederum finden das unnötig und bleiben beim „NE“. Der Grevenbroicher Bürgermeister allerdings fährt privat und dienstlich Fahrzeuge mit „GV“, dienstlich konkret mit der Kennung „GV-JB 1985“ – eine Erinnerung an Klaus Krützens Arbeit beim Jugendverband „Jugend im Brennpunkt“, die er im Jahr 1985 aufnahm. Darüber hinaus fahren einige weitere städtische Fahrzeuge mit Kennzeichen „von hier“, darunter solche des Baubetriebshofs.

Rar geworden sind inzwischen original-alte „GV“-Kennzeichen. Es gibt noch ein paar Traktoren und alte Anhänger mit der Kennung, Pkw aber kaum. Eine Ausnahme ist der NSU Prinz, den Familie Hösen aus Kapellen seit rund 50 Jahren pflegt. Das alte Schätzchen ist nie abgemeldet worden, um das Kennzeichen zu erhalten. Bis heute fährt der Oldtimer mit authentischem „GV“ und Plakette „Kreis Grevenbroich“ – eine echte Seltenheit, die die Familie unbedingt bewahren möchte.