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Grevenbroich: Kreis schließt sich dem Impfbündnis an

Initiative in Grevenbroich vorgestellt : Kreis schließt sich dem Impfbündnis an

Mönchengladbach hat die Initiative ergriffen und wirbt mit vielen Akteuren aus dem Gesundheitswesen für Schutzimpfungen. Dieser Aktion hat sich jetzt der Rhein-Kreis angeschlossen. Auch er will die Bürger motivieren.

Masern, Grippe, Mumps, Keuchhusten – alleine in diesem Jahr gab es im Rhein-Kreis schon 913 Erkrankungen, die durch eine frühzeitige Impfung hätten verhindert werden können. „Das zeigt, dass Handlungsbedarf gegeben ist“, sagt Gesundheitsdezernent Karsten Mankowsky. „Die Impfmoral muss deutlich verbessert werden.“ Und das wird nun angepackt: Der Rhein-Kreis hat sich aktuell dem „Impfbündnis“ angeschlossen, einer Initiative der Stadt Mönchengladbach.

Gemeinsam mit Ärzten, Apothekern und Krankenkassen verfolgen die Partner folgende Ziele: Sie wollen die Impfrate steigern, Impflücken schließen und den Stellenwert des Impfens für die Gesundheit der Bevölkerung in den Vordergrund stellen. „Das machen wir zusammen mit Kitas, Schulen, aber auch mit Betrieben und Vereinen“, sagt Dörte Schall, die das Gesundheitsdezernat in Mönchengladbach leitet. Mit Aktionen und Plakaten soll künftig auch in Kommunen des Rhein-Kreises für den „kleinen Pieks“ ganz groß geworben werden.

Dabei wollen die Akteure vor allem die „Müden“ aufwecken, also die 30 bis 40 Prozent, die das Impfen schlichtweg „vergessen“ oder einfach unschlüssig sind. „Da ist leider eine gewisse Gelassenheit eingetreten“, bedauert Kinderarzt Ralph Köllges. „Viele halten das Impfen nicht mehr für so wichtig.“

Aufklärungs-Kampagnen gab es zwar auch schon vorher, doch das reicht dem Bündnis nicht. Es setzt unter anderem auf aktive Mitarbeit – etwa auf die von Unternehmen. „Ist ein Mitarbeiter erkrankt, ist das auch schlecht für den Betrieb“, betont Köllges. Mittlerweile bieten Firmen bereits Grippe-Impfungen für ihre Belegschaft an. Dafür soll nun auch im Kreis geworben werden, der selbst mit gutem Beispiel vorangeht. „116 Mitarbeiter wurden in den vergangenen Tagen gegen Grippe geimpft“, sagt Karsten Mankowsky.

Vor allem hat das Bündnis Kinder und deren Eltern im Blick – nicht ohne Grund. „In diesem Jahr wurden kreisweit 4294 i-Dötzchen eingeschult, von denen 92 Prozent einen Impfausweis vorlegen konnten“, berichtet Barbara Albrecht vom Gesundheitsamt. „Die verbleibende Lücke müssen wir schließen.“

Laut Ralph Köllges haben nur etwa 75 Prozent der Kleinkinder die für einen vollständigen Schutz nötige zweite Masernimpfung im 24. Lebensjahr bekommen. Und er warnt: Die Gefahr werde oft unterschätzt, die Krankheit könne tödlich enden – auch für Erwachsene, die womöglich noch mehr gefährdet seien. „Würden wir heute eine Impfrate von 95 Prozent der Bevölkerung erreichen, bekämen wir die Masern weg“, sagt Ralph Köllges.

Im Rhein-Kreis Neuss habe es viele Jahre lang keine einzige Masernerkrankung geben – bis es im Februar 2019 urplötzlich wieder zu mehreren Fällen kam, schildert Michael Dörr. „Sie gingen zum Glück gut aus. Doch das zeigt, dass sich die Situation jederzeit ändern kann“, meint der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, der für Impfung wirbt. „Sie kann viel Leid ersparen, denn in einem von 1000 Fällen verlaufen Masern tödlich.“