Grevenbroich: Kindestötung - Stadt bezieht Stellung

Nach Kindstod in Grevenbroich : „Keine Hinweise auf eine Gefährdung des Jungen“

Eine 27 Jahre alte Frau aus Wevelinghoven steht im Verdacht, ihren zwei Jahre alten Sohn getötet zu haben. Sie und ihre Familie stand seit zweieinhalb Jahren in Kontakt mit dem städtischen Jugendamt. Das bezog am Donnerstag Stellung zum Fall.

„Der Tod des kleinen Jungen hat uns erschüttert“, sagte Bürgermeister Klaus Krützen. Er sei entsetzt über das Drama, das sich in einem Mehrfamilienhaus in Wevelinghoven abspielte – zumal es „zu keiner Zeit einen Hinweis darauf gegeben hat, dass das Wohl des Jungen und seiner vier Jahre alten Schwester gefährdet sein könnte.“

Die Familie sei 2017 nach Grevenbroich gezogen, vorher habe sie bereits in Kontakt zu einem anderen Jugendamt gestanden. „Sie wurde uns von dieser Behörde übergeben“, betonte der Erste Beigeordnete Michael Heesch. In den ersten anderthalb Jahren habe das Jugendamt monatliche telefonische Kontakte gepflegt, in dieser Zeit sei es zu drei Hausbesuchen gekommen. Seit dem Spätsommer 2018 seien die Kontakte weniger geworden, „weil die Familie unauffällig war“, sagte Jugendamtsleiterin Birgit Schikora. Der nächste Kontakt sollte nach Ostern stattfinden.

Die Arbeit mit der Familie bezeichnet Heesch als vorbildlich, sie sei zudem gut dokumentiert worden – „von einer 100-prozentig korrekten Mitarbeiterin. In der gesamten Akte gibt es keinen Hinweis darauf, dass es zu einer Gefahr hätte kommen können“, sagte der Erste Beigeordnete. Eine Verwahrlosung der Geschwister sei äußerlich nicht zu erkennen gewesen. Vielmehr habe die Familie zeitweise einen desorganisierten Eindruck hinterlassen. „Das war aber nicht durchgängig. Bei der Hausbegehung war die Wohnung mal unordentlich, beim anderen Mal tipptopp aufgeräumt.“

Die vier Jahre alte Tochter der 27-Jährigen ist von der Stadt in Obhut genommen worden, das Familiengericht ist eingeschaltet. Weder bei dem Mädchen noch bei dem Jungen habe es Auffälligkeiten bei den Vorsorgeuntersuchungen des Kinderarztes gegeben. Das Mädchen habe eine Kita besucht, in den Wochen vor dem dramatischen Ereignis sei es dort auch regelmäßig erschienen. Und: In den gesamten zweieinhalb Jahren habe es von Dritten keine Hinweise darauf gegeben, dass mit den beiden Kindern etwas nicht stimmen könnte.

„Wir erleben die Grevenbroicher in solchen Dingen als sehr aufmerksam“, sagte Birgit Schikora. Alleine 2018 habe das Jugendamt rund 160 Meldungen von Nachbarn, Kita- oder Grundschul-Personal über mögliche Kindeswohlgefährdungen erhalten. „In 90 Prozent der Fälle haben wir daraufhin entsprechende Maßnahmen eingeleitet“, sagte die Jugendamtsleiterin.

Zur Todesursache des kleinen Jungen gab die Kriminalpolizei bisher nichts bekannt.

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