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Grevenbroich: Klimakrise ist gefährlicher als Corona

Spiritueller Zwischenruf : Klimakrise gefährlicher als Corona

Die Klimakrise darf trotz Corona nicht unterschätzt werden, mahnt Pater Bruno Robeck, Prior des Langwadener Zisterzienser-Klosters. Der Mensch müsse endlich den Herrschaftsanspruch ablegen.

Was haben Klimakrise und Coronakrise gemeinsam? Beide sind lebensgefährlich. Der große Unterschied ist jedoch, dass die Klimakrise unser gesamtes Ökosystem zerstört, während sich die Coronakrise auf die Spezies Mensch konzentriert. Das Coronavirus wird von vielen gefährlicher empfunden als der Klimawandel. Vor diesem Hintergrund ist die weltweit vernetzte Fridays-for-future-Bewegung mehr als notwendig. Mit ihrer einhundertundersten Demonstration beweist sie ihren langen Atem, den sie auch dringend braucht; denn es wäre naiv zu glauben, dass die grundlegenden Klimaprobleme in den vergangenen zwei Jahren hätten gelöst werden können. Dieser weltweiten Bewegung verdanken wir den Wandel in unserem Klimabewusstsein bis hinein in höchste Regierungs- und Wirtschaftskreise. Dies sollte niemand unterschätzen. Seit fast einem Jahr gibt es auch die „christians4future – die Christen für die Zukunft“. Auch wir im Kloster sind sensibilisiert und achten zum Beispiel bei der Energiegewinnung auf klimaneutrale Methoden.

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Lange genug haben wir Menschen gemeint, dass wir gesund bleiben können, auch wenn die Welt um uns herum krank wird. Langsam wird uns bewusst, dass wir nicht gegen die Natur, sondern nur mit ihr überleben können. Oder wir werden durch sie sterben. Die Natur braucht den Menschen nicht, aber der Mensch braucht sie. In diesem Sinn kann die Bibel auf doppelte Weise missverstanden werden, wenn Gott zum Menschen im ersten Schöpfungsbericht sagt „Macht euch die Erde untertan!“ (vgl. Gen 1,28). Aus dieser Aufforderung hat der Mensch seinen Herrschaftsanspruch über alle Geschöpfe abgeleitet und sich gleichzeitig als das größte und unentbehrlichste Geschöpf verstanden. Die Krönung der Schöpfung ist jedoch nicht die Erschaffung des Menschen am 6. Tag, sondern die große Ruhe Gottes am 7. Tag, dem Sabbat. Er ist der krönende Abschluss; darum soll er heilig gehalten werden. Nicht im Tun des Menschen findet die Schöpfung ihre Vollendung, sondern im Anschauen des Werkes Gottes.

Gott schaut auf seine Schöpfung… und etwas naiv gefragt: Was sieht Gott, wenn er heute darauf schaut? Er sieht, dass sich vieles verändert hat und dass vieles aus dem Gleichgewicht geraten ist. Er muss sehen, dass der Mensch seinen Auftrag, „über die Fische des Meeres, über die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere zu walten“, wie es die neue Einheitsübersetzung ausdrückt (vgl. Gen 1,26), missverstanden hat.

Wir Menschen sollten lernen, unsere Welt mit den Augen Gottes zu sehen, das heißt vom Tag der großen Ruhe her. Dann werden wir über unsere Welt richtig zu „walten“ wissen.

Wir haben die Kräfte und Fähigkeiten zur Bewältigung beider Krisen. Wir werden hoffentlich die Coronakrise schneller bewältigen als die Klimakrise und niemals beide gegeneinander ausspielen.

P. BRUNO ROBECK OCist